So 26-07-26 Warum duzen Sie mich? Weil ich es kann!

Logisch, oh so logisch sein …

Neulich war Bolle mal wieder bummeln – diesmal nicht etwa ›in real life‹, sondern in den kaum weniger bunten virtuellen Welten. Dabei ist ihm der Dialogfetzen aus unserer heutigen Überschrift untergekommen. Ist das jetzt logisch? Oder ist das Klamauk? Auf Anhieb war Bolle das nicht ganz klar.

 W a s  ihm aber klar war: Wenn einer was  n i c h t  kann (kurz ›k‹ mit Überstrich – das in Bolles Kreisen übliche Symbol für die logische Verneinung), dann kann er es nicht machen (das ›m‹ mit Überstrich). Zumindest sollte man das meinen. Daraus folgt übrigens rein logisch (Doppelpfeil), daß,  w e n n  einer was macht, er das auch kann. Auch das sollte man zumindest meinen. Allerdings folgt daraus  n i c h t  (der rote durchgestrichene Doppelpfeil), daß, wenn einer was kann, er es auch machen wird. Natürlich nicht. Man kann unmöglich alles machen, was man machen  k ö n n t e . Genaugenommen ist das sogar der Normalzustand – wie ihn Reinhard Mey seinerzeit (1971) in seinem Lied 71½ so anschaulich beschrieben hat:

Ein paar Dutzend leere Flaschen
Stehen noch auf dem Balkon,
Eingepackt in Plastiktaschen,
Die ich doch seit Neujahr schon
Längst zum Kaufmann tragen sollte,
Legen Zeugnis davon ab,
Was ich alles tun wollte,
Und doch nicht getan hab’.

Kurzum: der Möglichkeiten sind da viele. Oder, vornehmer formuliert: Der Kontingenzraum (also das, was irgendwie sein  k ö n n t e ) ist um 10 hoch einige Phantastilliarden größer als der Manifestationsraum (das, was letztlich davon überbleibt). Um sich das vorstellen zu können: Der Durchmesser des beobachtbaren Universums beträgt gerade mal vergleichsweise winzige 10 hoch 27 Meter.

Soweit ist das krass genug. Doch oh weh, oh jemine! Es kommt noch schlimmer. Die eigentlichen Probleme liegen mal wieder, wie so oft, jenseits des Lattenzaunes der Logik. ›Können‹ nämlich ist ein Teekesselchen – und zwar eines der tückischen Art.

Es gibt höchst harmlose Teekesselchen – zum Beispiel ›Bank‹. Wenn ich sage, ich setze mich auf die Bank, wird niemand, wirklich niemand erwarten, mich demnächst auf dem Dach eines Kreditinstitutes anzutreffen. Wenn dagegen jemand sagt, er habe sein Geld auf der Bank, wird niemand ein Portjuchhe auf einer Parkbank erwarten. Verwechslungsgefahr ist praktisch ausgeschlossen. Darum kann man ohne Verwirrung zu stiften für zwei so unterschiedliche Dinge wie Parkbänke und Kreditinstitute ohne weiteres das gleiche Wort verwenden. Genau darum sind solche Teekesselchen harmlos.

Daneben gibt es aber auch tückische Teekesselchen. Wenn jemand (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) sagt ›Ich kann das‹, dann kann das zweierlei, höchst unterschiedliche Bedeutungen haben. Zum einen kann das meinen, daß etwas im Rahmen seiner Fertigkeiten und Fähigkeiten liegt – übrigens ein stehender Begriff aus dem real-existiert-habenden sozialistischen Bildungssystem. Zum anderen kann es aber auch bedeuten, daß es – zumindest nach seiner Einschätzung – nichts gibt, was ihn  hindern oder hemmen könnte. Das Können zum einen ist also ergebnisorientiert, das Können zum anderen dagegen ist freiheitsmotiviert: „D i e  Freiheit nehm’ ick mir – kann ick mir leisten.“ Ganz so wie oben in der Überschrift. Dabei hat das eine mit dem anderen wirklich rein gar nichts zu tun. Bolle meint: Da kannste ma sehen: wirklich tückisch, ditte.

So  r i c h t i g   a b s u r d  wird es dann, wenn einer von seiner Position auf seine Fertigkeiten und Fähigkeiten schließt. In Bolles Kreisen nennt man solche Leute hochgespülte Gesellen (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course). Solche Leute scheinen zu meinen, daß, wenn sie schon einen gegebenen Job innehaben (und dafür meist auch noch fürstlich bezahlt werden), dann müßten sie ihn ja schließlich auch können, den Job. Wie heißt es doch im Volksmund? Wem Gott ein Amt gibt, dem gibt er auch Verstand. So optimistisch ist Bolle dann aber doch eher  n i c h t . Und so machen Scharen von Leuten ihre Jobs nicht etwa, weil sie sie können (ergebnisorientiert), sondern weil sie niemand daran hindern kann (freiheitsmotiviert). Um es auf unsere Überschrift zurückzuschleifen: „Warum machst Du einen Job, den Du nicht kannst? – Weil ich es kann.“ Na toll. Hier beißt sich die Katz‘ in den logischen Schwanz.

Avanti dilettanti, also: Munter geht die Welt zugrunde. Wenn schon kein Ergebnis, dann wenigstens Freiheit. Nun wäre Bolle der letzte, der was gegen Freiheit hätte. Allerdings wäre ihm ein gerüttelt Maß an solider Könnerschaft namentlich in hochgestellten Positionen durchaus deutlich lieber – insbesondere bei Leuten, die sich anschicken, ein ganzes Land lenken zu wollen. Guckt Euch um auf dieser Welt! Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 05-07-26 Meinung, Mehrheit, Murks

Früher oder später – irgendwann auf jeden Fall …

Mitunter sind es gerade die kleinen Bühnen, auf denen sich die großen Probleme zur Kenntlichkeit entstellen. Es muß ja nicht immer das ganz große Besteck sein. Just in dieser Woche begab sich folgendes: Bolle hatte es im Rahmen einer Mediation – besser gesagt: der Vorbereitung einer solchen – mit zweien seiner Mitstreiter (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) zu tun. Im Kern ging es dabei lediglich um die Frage, wie das Baby in der gegebenen Situation am geschicktesten zu schaukeln sei.

