So 06-09-20 Laber Rhabarber

›Labern‹ heißt laut Kluges Etymologischem Wörterbuch ›dummes Zeug reden‹. ›Rhabarber‹ wiederum leitet sich ab von gr. bárbaros ›fremdländisch‹. Darf man Menschen, oder auch nur Pflanzen, als „Barbaren“ bezeichnen, nur weil sie ursprünglich nicht von hier sind? Oder ist das schon „Rassismus“ bzw. zumindest Fremdenfeindlichkeit? Und das von den Griechen – der Wiege der europäischen Kultur. Bolle meint: Geht’s noch? Aber das ist ein anderes Kapitel. Hier und heute soll es uns um zeitgenössische Formen von Sprachmüll gehen – das Gender-Sprech. Im wesentlichen taucht es in gleich vier Varianten auf: (1) der Doppelnennung, (2) dem Binnen-I nebst seiner Derivate, (3) der Verlaufsform sowie neuerdings (4) dem Hack-Sprech.

Bei der Doppelnennung finden sich die Laberer und Labererinnen, die Bürger und Bürgerinnen, die Verschwörungstheoretiker und -theoretikerinnen und auch die Kunden und Kundinnen. Allerdings ist hier noch eine Steigerung möglich, wie zum Beispiel die Kundenkarte und die Kundinnenkarte. Alles schon dagewesen.

Beim Binnen-I – das ist fast schon klassisch – haben wir es mit LabererInnen bzw. Laberer*innen oder auch Laberer_innen und vielem mehr zu tun.

Besonders hübsch ist die grammatikalisch durch nichts gerechtfertigte Verlaufsform (Partizip Präsens): Hier werden aus Laberern und Labererinnen die Labernden. Immerhin ist das sprachlich schon mal ein wenig abgespeckt. Gleichwohl bleiben Bedenken: Die Labernden liegen in der Gosse und kotzen. Also kotzen die Labernden. Oder, um die Verlaufsform zu wahren: Die Labernden sind Kotzende. Oder verhält es sich womöglich genau umgekehrt? Die Kotzenden sind Labernde? Schwierig, beim Kotzen zu Labern. Für etwaige Studierende gilt nichts anderes. Auch studieren gestaltet sich beim kotzen schwierig. Allein die „Bürgernden“ müssen hier leider draußen bleiben. Bolle fragt sich: Warum darf man labernd sein, studierend, und auch kotzend – aber nicht bürgernd? Bei Lichte betrachtet ist das wirklich zurücksetzend und ungerecht. Aber auch das ist ein anderes Kapitel.

Die jüngste Entwicklung im Reigen ist das Hack-Sprech. Hack-Sprech ist die vordergründig gelungene akustische Visualisierung des Binnen-I’s: Die Laberer (Sprechpause …) innen. Die Kund (Sprechpause …) innenkarte. Oder muß es gar heißen: Die Kunden (Sprechpause …) innenkarte? Der Gebrauch von Hack-Sprech bedarf (im Vergleich zu seinem Vorbild aus der Schriftsprache, dem Binnen-I) vermutlich eines noch deutlich höheren Maßes an Chuzpe und auch Sprachverwirrung, so man es seinen Zuhörern zuzumuten gedenkt. Kann das noch als Sprachentwicklung durchgehen? Oder ist das, wie Bolle meint, einfach nur noch gaga?

Babylon (Gen 11, 1-9) – nomen est omen, by the way – war da jedenfalls ’ne Lachnummer gegen. Wie heißt es in der Bibel? „Wohlauf, lasset uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des anderen Sprache verstehe!“ (Gen 11, 7). Mag sein, daß es dem Herrn (vermutlich beiderlei Geschlechts) seinerzeit an Phantasie oder doch zumindest an Entschlossenheit gemangelt hat. Wozu sich verschiedenste Sprachen ausdenken, wenn man den gleichen Effekt – gründliche Sprachverwirrung, auf daß „keiner des anderen Sprache verstehe“ – mit nur einer einzigen Sprache ebenso gut erreichen kann?

Hat das ganze wenigstens einen guten Kern? Gibt es ein nachvollziehbares Motiv? Natürlich, das schon. Offenbar sollen die Leser bzw. die Zuhörer (beiderlei Geschlechts) spätestens in jedem zweiten oder dritten Satz darauf hingewiesen werden, daß es auch Frauen gibt auf der Welt. Oder muß es heißen: die Lesenden bzw. die Zuhörenden, oder, oder (siehe oben)? Wenn das das Motiv sein soll, so ist es zumindest gut gemeint – wenn auch etwas trivial. Schon in der Bibel heißt es nämlich, und zwar ziemlich gleich am Anfang: „Und Gott schuf den Menschen ihm zum Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie einen Mann und ein Weib.“ (Gen 1, 27).

