So 28-03-21 Die Osterruhe vor dem Sturm

Wer hätte das gedacht?

Unser letzter Eintrag war ja, zugegeben, etwas knapp gehalten. Auch haben wir uns ein paar Tage kontemplativer Distanz gönnen müssen. Es war aber auch zu gruselig. Da kam die Regierung – genauer gesagt: die sogenannte Bund/Länder-Konferenz – nach durchdachter Nacht auf die grandiose Idee, mal eben die Osterlogistik zu zerschießen und das ganze, so viel Nudging muß sein, euphemistisch „Osterruhe“ zu nennen. Osterruhe – das klingt nachgerade kontemplativ. Wünschen wir uns nicht alle etwas mehr Ruhe um die Feiertage rum?

Nach der angesagten Ruhe kam der Sturm. Das geht schon damit los, daß es so etwas wie „Bund/Länder-Konferenzen“ in der Verfassung gar nicht gibt. Daran ändert sich auch dann nichts, wenn man das Baby „Bund/Länder-Gespräche“ nennt. Allerdings ist das, weder in der Politik noch im Journalismus 2.0, irgend jemandem groß aufgefallen. Was dann?

Nach dem Bundesstaatsprinzip (Art. 20 I GG) ist die Bundesrepublik zweigliedrig organisiert. Das bedeutet im wesentlichen, daß die Länder eigene Staaten sind – mit eigener, und nicht etwa vom Bund abgeleiteter staatlicher Hoheitsmacht. Erschwerend kommt hinzu, daß die Ausübung staatlicher Befugnisse im Zweifel Sache der Länder ist (Art. 30 GG). Fazit: In Deutschland haben die Länder richtig was zu sagen (vgl. dazu auch Fr 05-03-21 Und ewig schläft das Murmeltier). Wenn sich nun die Kanzlerin hinstellt und in einer „Asche über mein Haupt“-Ansprache erklärt, daß ihr „qua Amtes“ die letztendliche und alleinige Verantwortung für den ganzen Schlamassel zufalle, so irrt sie sich. Nein, die Kanzlerin ist nicht die Cheffin der Bund/Länder-Konferenz – zumal es die ja ohnehin nicht gibt. Aber wenn man schon mal einen Lauf hat: Warum dann nicht noch einen draufsetzen?

Kurzum: Bolle hätte es fein gefunden, wenn die Länderchefs wie ein Mann (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) aufgestanden wären und ihrerseits und jeder für sich ein fröhliches „Mea culpa, dito“ unters Volk gestreut hätten: „Ich bin schuld. – Nein, ich. – Nein, ich.“ Sind wir nicht letztlich alle Sünder vor dem Herrn (wiederum beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course)?

Noch feiner hätte Bolle es indes gefunden, wenn solche kapitalen „handwerklichen Fehler“, wie es wiederum höchst euphemistisch heißt, gar nicht erst passieren würden. Immerhin: Dieses mal hat das Volk gefühlt, daß das so nicht angehen kann.

Und nun? Noch ein Lock-Downchen, und noch eins, und vielleicht ein allerletztes zu Weihnachten? Oder Ostern nächstes Jahr? Bolle meint: Plan geht anders. Vor allem geht Plan mit Anerkennung der Gegebenheiten los. Krisen-PR, falls nötig, übrigens auch. Das aber ist dann doch schon wieder ein anderes Kapitel.

Mo 22-03-21 Plan, Prognose, Plausibilität

Von Plänen, Prognosen, und Plausibilitäten.

Im Grunde ist alles ganz einfach – wie immer auf der grundsätzlichen Ebene. Ein Problem ist einfach nur eine Soll/Ist-Diskrepanz: Etwas ist nicht so, wie es sein soll, wobei es nicht ohne weiteres möglich ist, den gegebenen Ist-Zustand in den gewünschten Soll-Zustand zu überführen („Transformationsbarriere“). Beispiel: Einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course)  hat Hunger (Ist-Zustand), wäre aber lieber wohlgesättigt (Soll-Zustand). Der Kühlschrank ist bis oben hin voll. Also keine „momentane Transformationsbarriere“ und damit auch kein Problem. Nun ist es so, daß man sich den Blick auf selbst so einfache Zusammenhänge mühelos verstellen kann, allein indem man jegliches mögliche Problem zur „Herausforderung“ hochzwiebelt. Im Grunde sind wir damit wieder bei Gertrude Stein: Ein Problem ist ein Problem ist ein Problem. Ob es nun „als Herausforderung angenommen“ wird oder als „Mimimi-Matrize“ ist dagegen eine Frage der Haltung – und hat mit Soll/Ist-Diskrepanzen bzw. irgendwelchen Transformationsbarrieren wirklich wenig zu tun. Soviel zur begrifflichen Klarheit.

