Sa 26-10-20 Kastanien sammeln für das Klima

Kastanien, Eicheln und andere Baumsamen sammeln für das Klima! Dein Weekend for Future!

So hat das heute jemand in unserem Nachbarschaftsnetzwerk vorgeschlagen. Die Antwort: Hart, aber herzlich. Und leider furchtbar wahr. Ist schon ein Kreuz mit dem Klima. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 06-12-19 Banker und Zinseszins

Europa will das Weltklima retten – und zwar mit der Notenpresse. Whatever it takes.

Gefunden in Garbor Steingarts Morning Briefing. Bolle meint: Irgendwas gibt es schließlich immer zu retten. Aktuell dann eben „das Weltklima“. Dabei findet sich die folgende Graphik:

Sieht irgendwie schon etwas beunruhigend aus. Noch beunruhigender – oder gar gruseliger –  wird das ganze jedoch, wenn wir es in eine konventionelle Darstellung übersetzen. Und die geht so:

Hier finden wir – Stand März 2015 – den Ausgangswert der von der EZB ins System gepumpten 115,6 Mrd Euro. Hier und heute – Stand November 2019 – wären wir bei 2.673 Mrd Euro („Sternchen“). Wenn wir die Wachstumsrate der „Geld-Flutung“ berechnen – derartige Prozesse folgen oft und gerne einer sog. „geometrischen Progression“ – dann kommen wir auf stattliche 96%. Das heißt, die EZB verdoppelt Jahr für Jahr die Knete, die sie in „die Märkte“ pumpt. Wenn sie so weitermachen würde, dann wären wir nach 10 Jahren, also bereits demnächst, im März 2025, bei knapp 97.000 Mrd Euro (Sternchen oben). „Whatever it takes“ (Mario Draghi, EZB-Präsident, in einer Rede in London 2012), eben. Stellt Euch vor, Ihr hättet ein stattliches Jahreseinkommen von 100.000 Euro. Wie lange müßtet Ihr arbeiten, um 97.000 Mrd Euro zusammenzusparen? Die Antwort: 970 Millionen Jahre. Irgendwas von der Knete ausgeben gildet dabei natürlich nicht. Bolle meint: Das ist für einen normalen Werktätigen kaum zu schaffen. Selbst ein Dinosaurier – ausgestorben vor etwa 65 Millionen Jahren, das Antlitz der Erde erblickend über einen Zeitraum von immerhin 170 Millionen Jahren – hätte mit solchen Größenordnungen durchaus seine Probleme. Nun ist Bolle wohl bewußt, daß der ganz überwiegende Teil der Menschheit – Bolle schätzt so an die 99,9% – keinen sonderlichen Plan von e-Funktionen hat. Auch Banker machen da wohl keine Ausnahme – obwohl sie mit e-Funktionen traditionellerweise den Löwenanteil ihrer Gewinne erzielen. Schließlich ist die „Zinseszins“-Rechnung nur eine kleine Untersparte in der Abteilung „e-Funktionen“. Kurzum: Wenn wir den Wert für März 2025 – und das erleben wir in bereits 5 Jahren – einzeichnen wollten, dann müßten wir die Skala um mehr als den Faktor 5 erweitern (18.000 mal 5 macht 90.000). Das aber dürfte – da ist sich Bolle ziemlich sicher – die Grenzen jedweden „Whatever it takes“ absehbar sprengen – zumal das mit der realwirtschaftlichen Entwicklung so rein gar nichts mehr zu tun hat. Was dann? Kasino-Kapitalismus in Reinkultur. Nun könnte man sagen: Let them have their fun – die wollen doch nur spielen. Dummerweise aber gibt es sehr wohl realwirtschaftliche Auswirkungen. Die für die meisten „Normalos“ bedeutendste dürfte dabei die Mietpreis-Explosion sein bzw., allgemeiner, die Explosion der Grund- und Boden-Preise. Grund und Boden ist eines der wenigen Wirtschaftsgüter, die potentiell nicht vermehrbar sind – was dazu führt, daß steigende (auch spekulativ begründete) Nachfrage sich ausschließlich in steigenden Preisen (und nicht etwa, wie im Lehrbuch, in zusätzlichem Angebot) niederschlägt. Kurzum: Kasino-Kapitalismus meets Normalo-Haushalt. Immerhin: Im „Probleme-Vertagen“ werden wir immer besser. Vor knapp 100 Jahren hätte eine solche „Bastardisierung der Verhältnisse“ (Gabor Steingart) noch zu einer veritablen Wirtschaftskrise einschließlich aller bekannten Folgen (Adi, der große Diktator, nebst seiner „willigen Helfer“, etc. pp.) geführt. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 15-11-19 Nachtrag Klima

Mit den heute bestehenden Klimazielen der Welt würde sich die Erde um drei Grad erwärmen. Das heißt, wir sind mit unseren Zielsetzungen noch längst nicht da insgesamt, wo wir hinmüssen.