Kurzum: Es gibt, wie die Bibel das nennt, „Weiber“. Das wissen wir – und falls nicht, wäre ohnehin Hopfen und Malz verloren. In dem Fall dürfte auch die penetranteste Wiederholung wenig Wirkung zeigen. Auch wußten wir das schon immer – zumindest die bibelfesten unter uns. Unnötig also, das in jedem zweiten oder dritten Satz ausdrücklich zu erwähnen – zumal es doch oft sehr zu Lasten der eigentlichen Inhalte geht. In der Nachrichtentechnik nennt man so etwas übrigens „Rauschen“ (Daten ohne Informationsgehalt). Technikern gilt Rauschen sehr zu recht als äußerst störend und gehört nach Kräften minimiert bzw. idealerweise abgeschafft. Anders formuliert: Wenn das technische Rauschen so mancher Nachrichtensendung oder Talk-Show ebenso hoch wäre wie das inhaltliche Rauschen: Kein Mensch würde sich das antun wollen. Tatsächlich verhält es sich eher umgekehrt: Trotz brillanter technischer Übertragungsqualität (Null Rauschen) finden sich immer weniger, die sich das inhaltliche Rauschen weiterhin antun wollen. Unter Bolles Studenten (beiderlei Geschlechts) jedenfalls findet sich kaum noch einer. Dann doch lieber Rezo auf YouTube.

Aber bleiben wir konstruktiv: Wenn wir schon nicht darauf verzichten können oder wollen, den Leser oder gar den Hörer völlig themenunabhängig penetrant darauf hinzuweisen, daß es auch Frauen gibt auf der Welt, dann würde es völlig ausreichen, gelegentlich (und nicht etwa in jedem zweiten oder dritten Satz) ein „beiderlei Geschlechts“ einzustreuen – tunlichst in Klammern. Also in etwa: „Die Studenten (beiderlei Geschlechts) liegen in der Gosse und kotzen. Also kotzen die Studenten gerade.“ So macht das Sinn, zumindest mehr Sinn – und sollte eigentlich auch die genderbewegten bzw. die weniger bibelfesten unter uns zufriedenstellen. Auch wäre damit Schluß mit der immer noch üblichen und durch nichts zu rechtfertigenden permanenten Zurücksetzung von Frauen. Regelmäßig werden sie nämlich erst an zweiter Stelle erwähnt („Laberer und Labererinnen“, statt umgekehrt). Bolle findet das voll ungerecht. Schließlich würde der Vorschlag auch für die gesprochene Sprache taugen. Statt „beiderlei Geschlechts“ in Klammern könnte man gelegentlich (!) „beiderlei Geschlechts“ in sozusagen „akustische Klammern“ setzen – etwa mit tonloser, tieferer, meinetwegen auch mit bedeutungsschwanger gesenkter Stimme. Gerne, je nach Zielgruppe, auch mit ironischem Unterton (beiderlei Geschlechts, of course …). Auf keinen Fall aber sollten wir hier übertreiben. Übertreibung nämlich ruiniert die schönste Rhetorik. Und das wäre doch schade – falls man wirklich was zu sagen hat. Halten wir es mit Cato dem Älteren, der sein ceterum censeo stets wohldosiert plaziert hat – nämlich so, daß aus den Zuhörenden keine Kotzenden wurden. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Fr 04-09-20 Die Recken des Rechtsstaates

Fall Nawalny befeuert Debatte über Gaspipeline Nord Stream 2

So die Schlagzeile der Welt von heute. Endlich kommen wir der Sache näher. Bolle fragt sich schon seit Wochen: Wo bitte ist das Motiv? Wen oder was haben wir am Start?

Zunächst einmal Herrn Nawalny – einen eher unbedeutenden Provinz-Oppositionellen, der in Deutschland wohl ohne weiteres an der Fünf-Prozent-Hürde scheitern würde, und den hier keiner kennen würde, wenn er von der hiesigen Presse nicht hartnäckig als aufrechter Putin-Antipode hochgejazzt würde.