Formal haben die drei einen Vorsitzenden – der sich allerdings, der Mode der Zeit entsprechend, nur verschämt „Sprecher“ nennt und sich keinerlei – wie soll man sagen? – Richtlinienkompetenz anmaßen mag. Das wäre ja nicht „inklusiv“ genug. Verantwortung übernehmen – namentlich für eine Fehlentscheidung? Ganz, ganz altmodischer Kram. Bolle meint: an dieser Stelle schon ist voll der Wurm drin. Wie hieß es früher doch so trefflich?

Auf jedem Schiff, ob’s dampft, ob’s segelt,
Gibt’s einen, der die Sache regelt.

Dabei konnte Bolle es sich noch nie verkneifen, hier eine seiner berüchtigten Weiterungen anzufügen:

Doch ist der eine schlicht zu dämlich,
Geht Mann und Maus zugrunde nämlich.

In Bolles kleiner Dreierrunde jedenfalls war es so, daß es einige schwerwiegendere Argumente zu berücksichtigen galt – in etwa der folgenden Art: Wenn wir das so und so machen, dann wird absehbar dies und jenes passieren. Wollen wir das? Natürlich nicht!

Allein, das Argument wurde intellektuell nicht verarbeitet (in Bolles Kreisen vornehm: nicht kogniziert). Schlimmer noch: Bolle hatte den Eindruck, daß es gar nicht erst richtig gehört wurde (vornehm: nicht perzipiert). Wir erinnern uns: Die mappa mundi, mit der einer durchs Leben läuft, hat im Rahmen einer Rückkopplungsschleife erheblichen Einfluß auf das, was einer überhaupt nur wahr- beziehungsweise aufnehmen kann (vgl. dazu das Drei-Welten-Modell, etwa unter So 26-04-26 Wie hältst Du’s mit der Wahrheit, sprich!).

Kam wenigstens eine Entscheidung zustande? Aber sicher. Es kam sogar eine  M e h r h e i t s e n t s c h e i d u n g  zustande – mit satter Zweidrittelmehrheit. Da kann man doch nicht meckern – macht es doch einen mächtig demokratischen Eindruck. Gleichwohl war es Murks, was dabei herauskam. Zumindest in Bolles mappa mundi war das absehbar so – und so sollte es die Wirklichkeit denn auch bestätigen. Allein: Vergebens predigt Salomo // Die Leute machen’s doch nicht so (Bolle featuring Wilhelm Busch).

Bolle für sein Teil hält es lieber mit ›Et credo et censeo – Ich glaube, weil ich gute Gründe habe.‹ (vgl. dazu So 19-04-26 Alternativlos für Deutschland). Mehr als Glauben ist nun mal nicht drin – in einer Welt, in der man ohnehin nur wenig wissen kann. Sokrates hätte das vielleicht wie folgt gefaßt: ›Non scio me nihil scire – Ich weiß nicht, daß ich nichts weiß.‹ Das ist sehr viel weniger und deutlich deprimierender als wenigstens zu wissen, daß man nichts weiß – und doch nach Kräften zu versuchen, das Beste draus zu machen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 24-05-26 Der Wurm im Ventilator

When the shit hits the fan …

Ja, was ist  d a s  denn schon wieder für ein Titel? Nun, daß hier und heute gehörig der Wurm drin ist, hatten wir ja verschiedentlich schon erwähnt – zuletzt wohl erst im Februar (vgl. So 08-02-26 Könner versus Kasper (KvK)). Dieser Tage mußte Bolle einmal mehr an das herrlich drastisch-plastische Bild bei ›Wag the Dog‹ (USA 1997 / Regie: Barry Levinson / mit Dustin Hoffmann und Robert de Niro) denken – so wie es sich in unserem heutigen Schildchen in Bolles Auf-den-Punkt-gebracht-Übersetzung findet. Außerdem gibt es, namentlich bei den Yanks, die anschauliche Wendung ›When the shit hits the fan‹ – also in etwa ›Wenn die Scheiße durch den Lüfter fliegt‹. Man kann sich das gar nicht drastisch/plastisch genug vorstellen. Es ist fast so krass wie manche der Zustände selbst. Und so kam Bolle nach dem dritten Bier auf die Idee, beides in so einer Art alliterativen Metaphern-Melange zu verquirlen und den ›Wurm im Ventilator‹ draus zu machen. Damit wäre das also auch geklärt.

Man stelle sich vor, man wäre ein Klempner – oder man sähe einem Klempner auch nur bei der Arbeit zu. Man muß nämlich selber nicht unbedingt Handwerker sein, um erkennen zu können, ob einer seinen Job ordentlich macht – oder ob er die nötigen Bedingungen dafür setzt, daß einem bald die Scheiße um die sprichwörtlichen Ohren fliegen wird.

Bolle hatte mal ein einschlägiges Erlebnis. Das ist zwar schon in etwa hundert Jahre her – aber jene Begebenheiten damals – rein zufällig just im Wonnemonat Mai – sollten ihm unvergeßlich im Gedächtnis bleiben. Die Therme war im Eimer. Heißes Wasser? Dusche? Wannenbad? Alles Fehlanzeige. Heizung? Braucht zum Glück kein Mensch im Mai. Allein, der Hausmeister wußte Rat. Er kam mit einem seiner Kumpels vorbeigeschneit. Der Kumpel meinte genau zu wissen, was in etwa zu tun sei. Und so werkelte er an der Therme hin, und so werkelte er her. Hin und her. Trial and error. Bolle fand sich derweil assistierenderweise mit einer Baby-Badewanne in luftiger Höhe auf einer Leiter wieder, um weisungsgemäß die Wasserrohre gefühlt hektoliterweise zu entlüften – derweil der Kumpel an der Therme fröhlich weiter am Werkeln war. So ging das mindestens zwei Stunden. Nur gut, daß Bolle seinerzeit nicht von der Leiter geflogen ist mitsamt seiner dreiviertels gefüllten Baby-Badewanne. Irgendwann jedenfalls wurde dem Hausmeister – und selbst dem Kumpel – dann doch irgendwie helle, daß das alles so nicht funktionieren kann und wird. Und so wurde – damals ging das noch binnen weniger Tage – ein echter Könner einbestellt. Könner statt Kumpel. Verkleidung von der Therme ab, ein paar Läppchen ausgebreitet, um die Anrichte nicht zu beschmutzen, Meßgeräte raus, Check hier, Check dort. Es war eine Freude zuzusehen. Nach etwa einem Viertelstündchen verkündete der Meister sein Verdikt: „Systemelement XY is ausjefallen und muß ausjetauscht werden. Ick hab noch eens im Wagen.“ Sprach’s, ging runter auf die Straße, kam mit dem Teil zurück, tauschte es mit wenigen gekonnten Handgriffen aus – und die Therme war wieder wie neu. Ohne Akrobatik auf der Leiter, ohne Baby-Badewanne, ohne jeden Blödsinn. — Bolle war entzückt. Einem Meister bei der Arbeit zuzusehen hat etwas geradezu Erhebendes. Allerdings sollte man dabei tunlichst andächtig schweigen. Gequatsche nämlich mögen Meister bei der Arbeit gar nicht. Zum Glück war Bolle das damals schon klar.