Zusätzlich gefunden in der Tagesspiegel Morgenlage unter „Zitate“. Wer hat’s gesagt? Unsere Kanzlerin. Kiek ma eener an. Mit den »Zielen« sind wir noch nicht „da insgesamt“, wo wir hinmüssen. Bolle fragt sich: Wie steht’s denn dann mit dem »Plan« – also der Verwirklichung eben dieser Ziele? In düstereren Momenten verweist Bolle gerne auf den Managementzirkel und dabei, in Anlehnung an das Lieblingsspiel seiner Jungend, auf die Option „Rücke vor bis auf »Exit«. Gehe nicht über »Schritte«, Pfeil b). Damit ist das Problem zwar inhaltlich nicht gelöst – aber immerhin formal. Das Klima läßt grüßen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 15-11-19 Kohleausstieg

Worüber dürfte es noch Streit geben? Das 40-Milliarden-Paket für die Kohleausstiegs-Länder. Die Summe steht zwar, etwa zwei Milliarden werden es bis 2038 jährlich sein. Der Knackpunkt ist jetzt, wie das Geld verteilt wird.

Gefunden in der Tagesspiegel Morgenlage. Das erinnert doch ein wenig an das „Bahn-Management“ (vgl. »Di 12-11-19 Die Bahn«). Dort war es so, daß man nicht einmal weiß, wo man steht (fehlende »Ist-Analyse«). Hier ist es so, daß man nicht weiß, wo genau man eigentlich hin will (fehlende »Ziel-Definition«). Doch halt: Das läßt sich retten – und zwar, indem wir das „40-Milliarden-Paket“ bzw. dessen Verballerung als das eigentliche Ziel definieren. Ähnlich wie bei der Bahn hätte sich damit der Punkt »Check der Mittel« bereits im Vorfeld erledigt – und »Plan« würde in der Tat zum eigentlichen „Knackpunkt“. Ein hübsches Wort übrigens für einen circulus vitiosus.

So richtig seriös ist das allerdings nicht – und durchdacht sowie nicht. Warum – das ist hier die eigentlich spannende Frage – gibt man Ziele als Ziele aus, die selbst bei oberflächlicher Betrachtung nur mit Mühe als „Ziele“ durchgehen können? Das einzige, was Bolle einleuchten würde: Immerhin kann man dann sagen: „Seht her – die Regierung tut was.“ Na toll. Und so lassen die Konsequenzen auch nicht lange auf sich warten.

Denn es hat einen Nachteil: Das Geld liegt dann zwar bereit, aber fließt es auch so ab wie gewünscht? […] Wie es langfristig weitergeht, ist offen.

Kiek ma eener an. So ist das nun mal, wenn es in der Projektplanung am »Plan« fehlt. „Wie gewünscht“ ist schlechterdings nicht definiert. Immerhin – und hier ist Bolle voll zufrieden: Das Ablauf-Modell funktioniert auch in absurderen Fällen aufs Feinste. Daran liegt es also nicht. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Mo 11-11-19 Logik vs Ethik

Gerade in einer Zeit, in der mehr und mehr Fakten ignoriert werden, ist es wichtiger denn je, dass sich die Wissenschaft zu Wort meldet und sich in Debatten einmischt.

