
Wie heißt es doch gleich im Volksmund? Frühstücke wie ein König, iß mittags wie ein Bauer, und abends wie ein Bettelmann (jeweils beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course). Auch heißt es: Das Auge ißt mit. Allein, warum denn nur das Auge? Sollte nicht dem ganzen Drum und Dran ein gewisses königliches Flair zu eigen sein?
Bei Bolle ist das so: Seine Orange Marmalade (bei den Briten mit drei ›a‹, of course) kommt – nicht anders als der Whisky – von der Insel und ist stets ›By appointment to Her Majesty the Queen‹. Bei der nächsten Lieferung übrigens müßte es wohl › … to His Majesty the King‹ heißen. Selbst Briten gehen manchmal mit der Zeit – Tradition hin oder her. Aber kieken wa ma … Dazu gibt es sonntags Ham & Egg (im Singular, denn zu̅ viel Eier machen fett, findet Bolle – vgl. dazu etwa So 19-07-26 De arte subtrahendi – Weniger ist mehr). Doch das alles nur am Rande.
Das war’s dann aber auch schon mit dem prätentiösen Eindecken des Frühstückstisches. Seine Schrippchen („buns“) besorgt Bolle zu Fuß. Dazu braucht er nicht einmal die Brötchentaste (ein Konzept der „Parkraumbewirtschaftung“ – welch unsägliches Wort, nebenbei bemerkt). Dabei wäre hier so viel mehr möglich. Schrippchen koofen kann nämlich soo geil sein. Unser Bildchen zeigt einen Einkauf der wahrhaft königlichen Art. Natürlich haben wir die Paragonisten via Augenbalken anonymisiert, da es uns stets nur um die Strukturen gehen soll und nie um einzelne Personen. Auch das Nummernschild haben wir mit einem – kann man das so sagen? – Augenbalken versehen. Die anderen beiden Paragonisten sind durch ihre Sonnenbrillen genug geaugenbalkt, wie Bolle findet. — Nun, hier stimmt wirklich alles: Es ist nachgeradezu wie in Reinhard Meys ›Das Geheimnis im Hefeteig (1971):
Um sie standen sehr unauffällig und stumm
Drei Herren in Trenchcoat und Schlapphut herum.
Zwar haben die Herren auf unserem Bildchen wenig mit Trenchcoat und noch viel weniger mit Schlapphut am Hut. Allein, man muß halt, siehe oben, mit der Zeit zu gehen wissen. Das Bild bleibt aber gleichwohl stimmig: Ganz tief in den Häuserschluchten – und doch gefühlt ganz oben. Dabei könnte Bolle – featuring The Carpenters 1972 – glatt lyrisch werden:
🎶 I’m on the top of the world lookin’ down on creation
And the only explanation I can find
Are the buns that I’ve found, here and everywhere around
They make me feel right at the top of the world 🎶
Übrigens sieht der Schlapphut rechts im Bild, wie Bolle findet, ein wenig aus wie Clint Eastwood in dem durchaus sehenswerten ›In the line of fire‹ (USA 1993 / Regie: Wolfgang Petersen). Immerhin: Den ganzen weiten Weg vom Wagen bis zum Trottoir hat unsere Protagonistin offenbar ganz allein zu Fuß zurückgelegt. Auch das Tütchen trägt sie selber. Bolle vermutet, daß das wohl zu einem unverfälschten Einkaufserlebnis dazugehören mag.
Kurzum: Ein wahrhaft königlicher Start in den Tag. Warum nur machen das dann nicht alle so? Bolle vermutet ja – und zwar fernab allen Sozialneides –, daß das mal wieder am schnöden Mammon liegen könnte. Schließlich will das alles finanziert sein. Obwohl: daß man für geschätzte z w e i Schrippchen natürlich auch z w e i Limousinen braucht, of course – das leuchtet Bolle durchaus ein. Alles andere wäre wirklich armselig und so ganz und gar nicht königlich. Die Schlapphüte schließlich (mit oder ohne Hut) runden das Ganze gekonnt-königlich ab.
Dabei trifft es sich natürlich trefflich, wenn man sowas wie Carte blanche hat – also jemanden, der ohne groß zu meckern, oder ohne ü b e r h a u p t zu meckern, zuverlässig brav bezahlt. Klingt traumhaft – ist aber wahr. Ein solcher Jemand ist – da gibt es kein Vertun – der deutsche Steuerzahler. Und der hat’s ja bekanntlich. Also Win-Win!
Hat man eigentlich jemals von solch exaltierten Exzentrizitäten seitens der Queen gehört? Oder etwa seitens des Königs? Wie kaufen d i e denn ihre Schrippchen ein? Essen die überhaupt was? Möglicherweise zeigt sich – ohne daß wir da irgendwas romantisieren wollen – hier wie unter dem Brennglas der Unterschied zwischen altem Adel und den hochgespülten Gesellen (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) unserer Tage. Wie heißt es doch gleich? Adel verpflichtet, beziehungsweise, vornehm formuliert, Noblesse oblige – und zwar idealerweise vor allem einen selbst. Neureich dagegen, beziehungsweise, wiederum vornehm gefaßt, L’existence de parvenu verpflichtet meist nur die anderen, und zwar zum Zechezahlen. Aber wie war das doch gleich mit dem Krug und dem Brunnen, der irgendwann mal bricht? (Der Krug, of course, nicht etwa der Brunnen). Warten wir’s ab – oder, wie Bolle sagen würde: Kieken wa ma. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.