Von hier aus aber ist es nur ein Katzensprung zum Straßenkehrer-Theorem (vgl. dazu etwa So 16-11-25 Disruptive dolle Dinger). Im Kern geht es dabei um die Sichtbarkeit der Unfähigkeit: Je einfacher eine Verrichtung, desto leichter läßt sich erschließen, ob einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) seinen Job kann oder ob er nicht möglicherweise drauf und dran ist, die sprichwörtliche Kacke demnächst zum Dampfen zu bringen. Bei komplizierteren Verrichtungen merkt man das naturgemäß erst sehr viel später – falls überhaupt. Und dann ist es womöglich zu spät.

Und weil das so ist, braucht man – zumindest hierzulande ist das so – für alles und jedes eine einschlägige Ausbildung. Nichts soll man tun dürfen, wenn man‘s nicht gelernt hat – und zwar rein gar nichts. Auf diese Weise will man Sorge tragen, daß kein Hülsenfrüchtchen furioserweise überschnappen möge. Besser isset wohl – zumindest im Ansatz.

Allein – es gibt ein paar gewichtige Ausnahmen: Kinder großziehen zum Beispiel darf jeder Depp – ohne auch nur einen Hauch von Ahnung, Einsicht, Lebenserfahrung oder sonstwas zu haben. Geschäfte führen darf ebenfalls jeder – der Markt wird’s hoffentlich schon richten. Und – nicht ganz unwichtig und nicht ganz zuletzt– ein Land regieren darf natürlich auch jeder. Ob der das kann, sehen wir dann. Die Geschichte wird’s ganz sicher richten. Post festum nämlich, nach der Party, ist es naturgemäß zu spät. Dann hat das Volk halt Pech gehabt! Sagen wir so: es ist zum Mäusemelken.

Kurzum: Bolle hat das sehr, sehr ungute Gefühl, daß es sich bei einem großen Teil des gegenwärtigen hochgespülten ›Wir-schaffen-das‹-Polit-Personals um Leute handeln könnte, die man unter normalen Umständen – und um im Bilde zu bleiben – nicht einmal damit betrauen wollte, auch nur den Hof zu fegen. Aber regieren? Kann ja wohl jeder, wenn er sich nur erfolgreich durch den Parteien-Proporz durchgewuselt hat. Könnte man meinen. Könnte man aber auch betrüblich finden. Aber vielleicht sieht Bolle das alles ja auch einfach nur viel zu streng. Indes: Lasziv-leistungslose Arroganz war noch nie so recht nach seinem Geschmack. Da nützt es auch nichts, das eigene Unvermögen mit imposanter Geste verbal gehörig aufzuhübschen beziehungsweise gar aufzubauschen – ganz nach dem Motto: Labern makes the world go round (Bolle featuring Liza Minnelli 1972). Tut es nicht! Und falls doch, dann nur höchst vorübergehend. Oder, featuring Buddha: Leben heißt labern. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 08-02-26 Könner versus Kasper (KvK)

Mein Gott – schon wieder Mathe …

Nichts läuft mehr richtig rund im Lande. Überall ist der sprichwörtliche Wurm drin. Zumindest  k ö n n t e  man das so sehen. In Bolles Kreisen spricht man hier auch keck von ›multiplem Systemversagen‹. Wenn aber etwas nicht so läuft, wie es soll, dann nennt man das nach alter Väter Sitte (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) ein Problem. Dabei wollen wir unter ›Problem‹ nichts weiter verstehen als eine ›Soll/Ist-Diskrepanz mit momentaner Transformationsbarriere‹ (Bolle featuring Dietrich Dörner 1979) – wobei ›Transformationsbarriere‹ lediglich meint, daß nicht wirklich klar ist, wie man von einem unerwünschten Ist-Zustand in einen angestrebten Soll-Zustand kommen soll. Daran ändert sich übrigens auch dann nichts, wenn man das Problem  – ebenso großspurig wie verhüllend, aber bitteschön – „Herausforderung“ heißt.

Wir hatten diesen Punkt vor knapp einem Jahr schon einmal aufgegriffen (vgl. So 16-03-25 Pferd verkehrt und Ritterehre oder Der super-duper Masterplan) und uns damals naheliegenderweise an Bolles Problemlösungszirkel (kurz ›PLZ‹) orientiert – einem Standardprocedere, das stets zur Lösung eines gegebenen Problems führt, oder aber zum Abbruch der Bestrebungen. Probleme nämlich, die man nicht lösen kann, sollte man tunlichst irgendwie loswerden. Komplizierter ist das alles nicht.

Der Problemlösungszirkel oder De arte solvendi.

Dumm nur, wenn man nicht weiß, wo man steht – und es womöglich auch lieber gar nicht so genau wissen will (Ist-Analyse), und (oder oder) einem auch gar nicht so recht klar ist, wo man eigentlich hinwill (Ziel-Definition) – von mehr Wohlstand, Freiheit, Demokratie beziehungsweise auch mehr Friede, Freude, Eierkuchen und dergleichen einmal abgesehen, of course. In Bolles Kreisen spricht man hier übrigens von ›nicht-wohldefinierten Zielen‹. Kein Wunder, daß Bolle dabei schon mal leicht unwohl werden kann.