Gefunden in der Tagesspiegel Morgenlage unter „Zitate“. Wer hat’s gesagt? Forschungsministerin Anja Karliczek. Bolle meint: Da hat jemand auf ganz grundsätzliche Weise mißverstanden, was die Aufgabe „der Wissenschaft“ ist – Forschungsministerin hin oder her. Aufgabe der Wissenschaft ist es erstens, Kenntnis von Tatsachen zu erlangen (zum Beispiel „Leute haben eine Leber“ oder „Es gibt Ethanol“) sowie zweitens Wissen um Zusammenhänge (zum Beispiel „Wenn eine Leber mit zu viel Ethanol in Kontakt kommt, dann tut ihr das nicht gut“). Wir hatten das übrigens schon mal (vgl. »Do 17-10-19 Homöopathie«). Ob es dagegen jemand in Anbetracht der wissenschaftlichen Erkenntnisse vorzieht, a) ein nüchternes, im Zweifel sozial ausgegrenztes, dafür aber leberfreundliches Leben zu leben, oder aber b) dem einen oder anderen Gläschen zuzusprechen (oder auch einem ganzen Faß), hat mit Wissenschaft rein gar nichts zu tun. Es handelt sich hierbei um eine Frage der Entscheidung. Der Unterschied könnte nicht grundsätzlicher sein. Wissenschaft, bzw., in klassischer Diktion, Logik fragt: Was ist / was ist nicht? Ethik dagegen fragt: Was soll / was soll nicht? Seins-Aussagen und Sollens-Aussagen miteinander zu vermengen ist dabei ebenso daneben wie verbreitet. Aus Entscheider-Sicht hat es ja auch einen gewissen Charme: (1) Die Wissenschaft hat festgestellt, […]. (2) Also müssen wir […]. Damit ist man der Entscheidung enthoben. Wenn’s schief geht, ist dann eben jemand anderes schuld. Na toll. Dumm nur, daß diese Logik aus Sicht der »Logik« ganz und gar unzulässig ist: Aus einer Seins-Aussage läßt sich unter keinen Umständen („never ever“) eine Sollens-Aussage ableiten.

Graphisch gestaltet sich das ganze wie folgt. Auch das hatten wir übrigens (in einer vereinfachten Form) schon mal (vgl. »Fr 04-10-19 Klimabremse«) – aber man kann es offenbar nicht oft genug wiederholen.

Die Gesellschaft bzw. deren designierte Entscheider legen fest, wo sie hin wollen: »Ziel-Definition«. Die Wissenschaft versucht dann zu ergründen, wie man (beim gegebenen Stand der Technik) da hin kommen kann bzw. was zu tun ist, um das Ziel zu erreichen: »Plan«. Dabei kann es passieren, daß die Wissenschaft im Rahmen von »Check der Mittel« (ein unverzichtbarer Bestandteil jeglicher Planung) zu dem Schluß kommt, das in der Aufgabenstellung zu viele Zielgrößen vorkommen und zu wenige Aktionsgrößen – daß das Problem also überbestimmt ist. Zum Beispiel: (1) Wir wollen unseren CO2-Ausstoß bis dann und dann halbieren – und zwar so, (2) daß sich niemand auch nur im geringsten einschränken muß. Natürlich würde kein Entscheider das so platt formulieren. Wenn wir uns aber umgucken auf der Welt, läuft es zur Zeit exaktemente darauf hinaus. In diesem Fall bleiben einem aufrechten Wissenschaftler nur zwei Optionen. Er kann sagen: „Überdenkt Euer Ziel und meldet Euch dann noch mal bei mir“, Pfeil a). Oder er kann sagen: „Laßt uns uns anderen Problemen zuwenden. Das hier kriegen wir vorläufig nicht gelöst“, Pfeil b). Auch hier würde kein Wissenschaftler das so platt formulieren. Aber auch hier läuft es exaktemente darauf hinaus. Kurzum: Von der Wissenschaft zu erwarten, daß sie uns „ausrechnet“, was wir wollen, geht nach allem rein gar nicht. Aus Entscheider-Sicht (»Ethik«) ist das natürlich eine ultra-charmante Lösung – weil sie sich dann nicht entscheiden müssen (obwohl sie genau dafür bezahlt werden). Aus Wissenschaftler-Sicht (»Logik«) dagegen ist das aber leider voll „unlogisch“ (siehe oben) und somit im Ansatz und damit auch als Ansatz unbrauchbar. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 20-09-19 Klima-Rente

Wenn die Große Koalition nicht über das Klima streitet, dann über die Grundrente. Nun zeichnet sich offenbar ein Kompromiss ab […]

Gefunden im Handelsblatt Morning Briefing. Wenn das alles so flott geht mit dem „Streit unter aufrechten Demokraten“, dann wird das Klima sich wohl noch ein wenig gedulden müssen. Greta läßt grüßen.

Statt einer Bedürftigkeitsprüfung sollen Bezieher der Grundrente eine Einkommensprüfung durchlaufen. Die Grundrente würde dann nur gezahlt, wenn das Haushaltseinkommen unterhalb einer bestimmten Grenze liege.

