Mi 15-12-21 Das fünfzehnte Türchen …

Recht so!

Wie sich die Bilder gleichen! Bolle ist immer wieder entzückt. Offenbar war das vor 100 Jahren nicht anders als heute. Was sich geändert hat: Heute müßte man die Zeilen ein wenig umschreiben – etwa wie folgt:

„Seine oder ihre Meinung ist die rechte,
wenn er oder sie spricht, müßt ihr verstummen,
sonst erklärt er oder sie euch für Schlechte […]“

Das trübt zwar etwas den ästhetischen Gesamteindruck – aber bitteschön …  Selbst Bolles High-End-Formel zu Gender Dynamics kann hier nicht mehr viel raushauen:

„Seine (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) Meinung ist die rechte, […]“

Immerhin dürfen sich hier die Non-Binären mitgemeint fühlen. Das allerdings ist kein ästhetisches Kriterium im engeren Sinne.

Bolle findet es ja immer wieder höchst erfrischend, wenn jemand ganz genau weiß, was richtig ist und was falsch, wo vorne ist und wo hinten (vgl. dazu auch Di 07-12-21 Das siebte Türchen …), und es dabei gleichzeitig (nicht: „zeitgleich(ig)“, vgl. dazu Di 05-01-21 Gleichzeitig zeitgleichig?) fertig bringt, sich noch für richtig klug zu halten und die anderen – folgt man Wilhelm Busch – aus inbrünstiger Überzeugung Dummchen zu nennen, die überzeugt und „mitgenommen“ werden müssen auf dem Pfad alleinseligmachender Erkenntnis.

Eigentlich sollte das gar nicht unser Thema sein für heute. Aber man weiß ja kaum noch, wo man anfangen soll in diesen Zeiten. Nicht, daß unsere agnostische Kontemplation noch in agnostische Konfusion ausartet …  Das wäre schließlich glatt ein Fall von Zweckverfehlung.

Zum Glück hat Wilhelm Buschs Gedicht »Rechthaber« (So heißt es im Original, und nicht etwa, wie bei uns, „Recht so!“) zwei Strophen. Wir können also morgen munter weitermachen. Bis dahin bleibt das allerdings ein anderes Kapitel …

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