Nun – in dieser Lage kann man als heillos überfordertes Hülsenfrüchtchen dann schon mal leicht auf die Idee verfallen, daß es doch zumindest nicht schaden könne, erst mal ganz viele Phantastilliarden ins System zu pumpen. Dann nämlich müsse es doch richtig rucken. Wäre ja gelacht! Bolle meinte damals schon: Denkste – muß es keineswegs! Und das hat es nach allem auch nicht – wie wir heute ziemlich sicher sagen können. Zwar sind die Phantastilliarden nicht wirklich weg. Sie sind nur anderswo – etwa auf den Forderungskonten sehr viel klügerer Paragonisten. Jedenfalls sind sie mitnichten da, wo sie ihre Wirkung entfalten sollten. Wie auch – bei  d e m  Plan? Und so wollen wir es Bolle auch nicht allzusehr verübeln, wenn er sich an dieser Stelle einmal mehr veranlaßt sieht, seine schönste Siehste!-Miene aufzusetzen – zumal er sich dabei ja stets stringent dezent zu halten pflegt.

Aber nehmen wir mal an – ebenso spaßeshalber wie kontrafaktisch –, soweit sei alles klar: Es existiere eine solide Ist-Analyse und auch ein wohldefiniertes Ziel. Da kann immer noch einiges dazwischenkommen auf dem Weg von Ist nach Soll. Bolle nennt es das KvK-Phänomen – wobei KvK für ›Könner versus Kasper‹ stehen soll. Dabei seien ›Könner‹ Leute, die wissen, was sie tun, und ›Kasper‹ – wie wir sie zärtlich nennen wollen – ganz entsprechend und tout au contraire Leute, die genau das eben  n i c h t  wissen.

Unsere Graphik zeigt den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Ressourcen und der sich daraus ergebenden Performance. Dabei wollen wir unter ›Ressourcen‹ (oder schlicht ›Mitteln‹) das verstehen, was man von außen in Anspruch nehmen muß. ›Performance‹ stehe ganz allgemein für ›irgendwas gebacken kriegen‹. Das geht schon im Kleinsten los: Stellen wir uns zum Beispiel vor, wir wollten ein Regal anbringen. Ganz ohne Werkzeug (R = 0) wird das schwierig. Da wäre auch der pfiffigste Handwerker hilflos. Mit einer minimalen Ausrüstung aber (Rmini)  – also Hammer, Bohrer, Schraubenzieher – läßt sich das Problem immerhin anpacken und auch leidlich zufriedenstellend lösen (A1). Mit Bohrmaschine und Akkuschrauber geht‘s dann noch viel geschmeidiger (A2 und A3) –  w e n n  man denn damit umgehen kann. Aber irgendwann – und zwar recht schnell schon – macht weiterer Mitteleinsatz keinen Sinn mehr: Der Könner hat alles, was er braucht, damit das Werk gelinge.

Anders verhält es sich mit der Kasperkurve. Ein minimaler Einsatz von Ressourcen (Rmini) führt hier zu wenig befriedigender Performance (vgl. A1 zu B1) – sei es, daß das Werk gar nicht gelingen will, sei es, daß es viel zu lange dauert. Eine Erhöhung des Mitteleinsatzes führt absehbar zu etwas besseren Ergebnissen – bleibt aber regelmäßig weit hinter der Könnerperformance zurück.

Fassen wir zusammen: Könner vermögen mit geringsten Mitteln Erstaunliches zu leisten. Kasper dagegen kriegen selbst mit erheblichen Mitteln nur wenig zustande. Aber sagt mal einem Kasper, daß er nun mal kein Könner sei. Er wird Euch hassen und bekämpfen! Besser werden seine Leistungen dadurch allerdings  n i c h t . Da ist Regel #2 unseres Yoga-Tripletts vor (vgl. dazu So 01-02-26 Yoga für Agnostiker): Wirkung braucht nun mal Zeit. Und was Hänschen nicht gelernt hat, das lernt der Hans halt nimmermehr.

Genau das scheint Bolle übrigens auch der Grund zu sein, warum Nichts- beziehungsweise Wenigkönner – Kasper eben – dazu neigen, sich erstens immer gleich beleidigt zu fühlen, und zweitens, stets nach mehr und immer noch mehr Mitteln zu schreien. Kann man ja auch verstehen: Wer wollte schon gerne sein eigenes unabänderliches Nichts-Können beklagen, wenn er doch alles auf seine relative Mittellosigkeit schieben kann (vornehm: attribuieren)? Also müssen immer mehr Phantastilliarden her. Damit werde endlich alles gut.

Hier noch ein Fun-Fact am Rande: Die Kasperkurve konvergiert gegen die gestrichelte Linie. Das bedeutet, daß die Kasper dieser Welt mit einem (im mathematischen Sinne) buchstäblich unendlichen Mitteleinsatz gerade mal so viel gebacken kriegen wie ein Könner mit minimalen Mitteln (Rmini). Bolle meint, dann wäre das ja auch geklärt. Schaut Euch um auf dieser Welt. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 04-01-26 Wenn der Sekt nicht länger schreckt

Wenn der Sekt nicht länger schreckt …

Manchmal – nicht allzu oft, aber doch immer mal wieder – kommt Bolle sich vor wie ein Idiot. An und für sich ist das ja nicht weiter bedenklich, weil nur wirkliche Idioten sich niemals als solche fühlen. Aber gleichwohl: Was auf unserem Bildchen so unscheinbar aussieht – das eingekringelte Gläschen Sekt nämlich – hat eine längere Vorgeschichte. Zwar ist die Geschichte an sich nicht allzu lang – allein sie ist schon lange her.

Damals war Bolle in seinem Homeoffice – wie man das heute pseudoanglizistisch nennen würde – jeglicher Büromöbel abhold. Sowas kam ihm mitnichten ins Haus. Und so begab es sich, daß Bolles nigelnagelneuer Laptop (derlei gab es damals schon, wenn auch noch nicht weitverbreitet) auf Teppichhöhe residierte – und ein Gläschen Sekt in unmittelbarer Nachbarschaft.