Wer Grenzen zieht, erzeugt notwendigerweise Abgrenzungsprobleme: Wer nur soundso viel verdient, bekommt den Grundrentenzuschlag. Wer einen einzigen Euro mehr verdient, bekommt ihn nicht. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis hier „Gerechtigkeits“-Debatten losgetreten werden und, in der Folge, das „Nachbessern“ der „handwerklichen Fehler“ versichert wird – die üblichen betröppelten [rheinischer Sprachgebrauch] Mienen inklusive. Bolle fragt sich: Was zum Teufel treiben die denn die ganze Zeit in ihren Kommissionen und ihren ewigen Nachtsitzungen? Immerhin: „Die Regierung tut was.“ Na toll.

Beide Seiten sehen sich als Sieger: Die Union, weil die Grundrente nicht bedingungslos gezahlt wird. Die SPD, weil sie ein zentrales Wahlkampfversprechen durchsetzen kann.

Na, das ist doch das wichtigste, meint Bolle. Gesichtswahrung vor Problemlösung – muß doch alles seine Ordnung haben. Das Klima läßt grüßen.

In der Sache bleibt das Ergebnis vor allem eins: ein fauler und teurer Kompromiss.

Ein fauler Kompromiß? Definitiv. Allerdings liegt es im Wesen eines Kompromisses, „faul“ zu sein – namentlich in einer Demokratie. Ein echter Konsens – verstanden als der aufrechte Bruder des Kompromisses – ist sehr viel anspruchsvoller und nur mit sehr viel mehr Gehirnschmalz (Sitz des Denkens) und überdies mit sehr viel mehr  „Bauchschmalz“ (Sitz des Wollens) zu bewerkstelligen. Bevor man nämlich auch nur anfangen kann zu denken, muß man notwendigerweise wissen, worüber man eigentlich nachdenken will. Kurzum: Man muß wissen, was man will [vgl. dazu auch »Fr 04-10-19 Klimabremse« – dort heißt das Baby, wie üblich, »Zieldefinition«]. Genau hier, da ist sich Bolle sicher, liegt das demokratietheoretische Problem: Wenn einer klipp und klar sagt, was er will, verprellt er umgehend all diejenigen potentiellen Wähler, die genau das eben nicht wollen. Wer traut sich das schon? Außerdem kommt rucki-zucki die (übrigens in keiner Weise demokratisch legitimierte) Sprachpolizei um die Ecke und rügt, daß man das – egal, worum es im Einzelfall gehen mag – so nicht sagen könne oder dürfe. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Warum aber eigentlich „teuer“? Teuer für wen? Für die Bezieher der Grundrente sicher nicht. Ganz im Gegenteil. Des Einen Kosten sind des Anderen Einkommen. Immer! In einer Volkswirtschaft kommt – ähnlich wie in einem Universum – nichts weg. Es gibt schlechterdings kein „weg“. Aber auch das ist ein anderes Kapitel.

Fr 01-11-19 Klima-Souveränität

„Ich halte nichts von dieser Konsumdebatte, weil die Wurzel der Probleme woanders liegt. Der Konsument kann das Klima nicht retten. Das können nur Politik und Wirtschaft.“

Gefunden unter „Zitate“ in der Tagesspiegel Morgenlage. Wer hat’s gesagt? Sarah Wagenknecht – die nach Bolles Ansicht ja sehr oft sehr, sehr richtig liegt. Hier aber muß Bolle scharf widersprechen: Der Konsument ist an allem „schuld“ – und zwar immer. Wie das? Nun, in seiner Eigenschaft als Konsument entscheidet er, was „die Wirtschaft“ tut. Würde er plaste-verpacktes Gemüse im Regal liegen lassen, dann gäbe es binnen kürzester Zeit kein plaste-verpacktes Gemüse mehr. Würde er es affig finden, mit einem SUV durch die Gegend zu brettern, dann gäbe es keine SUVs. Würde er es geschmacklos finden, mal eben übers Wochenende nach Malle (oder sonstwo hin) zu düsen (und zurück, of course), dann gäbe es solche „Billig-Fliegerei“ nicht. Kurzum: Wo Nachfrage ist, da ist auch Angebot. In dieser Hinsicht ist auf den Kapitalismus Verlaß. Das gleiche gilt für Mädchenhandel, Drogenhandel, Waffenhandel und Organhandel.