Wie löst man nun ein Problem, wenn die Dinge etwas komplizierter liegen als nur „Habe Hunger“? Nun, erstens muß man sich klar machen, wo man steht (Ist-Analyse), zweitens wo man hin will (Ziel-Definition), und drittens braucht man einen Plan, wie man den Weg von Ist nach Soll zu beschreiten gedenkt. Oft genug tut sich an dieser Stelle im Rahmen eines ›Checks der Mittel‹ ein Folge-Problem auf. Um im Beispiel zu bleiben: Einer hat Hunger, der Kühlschrank ist leer – und das Portemonnaie leider auch. Die Scheckkarte übrigens ist gesperrt. Jetzt hätten wir es in der Tat mit einem Problem zu tun – und jetzt erst geht es um  „Herausforderung vs. Mimimi“.

Und? Wie geht man in der Politik mit so was um? Gestern hat Bolle erfahren, daß die Grünen zur Zeit deshalb so erfolgreich seien, weil sie sich einfach nicht festlegen lassen. In unserer Sprache bedeutet das: Der Soll-Zustand ist und wird nicht definiert – und damit jede potentielle Problemlösung im Keim erstickt. Wenn’s aber doch der Wähler wünscht? Das allerdings wollten die Grünen dann doch nicht auf sich sitzen lassen und ließen verlauten, daß man, ganz im Gegenteil und im Gegensatz zur SPD etwa, nicht nur Ziele definiere, sondern sogar sage, wie man dort hinzukommen gedenke. Bolle meint: Na, nu wird’s Tach. Da staunste Bauklötzer.

Allein, worin besteht der Plan? Vorläufig anscheinend nur in einer Vorstellung, in welcher Höhe man Mittel für die Erreichung seiner Ziele aufzuwenden gedenkt. Einen echten Plan, so richtig mit Substanz, stellt sich Bolle anders vor und trägt sich ernstlich mit dem Gedanken, ins Plan/Prognose/Plausibilitäts-Biz einzusteigen. Irgendwas muß da doch gehen – bei den Beraterhonoraren. Das aber ist dann doch schon wieder ein anderes Kapitel.

Fr 12-03-21 America first!

Von festen Punkten und weichen Stellen.

„Erst wird die Bevölkerung der USA geimpft. Wenn wir dann noch was übrig haben, teilen wir es gerne mit anderen.“ So hat es der 46. Präsident der Vereinigten Staaten, Mr Joe Biden, gestern zur besten Sendezeit verlauten lassen. Deutlicher geht’s kaum. Und? Wie haben die Medien das aufgefaßt? Betröppeltes Schulterzucken. Keine Spur von Aufschrei. Bolle meint: Das hätte sich der 45. Präsident, Mr Donald Trump, mal trauen sollen. Dann wäre, einmal mehr, so richtig der Teufel losgewesen.

Was Bolle wirklich ein wenig irritiert: Wir reden hier von Selbstverständlichkeiten. So lautet etwa der Amtseid, den der Bundespräsident, der Kanzler und sämtliche Minister (jeweils beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) zu leisten haben: „Ich schwöre, daß ich meine Kraft dem Wohle des deutschen Volkes widmen, seinen Nutzen mehren, Schaden von ihm wenden …“, und so weiter (Art. 64 II, 56 GG). Dem Wohle des deutschen Volkes – nicht etwa dem Wohle der ganzen Welt. Entsprechendes gilt selbstredend für die Amtseide anderer Länder. Auch sind sich die Verfassungsrechtler völlig darin einig, daß die sogenannte Eidesformel nur Pflichten bekräftigt, „die ohnehin als selbstverständlich mit dem Präsidentenamt und überhaupt jedem staatlich-politischen Führungsamt verbunden anzusehen sind.“

Grundsätzlich scheint es so zu sein: Je mehr Probleme man gleichzeitig lösen will, desto unwahrscheinlicher wird es, daß man überhaupt irgendwas gebacken kriegt. Ziele brauchen Raum! Damit wären wir wieder beim Thema »Wunsch und Wirklichkeit« (vgl. dazu Mo 08-03-21 Wunsch und Wirklichkeit). Kurzum: „Bevor Du Dich daranmachst, die Welt zu verbessern: Kehre dreimal vor Deiner eigenen Tür.“ Und so paßt es aufs feinste ins Bild, daß genau die Staaten bzw. die Staatenlenker (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) , die diese kleine chinesische Weisheit beherzigen, im Cöronchen-Management zur Zeit die mit Abstand beste Figur machen. Und? Was macht der Journalismus 2.0? Schweiget stille und wundert sich.