Es kam, wie es kommen mußte: Schwupps, ein flotter Schwung aus dem Handgelenk – und das wohlgefüllte Gläschen Sekt befand sich stante pede in der Horizontalen. Zwar hatte das Glas an sich den Positionswechsel bestens überstanden – allein der Sekt wollte mit des Rechners Innenleben nicht wirklich harmonieren. Futschikado! Rien n‘allait plus! Und so war unvermittelt Schluß mit Homeoffice in jener Nacht. Genügend Sekt war aber noch da. Ein Glück! Auch wollte der Computerhändler den Laptop umgehend und kostenfrei durch einen neuen ersetzen. Schließlich – doch das nur am Rande – war die Firma, für die Bolle seinerzeit als Chefeinkäufer tätig war, ein Premium-Kunde. Bis auf 100 ml vergossenen Sektes war also nichts passiert.

Gleichwohl fühlte Bolle sich veranlaßt, den Vorfall zu evaluieren: (1) Sekt schmeckt – das sowieso. (2) Sekt schreckt – zumindest, was sensible Maschinchen angeht. Als unmittelbare praktische Konsequenz gab es seitdem bei Bolle Sekt nur noch aus Senfgläsern – natürlich sehr formschönen Senfgläsern, of course. Zwar waren die nicht ganz so dünnwandig, und auch nicht so edel – dafür aber waren sie ausgesprochen standfest. Bolle hatte damals eigens eine mittlere Menge Senf minderer Güte gekauft und in den Abfluß gespült – nur um die Gläser zu haben. Und so war es bis vor wenigen Tagen geblieben.

Die Senf-Sektgläser hat Bolle übrigens heute noch ohne jeden wie auch immer gearteten Abgang. Bei entsprechend pfleglicher Behandlung (keine Spülmaschine, stets einigermaßen aufgeräumte Küche, etc. pp.) haben sie sich als quasi unkaputtbar erwiesen. Die Sektflöten von damals – also die, die Bolle wirklich mag (vgl. dazu Do 04-12-25 Das vierte Türchen: Tempi passati) haben sich umständehalber neulich auch wieder eingefunden. Warum also nicht das Funktionale mit dem Ästhetischen verbinden? Und so kommt es, daß Bolle sich für seinen Sekt eigens einen Logenplatz ausgedacht hat – in Armeslänge zum Küchenstuhl (der Bolle als Arbeitsplatz dient) und trotzdem technisch himmelweit entfernt von sämtlichen sensiblen Gerätschaften. Da sollte eigentlich nichts mehr passieren dürfen.

Allein Bolle wäre nicht Bolle, wenn er der Sache nicht mathematisch auf den Grund gegangen wäre: Und so kam es denn heraus, daß bei den Sektflöten ein Neigungswinkel von gerade mal 15° (gerechnet in üblichen Altgrad mit 360° als Vollwinkel) ausreicht – und das Glas liegt auf der Nas‘. Und das bei einem Schwerpunkt, der sich in so luftigen Gefilden wie zwei Dritteln der Glaseshöhe – zumindest aber der Füllstandshöhe – befindet. Zum Winkel stelle man sich ein Tortenstück vor, das nach alter Väter Sitte (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) ein Zwölftel einer Torte ausmacht, und das dann noch einmal halbiert. 15° sind also wirklich nicht viel – und so ist es gar nicht schwör mit dem Malheur. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Sa 13-12-25 Das dreizehnte Türchen: Abendrot im Rauchverbot

Abendrot im Rauchverbot.

Manche warten auf die Post. Andere auf die Bahn. Der wesentliche Unterschied scheint Bolle darin zu bestehen, daß man auf die Post immerhin in der warmen Stube, hinter dem Ofen gewissermaßen, warten kann. Auf Züge dagegen wartet man in aller Regel auf zugigen Bahnsteigen.

Allein auch das kann recht romantisch sein: Dann nämlich, wenn es Sommer ist, der Bahnsteig überhaupt nicht zugig – und die Fügung einem eine regelrechte Sonnenuntergangsidylle direkt vor die Kamera spielt. Für unser heutiges Bildchen mußte sich Bolle seinerzeit nicht einmal bücken – im übertragenen Sinne. Tatsächlich mußte er nicht einmal auf der Bank am Bahnsteig hin oder her rutschen oder sonstige Anstalten machen, die Szene einzufangen. Sitzen und knipsen – das war’s. Das sind Momente, in denen Bolle – aller ausgeprägten Agnostik zum Trotze – doch dazu zu glauben neigt, daß es ein Universum gibt. Um ein Zigarettchen zu rauchen, hätte er sich, zumindest wenn es nach der Bahn geht, dagegen allen Ernstes in eine der einschlägig eingekästelten „Bereiche“ begeben müssen. Schon ist die Skepsis wieder da.

Bei der Bahn gibt es ja die Regel, die besagt, daß ein Zug dann und nur dann als verspätet gilt, wenn er sechs Minuten (genauer: 5‘59‘‘) oder mehr hinter dem Fahrplan herhinkt. Als ob es der Bahn ansonsten jemals auf ein Sekündchen ankäme. So oder so – Bolle hält das für ein recht kurioses Konzept von Pünktlichkeit.

Übrigens wäre nach dieser Definition auch das eingefangene Sonnenlicht verspätet gewesen – und zwar um gut acht Minuten sogar. Und das bei völlig freier Strecke zwischen Sonne und Erde – und praktisch ohne jede Masse im Wege, die die schnurgerade Bahn des Lichtes würde übergebührlich zu krümmen vermögen.

Selbst wenn wir Bolles Theorem – Das Universum existiert – würden folgen wollen: Einfach ist das alles nicht – nicht in diesem Universum. So ist Bolle angelegentlich im Netz über einen Nutzer gestolpert, der von einer KI wissen wollte, wieviel Jahre denn ein Lichtjahr sei? – und dem völlig zutreffend zur Antwort ward, daß ein Lichtjahr irritierenderweise leider keine Zeiteinheit sei. Bolle meint, jetzt fehlte nur noch, daß so einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) Ingenieur wird und bei der Bahn für die Fahrpläne verantwortlich zeichnet. So leicht und lässig nämlich könnten sich letzte Fragen lösen, wenn man nur genauer hinguckt. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 14-09-25 Wenn’s doch der Wahrheitsfindung dient

Wittgenstein und Wichtelein …

Leute brauchen Orientierung. Das bedeutet nicht zuletzt zu wissen, was wahr ist und was nicht. Dabei wird – zumindest Bolle scheint das so zu sein – das Wissen um die Wahrheit nach einem mehr oder weniger gründlichen Modellierungsprozeß anhand aller jemals gewonnenen Eindrücke (Welt II) als Weltbild (mappa mundi) abgelegt (Welt III) und ist fürderhin handlungsleitend. Wobei bereits die Einsicht, daß das Weltbild nur ein Bild ist und mitnichten die Welt an sich (Welt I), offenbar nur fortgeschritteneren Gemütern – Agnostikern etwa – vorbehalten ist.