Mehr noch: In seiner Eigenschaft als „Souverän“ entscheidet er, was die Politik tut: Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus (Art. 20 II S. 1 GG) – ein Prinzip, das in Deutschland sogar mit „Ewigkeitsgarantie“ ausgestattet ist (Art. 79 III GG). Zwar funktioniert dieser Zusammenhang nicht ganz so flott und sehr viel indirekter als in der ökonomischen Sphäre – das Prinzip aber ist das gleiche. Warum überschlagen und überbieten sich denn zur Zeit alle Parteien (mit Ausnahme der AfD vielleicht) mit „Maßnahmen zum Klimaschutz“? Weil sie der Wähler, bildlich gesprochen, ansonsten im Regal liegen läßt. Umgekehrt: Vor 5 oder 10 oder gar 50 Jahren wäre eine solche Ausrichtung politisches Harakiri gewesen. Die Grünen werden wissen, was Bolle meint (5 Mark für einen Liter Benzin, Magdeburg 1998) oder „Veggie Day“ (2013) bzw., ganz allgemein, das Image als „Verbotspartei“. Von so was muß man sich erst mal wieder erholen.

Kurzum: Wir haben es sowohl in der Wirtschaft als auch in der Politik mit einer „Diktatur des Konsumenten“ zu tun dem kapitalistischen Gegenstück zur „Diktatur des Proletariates“. Was nun, sprach Zeus? Im Grunde sieht Bolle zwei polare Optionen: a) Wir bejubeln das als Ideal. In der ökonomischen Sphäre heißt das Zauberwort in der Tat „Konsumentensouveränität“ – und in der politischen Sphäre wollen wir uns „unsere“ Demokratie erst recht nicht nehmen lassen („Ewigkeitsgarantie“, siehe oben). Oder aber, b) wir räumen der Möglichkeit, daß das böse in die Hose gehen kann, wenn wir so weiter machen, eine ernstliche Chance ein. China läßt grüßen.

Ist das bitter? Aber Ja doch! Klingt ein wenig nach „Teufel und Beelzebub“. Formal gesehen haben wir es hier mit einem schlichten Nash-Gleichgewicht zu tun: Wenn jeder das tut, was für ihn hier und jetzt das beste ist, dann kommt auf mittlere und längere Sicht für niemanden das beste bei raus – ganz im Gegensatz zur herrschenden Meinung in den Wirtschafts- und Politikwissenschaften. Bolle meint: Könnte sein, daß das noch nicht ganz zuende gedacht wurde. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 18-10-19 Markt und „Gerechtigkeit“

Forscher halten Klimapaket für sozial ungerecht: Das Klimapaket der Regierung benachteiligt einer Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung zufolge Haushalte mit niedrigem Einkommen. Demnach trifft der geplante Preis auf den CO2-Ausstoß im Verkehrs- und Gebäudebereich die Ärmeren stärker als die Reichen. Auf Haushalte mit niedrigerem Einkommen komme zum Teil eine Belastung in Höhe von mehr als einem Prozent ihres Nettoeinkommens zu. Das oberste Zehntel der Haushalte habe hingegen nur eine Mehrbelastung von durchschnittlich 0,4 Prozent seines Nettoeinkommens zu erwarten.

Gefunden in der Tagesspiegel Morgenlage. 1 Prozent des Nettoeinkommens? Das wären bei 1.000 Euro ja saftige 10 Euro. So teuer wie ein kleines Steak. Bolle fragt sich: „Geht’s noch, ihr Fruchtzwerge?“ Auch fragt er sich, wieso man für eine solche Einsicht überhaupt „Forscher“ braucht. Dafür braucht man maximal Papier und Bleistift – wenn überhaupt. Je geringer das Einkommen, desto heftiger schlägt eine Preiserhöhung relativ gesehen (also bezogen auf eben dieses Einkommen) zu Buche. Für diese Erkenntnis braucht man keine Mikroökonomie – man braucht allenfalls einen Dreisatz. Interessanter ist das dahinterliegende grundsätzliche Problem: Freie Marktsteuerung – hier also die Festlegung der Güterpreise durch „den Markt“ – ist nun mal per se „sozial ungerecht“ – zumindest dann, wenn man unter „Gerechtigkeit“ verstehen will, daß alle den gleichen, egalitären, gar „demokratischen“ Zugang zu Gütern haben sollen. Marktsteuerung funktioniert im Kern wie folgt: Wer etwas haben will – hier im Beispiel also Energie – und bereit und in der Lage ist, den aufgerufenen Preis zu bezahlen, kriegt seine Energie. Die anderen gehen „ungerechterweise“ leer aus. Das ist nicht immer schön – aber so geht nun mal Marktwirtschaft.

