So 24-01-21 Dreschflegel

Die drei Töchter der Philosophie.

Donald Trump ist erst mal „out“. Zeit für ein Comeback für Putin. Wir können und wollen uns hier nicht mit irgendwelchen Einzelheiten beschweren. Wenden wir uns lieber dem Grundsätzlichen zu. Menschliches Streben – im alten Wortsinne also die »Philosophie« – läßt sich rückstandsfrei unterteilen in die Bereiche Logik, Ethik und Ästhetik. Von Kant, der meinte, ein viertes erkennen zu können, wollen wir hier einmal absehen: Jeder kann sich mal verkanten. Die „drei Schwestern“ (wie Bolle sie in seinen Lehrveranstaltungen gerne nennt) haben zunächst einmal nichts, aber auch rein gar nichts miteinander zu tun – obwohl es in der Geschichte der Philosophie nicht an Versuchen gemangelt hat, das Gegenteil zu beweisen – vergeblich. Schwester Logik kümmert sich um Seins-Aussagen. Heute nennen wir das üblicherweise „Wissenschaft“. Schwester Ethik kümmert sich um das, was sein soll. Ihr Tummelfeld ist das Recht und die Religion – aber auch „Werte“ im weitesten Sinne. Schwester Ästhetik schließlich – die sleeping beauty unter den dreien – ist für die (mehr oder weniger) gefällige Darbietung des Gesagten zuständig.

Was auch immer man auf den ersten Blick meinen mag. Die drei können wirklich was, wenn man sie auf die Phänomene dieser Welt losläßt – allen Unterschieden zum Trotze, oder vielleicht gerade deswegen. Wenn wir etwa – um ein tagesaktuelles Beispiel herauszugreifen – erfahren, daß in Rußland zur Zeit gegen Putin demonstriert wird, dann gehört das als Ist-Aussage in den Bereich der Logik. Leider läßt es sich der Journalismus 2.0 nicht nehmen, dem Leser bzw. Zuhörer oder Zuschauer nicht nur zwischen den Zeilen, sondern ganz offen und unverblümt zu vermitteln, wie „schlimm“ Putin im Grunde doch sei. Das aber sind wertende Aussagen (2. Tochter), die im Qualitätsjournalismus (von den Kommentarspalten abgesehen) nichts zu suchen haben. Bolle möchte aufgrund der vermittelten Ist-Aussagen gerne selber entscheiden, was er „schlimm“ finden will und was nicht. Um last but not least die 3. Tochter, die sleeping beauty, nicht zu kurz kommen zu lassen: Wenn ein Reporter am Rande des Geschehens, also definitiv außerhalb der eigentlichen „Gefahrenzone“, dem Zuschauer mit aufgeregtem Gestus hautnahe Berichterstattung vorzugaukeln versucht, dann ist das einfach nur eine wenig gefällige Darbietungsform – mithin also schlechter Stil. Wir hatten diesen Punkt neulich schon mal gestreift – vgl. dazu Do 07-01-21 Journalismus 2.0. Warum der Beitrag »Dreschflegel« heißt? Das läßt und wird sich klären – ist dann aber doch schon wieder ein anderes Kapitel.

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