Welt im Bild …

Alle anderen verbringen ihr halbes, wenn nicht gar ihr ganzes Leben damit, andere von ihrem Wirklichkeitsmodell zu überzeugen – notfalls auch mit Gewalt: „Und willst Du nicht mein Bruder sein, so schlag‘ ich Dir den Schädel ein.“ (Bernhard von Bülow 1903 in einer Reichstagsrede).

Wer meint, Recht zu haben, sucht sich zuvörderst „Fakten“ – so will es der Zeitgeist. Je mehr Fakten, desto Recht – wie manche ja zu meinen scheinen. Zwar sind ›Fakten‹ kaum mehr als ›Wahrheit aus der Froschperspektive‹ oder, wie Don Quixote de la Mancha (1605/1615) es seinerzeit gefaßt hat: „Tatsachen, mein lieber Sancho, sind die Feinde der Wahrheit.“

Wer‘s noch etwas dicker mag, der stützt sich gern auf Studien – als so einer Art Fakten-Bazooka:  „Seht her, hier steht’s. Die Studie hat ergeben.“ Zweifel ausgeschlossen. Bolle meint nur: Amen! Dann wird es wohl so sein.

Neulich hat eine Tageszeitung, die sich selbst für ein Qualitätsmedium hält, getitelt, daß sich „Füße hoch“ doch nicht lohne, da das Einkommen selbst bei Mindestlohn deutlich höher sei als bei Bürgergeldbezug. In der Kellerzeile (Bolles Gegenstück zur Dachzeile) hieß es ausführend, dies habe eine „neue deutschlandweite Studie“ ergeben. Arbeiten sei also „immer attraktiver“ – man habe schließlich „bis zu 662 Euro“ mehr.

Da hegt und pflegt jemand (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) in seiner Welt III die Ansicht, daß sich Arbeiten für ihn nicht lohne, etwa weil es bei seiner bescheidenen Ausbildung und einer entsprechend kläglichen Einkommenserwartung unter den gegebenen Umständen einfach keinen Sinn mache. Doch halt: nun kommt die Studie und verkündet, daß es, tout au contraire, für ihn (!) eben doch Sinn mache. Wer hat Recht? Die Antwort ist müßig, of course.

Ob es „attraktiver“ ist, bis zu 662 Euro mehr im Monat zu haben, entscheidet allein der potentielle Arbeitnehmer – und nicht etwa die Autoren einer Studie. In Bolles Kreisen nennt man das Konsum/Freizeit-Präferenz: Der Arbeitnehmer – und nur der – entscheidet, wieviel seiner Lebenszeit ihm zusätzliche Konsummöglichkeiten wert sind.

Im übrigen bedeuten 662 Euro mehr – man beachte hier vor allem auch den Fleiß und die Gründlichkeit der Autoren: alles präzise auf den Euro genau durchstudiert – gerade mal 22 Euro pro Kalendertag. Die aber ließen sich – so könnte man das durchaus sehen – bei sorgfältiger, umsichtiger und methodischer Haushaltsführung (in Bolles Kreisen heißt das ›SUM‹) leicht und locker wieder einspielen – etwa, indem man selber kocht, selber backt, und überhaupt so manches selber macht.

Von all dem aber schweigt der Studie Bräsigkeit. Allein das ist höchst charakteristisch für Studien aller Art. Sie belichten und beleuchten irgendeinen isolierten Teilaspekt des Daseins und geben das dann als die wirkliche Wahrheit aus. Bolle meint nur: Pustekuchen! Augen auf beim Weltbild-Basteln. Mit Fakten fressen und Studien schlucken jedenfalls ist es wirklich nicht getan.

Übrigens: Von Kümmern um Kinder und so – Marx hat das seinerzeit ›Reproduktion‹ genannt – war hier überhaupt noch gar nicht die Rede. Wenn etwa Mutti (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) sich auf Arbeit vergleichsweise sinnlos und schlechtbezahlt plagt,  derweil die lieben kleinen Schlüsselkinder mangels Zuwendung und unter tüchtiger Beihilfe von so manchem TV-Format zuhause systematisch verblöden, dann ist das sicher auch nicht ganz im Sinne des Erfinders. Auch hierzu weiß die Studie nichts zu sagen. Kurzum: Es ist offenbar gar nicht so einfach, auch nur einen Zipfel der Wahrheit zu erhaschen – schon gar nicht, wenn es um Wahrheit für andere geht. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 06-07-25 Kranksein – unser Preis fürs Dasein?

Medicus curat, natura sanat – Der Arzt kuriert nur, es heilt die Natur.

Ach herrje! Üblicherweise hat Bolle mit neugeborenen Babys ja nicht allzu viel zu tun. Manchmal aber eben doch – zumindest auf Entfernung. Und, wie das Leben so spielt, hat es unser heutiges Schildchen kürzlich erst aus den unendlichen Weiten des Netzes auf Bolles Festplatte verschlagen. Ein unmittelbarer Zusammenhang besteht dabei allerdings nicht – jedenfalls nicht daß Bolle wüßte.

Auch hat Bolle keine Ahnung, ob das alles wirklich wahr ist – oder ob wir es hier nicht eher mit dramaturgischer Verdichtung oder gar mit dramatischer Zuspitzung zu tun haben. Immerhin ist es ein hübsches Beispiel dafür, daß es im Spannungsfeld zwischen ›wahr sein‹ und ›für wahr halten‹ immer genau vier dichotome Möglichkeiten gibt – beziehungsweise neun, wenn man einen Agnostiker fragt (siehe Tafel).

WiWa – Wirklich wahr …?

Die Menge an Impfungen, die so ein Würmchen heutzutage über sich ergehenlassen soll, noch ehe es auch nur das zweite Lebensjahr vollendet hat, ist wirklich beachtlich und lappt locker ins Zweistellige. In Bolles Kindertagen war das anders. So viel kann als sicher gelten.