Was wäre die „sozial gerechte“, „egalitäre“, gar „demokratische“ Alternative? Easy. Energie auf Bezugsschein. Bolle meint: Hat es alles schon mal gegeben. Wobei natürlich klar sein sollte, daß ein „reicher“ Haushalt mit einer 20-Zimmer-Villa kein größeres Anrecht auf Bezugsscheine haben würde als ein Hartz-IV-Empfänger mit seiner 30-Quadratmeter-Bude.

Kurzum: Die wohltönenden Begriffe („sozial gerecht“, „demokratisch“, „egalitär“ – vielleicht sogar, let’s go crazy, „inklusiv“) wollen so rein gar nicht zur „Logik des Marktes“ passen. Bolle meint: Fein, daß das mal jemand merkt. Neben dem Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung hat das offenbar auch Paul Collier gemerkt – und gleich in ein einschlägiges Werk umgesetzt. Im Handelsblatt Morning Briefing lesen wir:

[…] wenn sich in der westlichen Gesellschaft ein Leitbild erledigt hat, dann ist es mit Sicherheit das von Jeremy Bentham. Der britische Philosoph predigte das größte Glück der größten Zahl. Doch die reine Theorie des maximalen Nutzens für jeden Einzelnen hat auch eine Menge der Probleme mitbegünstigt, die wir derzeit haben. Liberalismus ist nicht alles, es komme angesichts des verschärften Kapitalismus mehr als früher auf den sozialen Zusammenhalt an, auf die gemeinsamen Werte einer Gesellschaft, schreibt Paul Collier. Für sein aktuelles Werk „Sozialer Kapitalismus!“ erhält der Ökonomieprofessor aus Oxford den Deutschen Wirtschaftsbuchpreis 2019 […]

Wir wollen hier nicht auf Bentham’s „größtem Glück der größten Zahl“ rumhacken. Das Konzept war schon seinerzeit mathematisch unterbelichtet. Und was mathematisch nicht funktioniert, kann auch „im richtigen Leben“ nicht funktionieren – also weder im Sozialismus und nicht einmal im Kapitalismus.

Ein ganz analoges Problem hat übrigens vor Wochen schon Markus Dettmer geplagt. Auf Spiegel Online hat er am 07-08-19 getitelt: »Wer Fleisch höher besteuert, stellt die soziale Frage«. „Ne Nummer kleiner ging’s wohl nicht“, meint Bolle. Dettmers Argumentation läuft auf folgendes hinaus: „Ob arm, ob reich – an der Fleischtheke sind alle gleich.“ Das ist egalitär, das ist demokratisch, das ist inklusiv. Im Kern also – und in Anlehnung an das Demokratieprinzip „one man, one vote“: „One man, one Wurscht.“ Damit aber wären wir bei der Bezugsschein-Lösung. Bolle hat keine Ahnung, ob Herr Dettmer das zuende gedacht hat.

Kurzum: Es verdichten sich die Anzeichen, daß die in der westlichen Zivilisation über alles geschätzten „Grundwerte“ Demokratie und Freie Marktwirtschaft sowas von über Kreuz liegen, daß man langsam wirklich mal dazu übergehen sollte, sich hierzu ein paar vertiefte Gedanken zu machen. Wir bleiben am Ball. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Do 17-10-19 Homöopathie

Ein Basis-Grüner aus Berlin hat beantragt, den Krankenkassen die Kostenerstattung für das alternative Heilverfahren zu untersagen. Die Globuli-Behandlung sei – wir sagen das jetzt mal mit unseren Worten – reiner Hokuspokus.

Gefunden in der Tagesspiegel Morgenlage. Mit dem „alternativen Heilverfahren“ ist die Homöopathie gemeint. Unser „Basis-Grüner“ führt aus:

Die Grünen hingegen seien eine Partei, die wissenschaftliche Fakten hoch hielten. Also: Schluss mit den Kassenzuschüssen in zweistelliger Millionenhöhe.

