
Wenn einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) erst mal an der Macht ist, möchte er da gerne bleiben. Am liebsten natürlich für immer, of course. Versteht man ja. Wo sonst, wenn nicht an der Macht, könnte man sich so persistent in der erhebenden Gewißheit sielen, so viel gleicher zu sein als gleich? (Bolle featuring Orwell 1945: Farm der Tiere).
Allein – ein bißchen was muß man schon tun, an der Macht. Sonst fliegt die Chose auf. Nicht unbedingt sofort – aber irgendwann dann schon. Ein Machthaber – nennen wir ihn so, obwohl es sich dabei eigentlich um ein Oxymoron handelt – hat demnach regelmäßig genau eine Aufgabe und zwei Ziele. Die Aufgabe und das erste Ziel besteht darin, Probleme zu lösen oder – falls das nicht möglich sein sollte – die Probleme zumindest loszuwerden. Das zweite, unausgesprochene Ziel – so ist das bei Machthabern nun mal – besteht darin, möglichst lange an der Macht zu bleiben. Mit der designierten Aufgabe hat das natürlich wenig bis gar nichts zu tun.
Was aber, wenn einer auf Stelzen für die Sache dennoch zu kurz ist (Eiselein 1840)? In früheren, namentlich monarchistischen Zeiten blieb dem Volk nichts weiter über als Hoffen und Harren. Was sonst soll man machen? Der nächste König kommt bestimmt. Es lebe der König! Vielleicht wird dann ja alles besser. Heute dagegen, in postaufklärerischen Zeiten, könnte man zu kurz geratene Machthaber einfach abwählen. Könnte man.
Damit das nicht passiert – und das soll es ja nicht: schließlich wäre es ein krasser Verstoß gegen Ziel Numero Zwo –, haben sich bei den Machthabern dieser Welt im wesentlichen zwei Vorgehensweisen herausgemendelt.
Die erste Strategie: Statt Probleme zu lösen, werden sie einfach ignoriert – um nicht zu sagen: weggelächelt. Probleme? Was denn für Probleme? Garniert wird das ganze meist mit einem leutseligen Appell ans Volk, man möge dem Machthaber doch bitteschön Vertrauen schenken. Alles werde gut! Damit kommt man erfahrungsgemäß schon ziemlich weit – zumindest beim naiveren Teil des Wahlvolkes. Natürlich ist es an dieser Stelle wichtig, daß man genug Claqueure in den Redaktionsstuben sitzen hat. Das aber ist – den entsprechenden Zeitgeist vorausgesetzt – ein vergleichsweise geringes Problem.
Was aber, wenn Weglächeln auf Dauer nichts nützt? Wenn sich also immer unverhohlener zeigt, daß man der Sache einfach nicht gewachsen ist? Nun – dann greift Strategie Numero Zwo: Kill the messenger! Werden wir brutal! – wie es in ›Streit um Asterix‹ 1970 schon heißt. Oder, mit Bolles derbem Binnenreim: Beiß weg den Scheiß! Natürlich sagt das so keiner. Man sagt es in bester EvE-Manier (Edel versus Eigentlich – also die eigentlichen Motive in höchst edle Verpackung gehüllt). Natürlich möchte man niemanden wegbeißen. Man möchte lediglich helfen, retten, schützen – aktuell zum Beispiel die Jugend. Auch hier könnt‘ Bolle kotzen, of course.
Wir hatten vor Jahren schon mal darauf hingewiesen, daß es sich bei „unserer“ Demokratie um eine Staatsorganisationsform mit institutionalisiertem Partizipations-Placebo handeln könnte (vgl. dazu Mi 14-12-22 Das vierzehnte Türchen … ). Auch hatten wir seinerzeit Henry Fords Bonmot erwähnt – und zwar gleich im Schildchen:
Ein Geheimnis des Erfolges ist es,
den Standpunkt des anderen
verstehen zu können.
Was aber, wenn der Standpunkt nur stört? Wenn der Standpunkt des anderen Ziel Numero Zwo ernstlich in Bedrängnis bringt? Dann ist Bolles derber Binnenreim wohl das Beste, was man tun kann: Beiß weg den Scheiß!
An dieser Stelle ist der Journalismus 3.0 – also das, was man nur auf YouTube und ähnlichen Kanälen von noch nicht eingebetteten Journalisten zu sehen und zu hören bekommt, selten aber in den Öffis – natürlich höchst hinderlich. Folglich sollte er tunlichst und nach Kräften unterbunden werden. Und so ist es nur natürlich, daß zur Zeit mit Fleiß eben genau daran gearbeitet wird.
Die Sache ist doch folgende: Wollen wir auf den Wettbewerb der Ideen vertrauen, wie das in den attischen Ekklesien – also den Vollversammlungen all jener, die die Sache was anging – vor 2.500 Jahren schon bewährte Praxis war? Oder wollen wir eine von den Machthabern einmal erkannte Wahrheit einkästeln, konservieren und gegen Anfechtungen aller Art nach Kräften immunisieren? So formuliert, beantwortet sich die Frage von selbst. Ein Wermutstropfen aber bleibt – zumindest aus der Sicht der Mächtigen. George Orwell hat es seinerzeit zeitlos knapp formuliert (siehe unser Schildchen oben):
Freie Rede heißt,
daß ich was sagen darf,
was Du nicht hören willst.
Könnte ja sein, daß ich Recht habe damit. Könnte aber auch sein, daß ich mich irre. Allein das mendelt sich absehbar raus. Bei freier Rede ist das so. Dem Wohl des Staates dient es allemal. Aber sagt das mal den Mächtigen mit ihren Pattex-Ärschen – wie man Ziel Numero Zwo etwas derbe, aber bitteschön, auch umschreiben könnte. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.