Nehmen wir an, an der Darstellung sei was dran (pos). Warum dann die Impforgien? Die naheliegende Antwort: Die Mütter (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) glauben es einfach nicht (false). In diesem Falle wären sie laut Tafel schlicht und ergreifend Verblödungsopfer (B1: false/pos). Allein das wird dem Baby wenig nützen. Dann muß es halt mit Allergien und Ekzemen leben, mit Steroiden und Ritalin.

Daß da was dran ist, dafür spricht die wohl kaum zu leugnende Beobachtung, daß Leute früher deutlich weniger mit Allergien zu tun hatten und auch weniger mit Ritalin. Wir hatten uns neulich erst gefragt (vgl. So 01-06-25: Rauchen wie Gott in Frankreich), wie es denn sein kann, daß ›Sex & Drugs & Rock ’n’ Roll‹ binnen weniger als vierzig Jahren zu ›Veganismus, Laktose-Intoleranz und Helene Fischer‹ verkümmern konnten – und dabei mitnichten was gegen Helene Fischer gesagt haben wollten, of course.

Was haben die Leute denn früher gemacht? Easy – wenn die Lebenskräfte so schwach waren, daß sie nicht mal mehr gegen regelmäßig noch viel schwächere Bazillen (im allerweitesten Sinne) bestehen konnten, dann sind sie halt von hinnen geschieden – ganz nach dem sehr genialen langjährigen (1996–2008) Werbeslogan eines bekannten Bollchen-Herstellers: Sind sie zu stark, bist du zu schwach. Exitus also – aus die Maus.

Natürlich will das niemand, weder für sich noch für die lieben Kleinen – das sieht Bolle ein. Selbst ein so gottesfürchtiger Mann wie Martin Luther (1483–1546) konnte es nur schwer verwinden, daß der Herr in seinem unerforschlichen Ratschlusse gleich zwei seiner drei geliebten Töchter frühzeitig zu sich gerufen hatte. Vermutlich hätte auch er – von wegen ›Das liegt in Gottes Hand‹ – zum Penicillin gegriffen, wenn es das damals schon gegeben hätte.

Allein – was folgt daraus? Solange die ärztliche Kunst noch nicht so weit ist, daß sie wirklich heilen kann (statt nur zu kurieren) – und das kann und wird noch lange dauern –, solange wird es unabwendbar sein, daß ebendiese Kunst dafür sorgt, daß sich die Volksgesundheit zum Schlechteren entwickelt: Wer nicht stirbt, bleibt, sofern er nicht von selbst gesundet, dank medizinischer Hilfe krank – und drückt damit den Schnitt. Wer dagegen ablebt, fällt aus der Statistik raus – und hebt damit den Schnitt. Durchaus bitter, letztlich aber doch wohl wahr. Genau so hat das übrigens Walter Krämer, ein Statistik-Prof an der TU Dortmund, in einem Dreiteiler ›Fortschrittsfalle Medizin‹ im Spiegel 1989 einmal sehr umfassend dargelegt. Der Spiegel selbst hatte sich seinerzeit von seinem eigenen Gastbeitrag vorsichtshalber vorsichtig distanziert – was ja auch nicht alle Tage vorkommt.

Von der Wiege bis zur Bahre: Wir stecken überwiegend ziemlich fest im Medizinbetrieb – um nicht zu sagen: im Getriebe. Und solange sich die Heilkunst in weiten Teilen mit gewissermaßen „heillosem Kurieren“ bescheiden muß, wird sich daran auch nichts ändern. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 13-04-25 Die sklerotische Gesellschaft

Manchmal rauf und manchmal runter …

Zugegeben: so was ähnliches hatten wir schon mal (vgl. dazu So 11-08-24 Börsen-Crashli). Laut Bolles Börsenbarometer geht es nun mal

Manchmal rauf und manchmal runter
Manchmal über, manchmal unter,
Manchmal kunter, manchmal bunter.

Das sind die nackten Fakten, die vertrackten. Doch genug der Lyrik. Dinge ändern und verändern sich. Nichts könnte normaler sein. Da sitzt ein neuer Präsident im Weißen Haus – oh Gott, oh Gott, oh Graus. Und wir sind, als Gesellschaft, gar nicht darauf vorbereitet. Weia! Bolle fragt sich, was zum Teufel gibt es da denn vorzubereiten? Sollte es nicht für jeden professionellen Politikus simpelster Standard sein, auf Begebenheiten in der Welt, sei es innen, sei es außen, routiniert und mit gebotener Lässigkeit zu reagieren – ohne immer gleich hysterisch zu hyperventilieren? Und der Journalismus 2.0? Immer stramm und an vorderster Front mit dabei. Vermutlich bedingt das eine das andere. Fachkräftemangel allerorten. Oder, in Bolles Luhmann-Fassung (vgl. dazu Mo 12-12-22 Das zwölfte Türchen …).

Das System erzeugt die Elemente,
aus denen es besteht,
mittels der Elemente,
aus denen es besteht.

Auf längere Sicht kann das natürlich nicht gutgehen, of course. Das wird unmittelbar klar, wenn wir für ›Elemente‹ spaßeshalber ›Deppen‹ einsetzen – wobei, no offence, mit Deppen lediglich ein Synonym für ›Dumme‹ gemeint sein soll, also Leute mit offenkundiger kognitiver Kurzsichtigkeit.

Kann, oder sollte man solchen Leuten einen Vorwurf machen? Nichts sei Bolle ferner. Allenfalls könnte man sich fragen, warum in drei Teufels Namen solche Leute meinen, sich ausgerechnet in Politik und Presse tummeln und das Volk mit ihrer Kurzsichtigkeit infizieren zu müssen? In einsichtigeren Momenten ist Bolle die Antwort natürlich klar: Nirgendwo sonst lassen sich mit so wenig Talenten so viele Talente verdienen – um es mal mit einem Wortspiel aus ›Asterix und Kleopatra‹ (1963) auszudrücken.

Zu unserem Beispiel oben heißt es – einmal komplett durch den Blätterwald – mit seinem Zollpaket habe der amerikanische Präsident die Börsen weltweit auf Talfahrt geschickt und damit auch Vermögen von Privatanlegern in Milliardenhöhe quasi über Nacht ausradiert. Pöser, pöser Präsident!