Was können wir uns unter „wissenschaftlichen Fakten“ vorstellen? Erstens die Kenntnis von Tatsachen (zum Beispiel „Leute haben eine Leber“ oder „Es gibt Ethanol“) sowie Wissen um Zusammenhänge (zum Beispiel „Wenn eine Leber mit zu viel Ethanol in Kontakt kommt, dann tut ihr das nicht gut“). Beides halten wir für gegeben, wenn hinreichend viele Fachleute die Tatsache oder den Zusammenhang für zutreffend halten. So etwas nennt man vorsichtigerweise „intersubjektiver Konsens“ bzw., weniger vorsichtig, „Objektivität“. Daß sich alle Fachleute völlig einig sind, kommt dabei eigentlich nie vor – nicht einmal beim Klimawandel. Das Gegenstück zu einem wissenschaftlichen Zusammenhang nennen wir seit alters her „Magie“ – oder, deutlich herablassender, eben auch „Hokuspokus“: Wir stellen fest, daß es einen Zusammenhang gibt, können ihn uns aber nicht erklären. Wissenschaftlich gesehen gibt es an dieser Stelle genau 4 Fallkonstellationen:

(#1) Etwas funktioniert – und wir wissen warum. Damit fühlen wir uns am wohlsten, weil es sowohl unser Orientierungsbedürfnis als auch unser Bedürfnis nach Situationskontrolle befriedigt.

(#2) Etwas funktioniert – und wir wissen nicht warum. Hier scheiden sich die Geister. Während a) die einen sagen „Hauptsache, es funktioniert“, treibt das b) andere, also Leute mit ausgeprägterem Orientierungsbedürfnis, schier in den Wahnsinn.

(#3) Etwas funktioniert nicht – und wir wissen warum. Das ist zwar nicht schön – aber wenigstens ist unser Orientierungsbedürfnis befriedigt. Mit etwas Glück und Können läßt sich dieser Zustand nach (#1) überführen. Das nennt man dann „Problemlösung“. Techniker und Handwerker („applied sciences“) machen so etwas jeden Tag.

(#4) Etwas funktioniert nicht – und wir wissen nicht warum. Das ist der unerquicklichste aller Zustände: Er beleidigt sowohl das Orientierungsbedürfnis als auch das Bedürfnis nach Situationskontrolle.

Nun läßt sich unser „Basis-Grüner“ ohne Umschweife und wissenschaftlich sauber der Kategorie #2 b) zuordnen. Was tun, sprach Zeus? Hier ergeben sich im wesentlichen genau 3 Möglichkeiten:

a) Rausfinden, warum es funktioniert. Das wäre eine Überführung nach (#1). Allerdings ist das meist nicht ganz einfach zu bewerkstelligen – schon gar nicht für einen Politiker.

b) Leugnen, daß es funktioniert. Das aber wäre, weil kontrafaktisch, im Kern unwissenschaftlich.

c) Hinnehmen, daß die Fallkonstellation (#2) existiert. Das wäre eine Überführung von #2 b) nach #2 a).

In seiner Not hat sich unser „Basis-Grüner“ offenbar für die Variante b) entschieden und damit für die „unwissenschaftlichste“ aller Möglichkeiten. Kiek ma eener an! Nun ist es so, daß Leute mit ausgeprägtem Orientierungsbedürfnis nicht nur jede Form von „Magie“ ablehnen müssen – so etwas würde sie, wie oben formuliert, schier in den Wahnsinn treiben. Überdies müssen sie – nach dem Motto „alle sollen gleich sein wollen“ – das bescheidenere und wissenschaftlich saubere Konzept intersubjektiven Konsenses geringschätzen und statt dessen das Panier „objektiver Wahrheit“ hochhalten. Dabei merken solche Leute offenbar nicht einmal, daß sie damit schon wieder den Boden der „Wissenschaftlichkeit“ verlassen.

Kurzum: Unser Basis-Grüner verhält sich in zweifacher Hinsicht „unwissenschaftlich“ – und das ausgerechnet im Namen der Wissenschaften. Der Tagesspiegel nennt das übrigens, und zwar völlig zutreffend, einen „Glaubenskrieg“. Bolle meint: Geht’s noch? Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 04-10-19 Klimabremse

Wer tritt auf die Klima-Bremse? Die CSU. Eigentlich wollte das Bundeskabinett am Mittwoch den nächsten „großen Wurf“ beschließen. Zusätzlich zu ihrem Klimapaket wollte die Regierung in dieser Woche einen 180-seitigen Katalog verabschieden – ein Konvolut an Maßnahmen zum Erreichen der Klimaziele 2030 in den Bereichen Energie, Wärme, Verkehr und Industrie.