Auch hatten wir diesen Punkt vor einigen Wochen schon mal angesprochen und dabei festgehalten: „Bolles vorläufige Prognose: Wir werden noch ein Weilchen weiterwurschteln – und zwar so lange, bis die Maschinen soweit sind, daß man ihnen einfach nur Ziel- und Aktionsparameter eingeben muß und sie uns dann mit kühler Logik mitteilen, was zu tun ist – bzw. daß wir die Zielparameter (also das, was wir erreichen wollen) gründlich abspecken müssen oder aber die Aktionsparameter (also das, was wir possibly überhaupt tun können) gründlich aufstocken, da die Gleichungssysteme ansonsten schlechterdings unlösbar sind. Bolles altes Credo: Was mathematisch nicht funktioniert, funktioniert nicht mal im Kapitalismus – und übrigens auch nicht im Sozialismus.“ (vgl. Mo 18-01-21 So sein — oder so sein …?). Das aber ist dann letztlich doch schon wieder ein anderes Kapitel.

Mi 27-01-21 Wahn und Wirklichkeit

Wahn und Wirklichkeit in der Dreigroschenoper.

„Wahn“ – das ist den meisten nicht klar – ist ein uraltes Wort. Der Ursprung läßt sich zurückverfolgen bis ins Althochdeutsche und darüber hinaus ins Germanische, Gotische und Altnordische. Und überall bedeutet es das gleiche – nämlich ›Hoffnung, Erwartung‹. Man könnte auch sagen: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Die semantische Nähe zu „Wahnsinn“ dagegen ist vergleichsweise jung. Um vermeidbaren Konfusionen vorzubeugen, sollten wir uns besser auf „Wunsch und Wirklichkeit“ verständigen.

Die Wirklichkeit taucht regelmäßig im Singular auf – auch wenn die Perspektiven darauf höchst vielfältig sein mögen. Der Wünsche dagegen gibt es furchtbar viele. Auf den Brecht’schen Punkt gebracht: Wer plant, muß wählen. Damit ist zwar noch lange nicht gesagt, daß der Plan dann auch „geht“. Aber immerhin: It’s a start. Aber wählen – man könnte auch sagen: entscheiden – ist beileibe nicht jedermanns Sache. Und das ist karrieretechnisch ja auch durchaus klug. Wenn einer sagt: Dieses will ich, jenes nicht – dann hat er, namentlich in einer pluralistischen und massenmedial gesteuerten Gesellschaft, sofort alle am Hals, die exaktemente das Gegenteil wollen. Und wenn sich – rückblickend betrachtet – mehr oder weniger „nachweisen“ läßt, daß das ursprünglich Gewollte in eine Sackgasse geführt hat oder zumindest schwere „Nebenwirkungen“ mit sich gebracht hat, dann steht’s schlecht um die weitere Karriere. Folglich produziert „das System“ scharenweise Leute, die sich vernünftigerweise immer schön bedeckt halten. Einer Problemlösung, die den Namen verdient, kommt das allerdings  weniger zugute. So ist das nun mal bei Nash-Gleichgewichten. Sei’s drum.

Was hat das alles mit Corönchen zu tun? Corönchen – das scheint Bolle das Gute daran – wird uns zwingen, unsere vielfältigen Wünsche mit der einen Wirklichkeit abzugleichen. Im Zweifel gewinnt die Wirklichkeit – egal, was wir für wünschenswert halten. Im Moment sieht es ganz danach aus, als würden die „Markt-Taliban“ – die die letzten Jahrzehnte absolut die Oberhand hatten –  ein wenig in die Defensive geraten. Und das ist wohl auch gut so – andererseits dann aber doch schon wieder ein anderes Kapitel.

