Fr 23-04-21 Vive la France!

Die Guten und der Schiet.

Bolle hält dieses Statement von Dörner für geradezu zenmäßig kryptisch und meint, es lohne, es ab und an und immer mal wieder zum Gegenstand seiner (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course)  kontemplativen Bestrebungen zu machen. Es findet sich gleich in der Einleitung der »Logik des Mißlingens«. Im folgenden heißt es dort: … und am Ende steht dann der erstaunt-verzweifelte Ausruf: ›Das haben wir nicht gewollt.‹ Bolle meint: Aber getan! Immerhin hat es, wie es scheint, ein gütiger Gott oder wer auch immer so eingerichtet, daß das, was Dörner ›Dummheit‹ nennt, so weit reicht, daß sich den „Veranstaltern“ der Zusammenhang zwischen gutgemeintem Tun und zweifelhaftem Ergebnis oft gar nicht erst erhellen wird. Am Ende heißt es dann eher: „Verstehen wir auch nicht, warum das nicht funktioniert. Ist aber auch furchtbar komplex, das alles.“

Was hat das mit uns und hier und heute zu tun? Nun, Friedrich Merz, ausgerechnet, soll sich gegen Gender-Gaga ausgesprochen und darauf verwiesen haben, daß die Franzosen das schließlich auch nicht machen würden. Nun muß man, von Rotwein vielleicht einmal abgesehen, weiß Gott nicht alles gut finden, nur weil die Franzosen das so machen. Indes, und das war Bolle neu, haben die Franzosen ihren staatlichen Einrichtungen das Gender-Gackern schlicht und ergreifend verboten. Zwar hält Bolle nicht allzu viel von übertriebener „Verbotskultur“ – schon deshalb nicht, weil er hierin keine sonderliche kulturelle Leistung zu erblicken vermag. Allein sein Wissen um Existenz und Wirkungsweise von Nash-Gleichgewichten zwingt ihn zu der Einsicht, daß es mitunter einfach nicht anders gehen kann. Von Nash-Gleichgewichten spricht man, wenn, obwohl jeder das macht, was für ihn das beste ist, unterm Strich nur dummes Zeug bei rauskommt – was natürlich so niemand gewollt hat. Auflösen lassen sich Nash-Gleichgewichte – und das ist hier der wichtige Punkt – allein durch eine regelsetzende und durchsetzende Instanz. Vulgo: Verbote von oben, falls nötig. Komplizierter ist es an dieser Stelle nicht. Wir erwähnen es auch nur, weil es sich beim unzureichenden Verständnis von Nash-Gleichgewichten (neben dem unzureichenden Verständnis von Exponentialfunktionen) um eine der beiden hauptsächlichen kognitiven Dysfunktionen handelt, unter denen die Verständigeren unter uns nun mal schwer zu leiden haben. Soweit zu Dörners Dummchen. Ausführlicher zum Gender-Gackern vgl. etwa So 06-09-20 Laber Rhabarber.

Das Thema wird uns absehbar noch viel Freude bereiten. So rüsten sich interessierte Kreise namentlich in den USA für die als gut und gerecht empfundene „Identitätspolitik“ im Filmgeschäft. Dabei sollen, wenn’s nach diesen Kreisen geht, zum Beispiel Schwule nur noch von Schwulen gespielt werden dürfen und Autisten nur noch von Autisten. Schwarze nur noch von Schwarzen sowieso. What comes next? Irre nur noch von Irren? Iren nur noch von Iren? Kinderschänder nur noch von Kinderschändern? Massenmörder nur noch von Massenmördern? Alles andere wäre schließlich „kulturelle Aneignung“ – und das geht in den Augen der Dörner’schen Dummchen ja gar nicht. Bolle meint, da hat jemand glatt den eigentlichen Kern der Schauspielkunst verpeilt. Warten wir’s ab. Schließlich wäre das ja auch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

4 Antworten auf „Fr 23-04-21 Vive la France!“

  1. Na, da haben die Franzosen ja mal was richtig gutes hinbekommen, außer Rotwein natürlich. Zum Gender-Gejaule tun sich bei mir allerdings auch zwei Fragen auf: 1. In Spanien sind eigentlich alle relevanten und wichtigen Dinge weiblich belegt. Wie passt das zur angeblich nur von männlichen Attributen gepägten Sprache? 2. Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es im englichen überhaupt kein männlich oder weiblich in der Betitelung? Haben die Gender-Experten da nicht richtig hingeschaut, gehört oder hatten einfach einige Menschen zuviel Langeweile?
    Und zu guter letzt, verdienen Frauen jetzt genausoviel wie Männer in der gleichen Position? Fragen über Fragen…

    1. Stimmt. Die Briten zum Beispiel ham nicht ma n Wort für „Kater“. Notfalls „tomcat“. Oder „hangover“, eben  ;- ) Aber das ist dann doch schon wieder ein anderes Kapitel …

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