Dann, zum zweiten, North-Stream-Zwo – eine fast fertiggestellte Gasleitung, die Europa von umweltschädlichem amerikanischem Fracking-Gas unabhängiger machen würde und von der EU einhellig begrüßt wird.

Einhellig begrüßt? Von der gesamten EU? Natürlich nicht. Das wäre ungefähr so wahrscheinlich wie eine nackte Jungfrau im winterlichen Sommerbad bei Vollmond im Regen. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Soll man solche Leute vergiften? Natürlich nicht.

Die interessantere Frage, die sich jeder Kommissar in jedem Tatort stellen würde: Cui bono? Wem nützt es? Hat Rußland oder – wie es hierzulande ja meist umschrieben wird – „Putin“ irgendein nachvollziehbares Motiv, den Mann zu vergiften? Eben nicht.

Wer dann? Das sei der Vorstellungskraft des geneigten Lesers anheimgestellt. Bolle hält sich da raus. Putin jedenfalls kommt für ihn eher nicht in die engere Wahl.

In einer kanonisierten Konfusionsmatrix – und genau darum geht es hier – gibt es immer genau zwei Dimensionen: (1) Jemand hält etwas für wahr (true) – oder eben nicht (false). (2) Etwas ist tatsächlich wahr (pos) – oder eben nicht (neg). Daraus ergeben sich genau vier Kombinationsmöglichkeiten: true/pos, true/neg, false/pos sowie false/neg. Bei zwei dieser vier Möglichkeiten, true/pos und false/neg, paßt die Einschätzung zu den Gegebenheiten – ist also konsistent. In den anderen beiden Fällen, true/neg bzw. false/pos, ist das nicht der Fall – die Einschätzung ist also fehlerhaft. Dabei können wir eine true/neg-Einschätzung ohne weiteres mit „Verschwörungsopfer“ umschreiben – jemand glaubt etwas (true), das definitiv nicht der Fall ist (neg). Den umgekehrten Fall – jemand glaubt etwas nicht, obwohl es definitiv der Fall ist (false/pos), wollen wir fortan mit „Verblödungsopfer“ umschreiben.

Ob nun jemand mit seiner Einschätzung richtig liegt, true/pos bzw. false/neg, oder ob seine Einschätzung fehlerhaft ist, true/neg bzw. false/pos, läßt sich naturgemäß erst dann und nur dann entscheiden, wenn wir die objektive Wahrheit kennen. Bis dahin bleiben alle Möglichkeiten offen: Man kann mit seiner Einschätzung richtig liegen (Konsistenz), man kann aber auch ein Verschwörungsopfer sein bzw. – und diese Möglichkeit wollen wir nicht unterschätzen – ein Verblödungsopfer.

Interessant an dieser Stelle ist allein die Verve und Beharrlichkeit, mit der potentielle Verblödungsopfer diese (rein statistisch nicht von der Hand zu weisende) Möglichkeit von sich weisen – und zwar so sehr, daß es bislang anscheinend nicht einmal einen Begriff dafür gab. Oder halten sich die Meinungsmacher für unfehlbar? Das stünde ihnen nach allem nicht gut zu Gesicht. Aber auch das ist ein anderes Kapitel.

Bei aller Liebe zur Aufarbeitung: Wenn Geheimdienste ihre Finger im Spiel haben, ist es mit der Feststellung der objektiven Wahrheit, pos bzw. neg (als Voraussetzung für eine qualifizierte Einordnung im Wahrheitsraum, siehe oben), so eine Sache. Genau genommen ist es ein Ding der Unmöglichkeit. Geheimdienste arbeiten nun mal vorzugsweise im Geheimen – und alles andere als „transparent“. Man mag das beklagen – ändern können wird man es nicht.

Wir sind also auf den Ausgangspunkt zurückgeworfen: Wer hatte (1) die Fähigkeit zur Tat, (2) die Gelegenheit zur Tat, (3) ein Motiv für die Tat? Bei (1) und (2) kommt jeder Geheimdienst jedes halbwegs entwickelten Landes infrage. Verschwörungsopfer, wer’s glaubt? Oder Verblödungsopfer, wer’s nicht glauben mag? Auch hier gilt: Wir wissen es nicht.