Gefunden in der Tagesspiegel-Morgenlage: Das Wort „eigentlich“ sollte eigentlich presserechtlich verboten werden. Und über „große Würfe“ sollte man nur mit gehöriger ironischer Distanz berichten dürfen. Warum? Um die Nerven der Leser zu schonen. Der „große Wurf“ hat schon bei Mao nicht funktioniert – auch wenn er da noch „großer Sprung“ hieß.

Man wolle das 180-Seiten-Papier erst einmal in Ruhe lesen, sagt Landesgruppenchef Alexander Dobrindt.

Na toll. Da werden großspurig Ziele präsentiert, ohne auch nur den Hauch einer Idee zu haben, wie man sie denn erreichen möchte (Plan) bzw. ob man sich das Problem, das man lösen möchte, überhaupt leisten kann (Check der Mittel). Das Heilige Gretchen von Thunberg läßt grüßen. „How do you think?“ wäre vielleicht angebrachter als „How dare you?“. Dabei könnte alles so einfach sein:

Egal, worum es geht: Wir haben es immer und immer wieder mit dem gleichen, überaus schlichten Ablaufschema zu tun. Wer also keinen Plan hat, sollte besser stille schweigen. Wer absehbar nicht über ausreichende Mittel und Möglichkeiten verfügt – und noch sieht es ganz danach aus –, der sollte sich im ersten Schritt zunächst darum kümmern – und dann erst das „eigentliche“ Problem angehen. Ob aus einem „großen Plan“ auch tatsächlich ein „großer Wurf“ wird, entscheidet sich ohnehin erst im Feld „Soll / Ist-Abgleich“ – nachdem man einige Schritte gegangen ist. Immerhin: Ein Beispiel für einen solchen Abgleich findet sich an gleicher Stelle wenige Absätze später:

Merkel lobt das Erreichte seit der Wiedervereinigung: […] Auch heute sei zu beobachten, wie viele Deutsche die Ursache für Schwierigkeiten vor allem und zuerst beim Staat und den sogenannten Eliten suchten. So zu denken, führe jedoch ins Elend.

So hat sich das beim „zentralen Festakt zum 3. Oktober in Kiel“ angehört. So richtig „lobend“ klingt das in Bolles Ohren allerdings nicht. Eher nach Verelendung des Volkes aufgrund selbstverschuldeter Unmündigkeit. Wenn wir Kant folgen, können wir »selbstverschuldete Unmündigkeit« locker mit „mentaler Bräsigkeit“ übersetzen. Da mag was dran sein. Goethe schließlich hat seinerzeit noch eins draufgesetzt: Es ist nicht genug, zu wissen, man muß auch anwenden. Es ist nicht genug zu wollen, man muß auch tun (siehe Managementzirkel). Da ist es doch einfacher, „die Ursache für Schwierigkeiten vor allem und zuerst beim Staat und den sogenannten Eliten“ zu suchen. Die werden schließlich dafür bezahlt. Ob zu Recht (siehe oben), sei dahingestellt. Übrigens ist Kants Diktum mittlerweile 235 Jahre alt. So richtig funktioniert hat die „Aufklärung“ ja wohl noch nie – wenn wir von einigen technokratischen Entgleisungen einmal absehen wollen. Aber das ist ein anderes Kapitel. Eine Randnotiz sei aber noch erlaubt:

Sachsens Grünen-Vertreter für Koalitionsverhandlungen mit CDU und SPD: […] Die sogenannte Kenia-Koalition ist die einzige derzeit realistische Möglichkeit für die CDU, eine regierungsfähige Mehrheit zu organisieren.

Wie es scheint, gehen der Demokratie langsam die aufrechten Demokraten aus. Womöglich sind die Sachsen hier nur Vorreiter. Wo soll das hinführen? All-Parteien-Koalitionen – Außer für Deppen (AfD)? Ganz nach dem Motto: Die sind zwar demokratisch gewählt und bilden somit einen Teil des „Wählerwillens“ ab. Wir finden sie aber trotzdem deppert. So deppert, daß wir mit denen kein Wort wechseln und erst recht keinen Gedanken austauschen wollen – von Koalieren ganz zu schweigen. Nun, das wird nur so lange gutgehen, wie es für „Alle außer die da“-Koalitionen noch reicht. Bis dahin sollten wir uns Gedanken über das Wahlrecht machen. Deppen dürfen demokratisch wählen? Das kann nicht sein! Weg mit den „Hate Votern“. Mit der Hate Speech haben wir ja schon fleißig vorgelegt. Aber auch das ist ein anderes Kapitel.