Mi 23-12-20 Das dreiundzwanzigste Türchen …

Hier das 23. virtuelle Türchen …

Hier noch ein letztes Beispiel aus Bolles schier unerschöpflichem Fundus chinesischer Weisheiten. Dabei könnte das auch uns im Westen durchaus klar sein – wenn auch vielleicht in weniger geschmeidiger Formulierung. Hier nennt man das Phänomen „Opportunitätskosten“ – welch gruseliges Wort. Selbst DeepL ist da weiter, wenn es als Übersetzung von opportunity costs ›Optionskosten‹ vorschlägt. Alles, was man tut – jede Entscheidung, die man fällt –, ist mit Aufwand im weitesten Sinne (also Geld, Zeit, Nervenkraft, und was auch immer) verbunden. Kurzum: Alles hat seinen Preis. Von wegen „alles ist möglich“ (vgl. dazu das achzehnte Türchen). Mag sein, daß alles möglich ist. Aber es ist eben nicht alles möglich – schon gar nicht gleichzeitig oder gar zum Nulltarif.

Was hat das mit uns bzw. mit hier und heute zu tun? In dieser herrlich entgrenzten Welt – heute hier, morgen dort, bin kaum da, muß ich fort – dämmert uns langsam, namentlich in Corönchen-Zeiten, daß auch das seinen Preis hat. Strafe Gottes? Gott behüte. Einfach nur eine Antwort des Systems. Systeme sind selbst-stabilisierend und damit geduldig. Allerdings soll man auch hier nichts übertreiben. Wenn ein System mit seiner Geduld am Ende ist, dann sagen wir „es kippt“ und wundern uns. Liegt das nun am System oder nicht doch eher an uns selber? Soweit zur letzten Kontemplations-Anregung in diesem unserem agnostischen Adventskalender. Das aber ist dann letztlich doch schon wieder ein anderes Kapitel.

Di 22-12-20 Das zweiundzwanzigste Türchen …

Hier das 22. virtuelle Türchen …

So, das mußte noch raus. Weniger, weil bald Weihnachten ist, sondern eher, weil das alte Jahr zuende geht. Und nächstes Jahr soll ja schließlich alles besser werden. Dabei wäre es wohl nicht der schlechteste Ansatz, wenn sich die schreibende Zunft wieder deutlicher bewußt machen würde, daß sie letztlich „irgendwas mit Medien“ zu tun hat. Ein »Medium« aber sollte schon von der Wortbedeutung her ein ›Vermittler, in der Mitte stehendes‹ sein. In der Mitte zwischen was? Dem, was ist, und dem, der es erfahren möchte. Rudolf Augstein hat das seinerzeit zeitlos klassisch gefaßt: „Schreiben, was ist.“ Punctum. Das ist indessen lange her. Medium sein heißt nicht, dem Leser bzw. Zuhörer oder Zuschauer (jeweils beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) die eigene geschätzte Befindlichkeit zu vermitteln. Kurzum: »vermitteln« ist ein Teekesselchen der tückischen Art. Es steht für (1) ›rüberbringen, was in der Welt los ist‹, oder aber (2) ›rüberbringen, was mit mir los ist‹. Beides hat – bei höchster Verwechslungsgefahr – wenig miteinander zu tun. Nachdem das geklärt ist, noch ein Letztes: „Schreiben, was ist“ bedeutet nicht: „Alles schreiben, was ist“. Es besteht keine Notwendigkeit, jeden Pupser, den einer, etwa auf Twitter, abläßt, massenmedial zu verstärken. In Bolles Jurastudium nannte man das treffend „Weglaß-Technik“: Der Bedeutung von Banalitäten wird man als Vermittler am besten dadurch gerecht, daß man sie gar nicht erst erwähnt. Aber das ist schon „höhere Schule“ und damit auch ein anderes Kapitel.

Mo 21-12-20 Das einundzwanzigste Türchen …

Hier das 21. virtuelle Türchen …

Wird es nicht langsam wirklich weihnachtlich in unserem kontemplativen Adventskalender? Kann man so sehen – oder auch nicht. Wirklich weihnachtlich will es ja nicht werden in diesem Jahr. Bolle vermißt vor allem den Glühwein und das Gewusel auf den Weihnachtsmärkten. Ein Geschenk auf amazon zu erlegen ist ja ooch nicht das gleiche. Vor allem aber findet Bolle es höchst unchristlich, die „Dosen“ mit der gleichen Freude und Zuversicht als Heilsbringer zu erwarten, wie es eigentlich nur dem Erlöser der Christenmenschen vorbehalten sein sollte: „Komme, oh Impfstoff, oh komme doch bald … // Lasset uns preisen in frommen Weisen // Halleluja …“ Bei aller weihnachtlichen Liebe: Ein bißchen bigott ist das schon. Zumal auch die Pfaffen mehrheitlich auf der Tour reiten. Von wegen „Heim ins Himmelreich“. Aber vielleicht ist das bereits ein anderes Kapitel.