Um so erstaunlicher das allgemeine Putin-Bashing, von der Kanzlerin über die übliche Politprominenz, die „Qualitäts-Medien“ bis hin in die hinterste Redaktionsstube. Selbst die NATO fühlt sich gefordert. Rechtsstaatlichen „Mindest-Standards“ dürfte das eher nicht genügen. Im Gegenteil: Hier wird munter drauflos gedroschen: Behauptung statt Beleg oder gar Beweis – bis hin zu der geradezu abenteuerlichen Idee, daß der mutmaßliche Täter, Putin, „kooperieren“ und doch bitteschön seine Unschuld beweisen möge. Prädikat: Gruselig, Ihr Recken des Rechtsstaates. Werft lieber mal einen Blick in das StGB und die StPO. Die sind zwar hier nicht einschlägig – erhellen aber gleichwohl die rechtsstaatlichen Grundsätze.

Daß sich Geheimdienste überhaupt hin und wieder veranlaßt sehen, einzelne Personen aus dem Weg zu räumen (zu „liquidieren“, wie es im internen Jargon vornehm heißt) mag man beklagen – will es doch so rein gar nicht in such a wonderful world (Satchmo) passen. Trösten wir uns mit Mr. Spock: Logic clearly dictates that the needs of the many outweigh the needs of the few. Was aber unter dem „Wohl der vielen“ zu verstehen ist, entscheiden wiederum die Geheimdienste – bzw. deren Regierungen. Auch hat das nichts mit „bösen Russen“ zu tun. So soll es zum Beispiel einen amerikanischen Friedensnobelpreisträger (!) geben, der dem vermuteten Wohl der vielen einige Tausend „wenige“ geopfert hat, indem er ihnen fleißig Drohnen aufs Dach geworfen hat. Und wir reden hier nicht von einem Einzelfall. Die Welt ist nun mal schlecht und mitunter ungerecht. Aber auch das ist ein anderes Kapitel.

Di 17-12-19 Rente „en marche!“

In Frankreich fahren weiter viele Züge nicht, heute ist die dritte landesweite Großdemonstration angesagt. Das Land debattiert seit zwölf Tagen mit ungebrochenem Generalstreik über Emmanuel Macrons Rentenreform. Seine Bewegung „La République En Marche!“ verteilt im Land lauter Zettelchen mit vielen Häkchen, für seine PR ist alles geklärt: „Für eine einfachere, gerechtere Rente für alle“, steht da. Doch das Misstrauen gegenüber dem agilen Staatspräsidenten bleibt.

Gefunden im Handelsblatt Morning Briefing. Lassen wir für dieses mal die Rente außen vor und kümmern wir uns um den Wortwitz – klarer gesagt: den Wort-Aberwitz. An dieser Stelle ist zunächst bemerkenswert, daß in den Medien ganz überwiegend der Begriff »Reform« gutgläubig oder zumindest gutmütig aufgegriffen wird. Bolle meint, es sollte gesetzlich verboten werden, etwas als »Reform« zu bezeichnen, wenn nicht zumindest zwei Drittel der unteren Schichten davon profitieren. Alles andere sei Etikettenschwindel. Die Franzosen sind da offenbar weiter – und flugs sind wir wieder bei Wortwitz, zum zweiten: Die Franzosen mißtrauen nicht – sie durchschauen. Die „Reform“ des „agilen Staatspräsidenten“ (siehe oben) verfolgt in erster Linie den Zweck, das Rentenvolumen zu schmälern. Ob das gut und richtig bzw. womöglich gar „alternativlos“ ist – noch so ein Fall von Wortwitz – sei hier dahingestellt. Falls Ja, sollte man das aber klipp und klar auch so sagen. Das wäre im vorliegenden Fall mal eine hübsche Aufgabe „für seine PR“. Mit „lauter Zettelchen mit vielen Häkchen“ ist es dabei offenkundig nicht getan – vor allem nicht bei revolutionserprobten Franzosen. Zum Abschluß Bolles Rat an die heimische Presse: Haltet es mit Rudolf Augstein: Schreiben, was ist. Oder wechselt über zur PR. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Do 14-11-19 Der Kommissar

Ursula von der Leyen und der Fall des fehlenden Kommissars

So einer der Aufmacher von Spiegel Online, dem Sturmgeschütz der Ochlokratie, heute. In der Kellerzeile erfahren wir dann, daß

Großbritannien [sich] weigert […], rechtzeitig zum geplanten Amtsantritt der neuen EU-Kommission einen Kommissar zu nominieren.

Warum sollten sie auch, die Briten? Bolle meint: Kein Mensch bewirbt sich um eine Projektleiter-Stelle, nachdem er längst schon gekündigt hat. Ist das jetzt schlimm?