Zu einer solchen Einschätzung kann man natürlich nur kommen, wenn man Donald Trump ohnehin voll übel findet und dringend Fakten sucht und findet oder wenn sich zu der kognitiven Kurzsichtigkeit eine chart-technische Ebensolche hinzugesellt. Blickt man nur ein ganz klein wenig über den sprichwörtlichen Tellerrand, dann wird unmittelbar klar, daß sich der DAX auf exakt dem gleichen Niveau befindet wie um Weihnachten herum (vgl. den gestrichelten Doppelpfeil) und gleichzeitig (von der Dezember-Blase einmal abgesehen) auf dem höchsten Niveau des gesamten letzten Jahres.

Ähnliche hysterische Hyperventilationsphänomene lassen sich mit Leichtigkeit beim Umgang mit Corönchen, beim Ukraine-Krieg und, sicherlich nicht ganz zuletzt, bei der „Erderhitzung“ ausmachen. Bolle sieht den tieferliegenden Grund ja in einem reichlich kaputten Weltbild der Protagonisten (mappa mundi vitiosa beziehungsweise, in Härtefällen, mappa mundi friata). So kann das natürlich nichts werden, of course – vergleiche Goethes Knopflochtheorem. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 23-03-25 Konfuzius reloaded

Total klar, das.

Manchmal, meint Bolle, kann es wirklich nicht schaden, auf die alten Meister zurückzugreifen. Etwa auf Kong Fu Tse – den ehrwürdigen Meister Kong. Meister Kong hatte seine Zeitgenossen mit seiner Antwort auf die Frage, was denn das Wichtigste sei, um den Staat in Ordnung zu bringen,  seinerzeit schon – gelinde gesagt – irritiert.

Statt also – wie so manche Weltverbesserer der Gegenwart – zu sagen, wir bräuchten mehr Wachstum (oder mehr Klimaschutz oder mehr Kriegstüchtigkeit oder weniger Spaltung der Gesellschaft – oder mehr oder weniger was auch immer), schien ihm etwas so abstraktes wie klare Begriffe das wichtigste. Und davon auch nicht etwa „mehr“ – sondern überhaupt.

Wie? Das soll’s gewesen sein? Klare Begriffe – und alles wird gut? Natürlich nicht. Allein das hat Kong Fu Tse auch gar nicht gesagt. Ganz im Gegenteil. Gesagt hat er, daß ohne klare Begriffe alles immer schlimmer wird. Schaut man sich um auf der Welt, könnte man glatt geneigt sein, dem zuzustimmen.

Aus Bolles Sicht war der Durchmarsch des Gender-Gaga einer der ersten und dabei „nachhaltigsten“ Verstöße wider den Geist. Und – Bolle lieebt Selbstbezüglichkeiten – da geht es auch schon los. Definiere Nachhaltigkeit: ›Nachhaltig‹ ist etwas, das auf Dauer funktioniert. Komplizierter ist es an dieser Stelle eigentlich nicht. Auch dann nicht, wenn der Begriff mittlerweile dermaßen inflationär verwendet wird, daß einem regelrecht schwummrig werden kann. Übergeblieben ist ein leeres Loch, in das ein jeder (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) einfüllen kann, was immer ihm beliebt. Mit Klarheit im weitesten Sinne hat das nichts mehr zu tun. Im Gegenteil: Die Sprache – und damit das Denken und damit das Handeln – wird, falls Kong Fu Tse Recht haben sollte, einfach nur komplizierter. Die Klarheit bleibt dabei glatt auf der Strecke.

Bolle kann sich noch gut an den Moment erinnern, als ihm das heute übliche Wort ›Entwicklungszusammenarbeit‹ das erste mal zu Ohren kam. Was das? Es handelt sich hierbei, im besten konfuzianischen Sinne, um Entwicklungs-Hilfe. Zusammenarbeit gibt es nur unter Gleichen. Auch hat das nichts mit „Augenhöhe“ zu tun – noch so ein modischer Dussel-Denk-Begriff.

Und warum das Ganze? Die übliche Begründung lautet meist, man dürfe nicht auf den Gefühlen der Unterprivilegierten beziehungsweise der Schwächeren beziehungsweise der Minderheiten beziehungsweise der was auch immer herumtrampeln. Ein hehres Ziel – das sieht Bolle ein. Aber hat es auch was mit Klarheit zu tun? Natürlich nicht.

Wir wollen hier und heute nicht allzuweit ausholen. Nur so viel: Als Bolle noch Tertianer war, gab es direkt neben dem Pausenhof einen Kiosk – und an dem Kiosk gab es Mohrenköpfe. In der großen Pause konnte man sich, ohne zu hetzen, zu dem Kiosk begeben, für 50 Pfennige eine Tüte mit fünf Mohrenköpfen erstehen und selbige bei einem Rundgang um das Schulgebäude genüßlich verzehren. Pausenbrot nach Pennälerart. Daß Bolles Pausenbrot irgend etwas – und sei es auch nur im allerweitesten Sinne – mit der Diskriminierung von Mohren zu tun haben könnte, wäre Bolle nie in den Sinn gekommen. Allen anderen ebensowenig. Die hießen einfach so. Klare Sache, klarer Begriff.

Bolle plädiert an dieser Stelle ja für das gewohnheitsrechtlich gut bewährte Rechtsinstitut ›Alte Rechte‹. Wenn etwas seit Jahrhunderten so oder so genannt wurde, dann ist es durchaus und zumindest eine Frage wert, warum ein und dieselbe Sache plötzlich unter neuem Begriff firmieren soll. Um die Gefühle der Mohren nicht zu verletzen? Bolle findet das alles sehr, sehr windig. Könnte man von den Mohren nicht ein gewisses Maß an Eigenleistung erwarten? Namentlich also deutlich mehr Souveränität im Umgang mit Mohrenköpfen? Schließlich hat Bolle ja auch rein gar nichts dagegen, wenn ihn ein Chinese als Langnase bezeichnet, ein Schwarzer als Weißbrot oder etwa ein Türke als Kartoffel. Na und? Volkswitz, eben. Wenn aber das Volk klarer tickt als seine selbstempfundenen Eliten, dann sind der konfuzianischen Konfusion Tor und Tür geöffnet. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.