Fr 25-09-20 Wortglöckchen und Donnerhall

Wie sich die Rolle von Führungskräften in einer hybriden Arbeitswelt ändert, erklärt Telekom-Personalchefin Birgit Bohle im Interview mit dem Handelsblatt. Ihr Credo: „Empathie und Vertrauen werden noch wichtiger.“

Gefunden im Handelsblatt Morning-Briefing von heute. Was, bitteschön, ist eine „hybride Arbeitswelt“?, fragt Bolle stumpf. »Hybride« sind „durch Kreuzung entstandene Wesen“. Wer, bitteschön, hat da was „gekreuzt“ in der Arbeitswelt? Darf der das? Im übrigen leiten sich Hybride ab von gr. hybris – was soviel wie „Frevel“ oder „Schändung“ bedeutet. Nomen est omen. Aber zurück auf den Teppich: Mit „hybrider Arbeitswelt“ soll wohl im Grunde „heute hier, morgen dort“ gemeint sein: Ab und an mal im „Office“ reinschneien und ansonsten gemütlich vorm heimischen PC hängen (wenn nur die Kinder nicht wären, die oft genug so rein gar kein Verständnis für moderne Arbeitswelten aufbringen) und … – Ja, was eigentlich? In Bolles Augen kann es sich dabei nur um eine Zwischenstufe handeln zu der Einsicht, daß man eigentlich ohnehin nicht groß was zu tun hat – weder „at home“ noch „im Office“. Bis allerdings diese Einsicht zu voller Reife gelangt, könnte es noch ein wenig dauern – wenn auch wohl nicht mehr allzu lange.

Man muss sich darauf verlassen können, dass Mitarbeiter selbständig Entscheidungen treffen und die Bälle nach vorne treiben.

Wortglöckchen, wohin das Öhrlein lauschet. Klingt erst mal gar nicht schlecht. Aber klingelt auch ein wenig – zumindest in empfindlicheren Ohren. Abermals zurück auf den Teppich: Entscheider sind dazu da – und werden im übrigen meist auch recht gut dafür bezahlt –, daß sie Entscheidungen treffen. Mitarbeiter dagegen sind dafür da, daß sie mitarbeiten. Das ergibt sich bereits aus der Definition. »Führen« bedeutet zu veranlassen, daß das „richtige“ getan wird – wobei das, was „richtig“ ist, von den Führenden bestimmt wird. Kurz und knapp: Führen bedeutet, zu veranlassen, daß das getan wird, was der Führende für richtig hält. „Selbständig Entscheidungen treffen“ kommt in diesem Konzept nicht vor – jedenfalls nicht in der Realität. Im übrigen: Woher sollen die Mitarbeiter wissen, wo „vorne“ ist – wo also sie die „Bälle hintreiben“ sollen? Für einen Mitarbeiter, der das weiß – und sich entsprechend verhält – gibt es genau zwei Möglichkeiten: a) er wird selber Entscheider, oder b) er fliegt raus. Die Erfahrung lehrt uns, daß regelmäßig b) der Fall sein wird. Weiter heißt es:

Sie müssen über Ziele und Ergebnisse führen können und regelmäßig Feedback geben.

Wie das? Die Mitarbeiter müssen führen können? Wortglöckchen im Quadrat. Hier paßt ja wirklich rein gar nichts mehr zusammen. Bolle meint: Wenn ditte der Führungsstil der Telekom sein soll, dann wundert mir jar nüscht mehr. Abschließend heißt es:

„Jetzt Artikel lesen …“

Och Nö, meint Bolle. Sapienti sat – bin schon bedient. Die Reizwörter „Empathie“ und „Vertrauen“ sparen wir uns unter diesen Umständen. Genug geklingelt. Das Gegengift zu ›Wortglöckchen‹ heißt übrigens ›Donnerhall‹. Aber das ist ein anderes Kapitel.