Macht das die EU arbeitsunfähig?

– wie es in der Kellerzeile weiter heißt. Aus EU-Kreisen hört man:

Die Situation sei „komplex“, „außergewöhnlich“ und „beispiellos“.

Dabei ist „beispiellos“ nur ein anderes Wort für „außergewöhnlich außergewöhnlich“ – und „komplex“ ist nur ein Synonym für „wir blicken nicht mehr ganz durch“. Reine EU-Routine, also. Nach einigem Hin und Her heißt es in dem Beitrag schließlich,

[…] das EU-Recht schreibe lediglich die Zahl der Kommissare vor. „Es heißt dort nicht, dass jeder Mitgliedsstaat einen Vorschlag machen muss“ […]

So what?, fragt Bolle. Die Zahl der Kommissare hat demnach mit den Briten rein jar nüscht zu tun. Interessant wäre demnach allein die Frage, wie lange die verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten im EU-Soziotop brauchen werden, um sich zu einigen, welches Land gleich 2 Kommissare stellen darf. Das kann dauern, wahrscheinlich länger als der Brexit selbst – egal wie lange der noch dauern mag. Nach weiterem Hin und Her – und unter Verlust der Argumentationslinie – kommt schließlich noch das Sahnehäubchen:

Jeder neue Kommissar koste den Steuerzahler rund eine Million Euro für Umzug, Personal und lebenslange Rente – egal, wie lange er im Amt ist.

Vor allem der Umzug schlägt dabei wohl mächtig ins Kontor. Bolle meint: Leute, bewerbt Euch. Zumindest in der EU ist die Rente noch sicher. „Drah’ di net um […]  // Schau, schau, der Kommissar geht um […]“. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Do 07-11-19 Thüringer Brandmauer

Noch hält die Brandmauer

So titelt Spiegel Online heute unter der Dachzeile »Verhältnis von CDU und AfD im Osten«. Bolle fragt sich: Wieso eigentlich „Brandmauer“? Brennt’s denn im Osten?

Was ist da bloß los in Thüringen? Und, genereller: Was ist da los bei der Ost-CDU?

Generell, genereller, am generellsten. Na toll! „Qualitätsjournalismus“, eben. Das hat man davon, wenn man einen ganzen Berufsstand für alle öffnet, die meinen, hinreichend ambitioniert zu sein und dabei in der Lage, ein paar Zeilen zu Papier bringen zu können. Garbor Steingart meinte kürzlich, und zwar völlig zutreffend: „Aus Journalisten sind Aktivisten geworden.“ Großes Herz – nicht ganz so großes Hirn. Na toll, zum zweiten.

Immer mehr Politiker an der Basis versuchen, Steine gegen die Brandmauer zu werfen, die die CDU gegenüber der AfD errichtet hat.

„Steine gegen die Brandmauer werfen“. Soll das ein Topos sein? Dazu kommt es zu selten vor – eigentlich überhaupt nicht, bislang. Eine Metapher? Dazu ist es erstens nicht ausdrucksstark genug und zweitens viel zu schräg. Eine Brandmauer ist keine Burgmauer, die man mit Steinen zu Fall bringen könnte. Was dann? Wir wissen es nicht. Aber geschenkt. Wichtiger ist die Frage: Wer eigentlich soll das sein –  „die CDU“? Die „Funktionäre“ – also „die da ohm“ bzw., in ostdeutscher Diktion, „die Bonzen“ – oder nicht doch eher „die Basis“. Werfen wir einen Blick in die Verfassung. Das Demokratieprinzip verlangt in einer repräsentativen Demokratie eine ununterbrochene Legitimationskette vom Volk zu den staatlichen Organen. Zwar ist eine Partei kein „staatliches Organ“. Gleichwohl gelten hier die gleichen Regeln: „Ihre innere Ordnung muß demokratischen Grundsätzen entsprechen“ (Art. 21 I S. 3 GG). Das bedeutet im Kern die Mißbilligung eines „Führerprinzips“ bzw., positiv gewendet, eine Willensbildung „von unten nach oben“. Kurzum: „die CDU“, verstanden als „Club der Funktionäre“ hat genau das zu tun, was „die Basis“ will – und nicht etwa „Brandmauern“ gegen ihre eigene Basis zu errichten. „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Kennen wa ja seit 1961, meint Bolle. Also haltet Euch dran, Ihr aufrechten Demokraten. Aber das ist ein anderes Kapitel.