Fr 24-12-21 Das vierundzwanzigste — und für dieses Jahr letzte — Türchen …

Thanks, I’m fine.

Wir wollen unseren diesjährigen agnostisch-kontemplativen virtuellen Adventskalender mit der in Worte gegossenen Quintessenz der Stoa beschließen – und dabei nicht vergessen, wie weit wir uns damit von den zeitgenossischen Mimimichen entfernen tun. Aber was soll’s: Schließlich ist Weihnachten. Und hat nicht der Herr, das Jesuskind, dessen Geburt die Christenmenschen (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) heute feiern, unter anderem gesagt:

Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, Frieden zu senden auf die Erde. Ich bin nicht gekommen, Frieden zu senden, sondern das Schwert. (Matth. 10, 34).

Ein bißchen was sollten wir uns also schon zumuten bzw. zutrauen – auf daß das Weihnachtsfest nicht in süßlich-oberflächliches Gekitsche ausarten möge. Nichts stünde uns Agnostikern weniger zu Gesichte. Gleichwohl soll zum Jahresende auch die rein lebenspraktische Seite nicht zu kurz kommen. Darum die folgende kleine Anekdote aus Bolles bürgerlicher Existenz.

Neulich hatte Bolle was zu hämmern. Was genau, wollte er uns nicht verraten – und tut wohl auch nichts zur Sache. Der Weihnachtsbaum wird’s wohl nicht gewesen sein. Und so geschah es – sei es mangels Übung, sei es aufgrund einer ungünstigen Konstellation der Gestirne, sei es wegen einer leichten Fluktuation der kosmischen Konstante (wir werden es wohl nie erfahren) –, daß der Hammer der Hand entglitt und sich, nach Art aller Hämmer dieser Welt, getreulich der Gravitation beugte und sich anschickte, seine Reise Richtung Boden anzutreten.

Nun ist allgemein bekannt, daß das Gehirn in Situationen existentieller Gefahr zu Höchstleistungen aufläuft – und das ganze Leben in Sekundenbruchteilen an einem vorüberzieht. Ganz so krass war es bei Bolle nicht. Immerhin erschien ihm sein hochverehrter lieber guter alter Mathe- und Physiklehrer aus dem Leistungskurs seinerzeit mit seiner Definition von 1 Aua. Demnach ist 1 Aua die Empfindung, die einer haben wird, wenn ihm ein Hammer der Masse 1 kg unter irdischen Bedingungen (g = 9,81 m / sec2) aus einer Höhe von 1 m auf den Fuß fallen tut.

Nun – der Hammer war 1,2 kg schwer und hatte eine geschätzte Fallhöhe von 1,5 m. Das – so schoß es Bolle durch den Sinn – entspricht in etwa 2,7 Aua (die Fallhöhe geht aufgrund der Gravitationskonstante in zweiter Potenz in die Formel ein). Too much to bear. Die Zeit bis zum geschätzten Schadenseintritt: In etwa 0,55 Sekunden bzw. 550 msec. Nicht üppig, aber doch noch handhabbar.

Noch 200 msec. Time to act. Gewichtsverlagerung auf das rechte Bein (Bolle ist Linkshänder, wenn es ums Hämmern geht), dezenter Ausfallschritt (wie Bolle es in der Tanzschule gelernt hat), und … wumm. Touch down. Hammer trifft Flur. Flur – nicht Fuß.

Bolle konnte sich eine leichte Superioritäts-Empfindung gegenüber der toten, gleichwohl aber, nach menschlichem Maße, oft auch tückischen und manchmal gar tödlichen Materie nicht verkneifen. „Dicht vorbei ist auch daneben“ – kam es ihm in den Sinn.

Soweit das. Hinzu kommt ein Übriges – das uns überhaupt erst veranlaßt hat, diese kleine Geschichte zu erzählen. Glaubt man den „Fakten-Checkern“ dieser Welt, dann könnte es durchaus sein, daß der Hammer mitnichten ursächlich für das Aua ist, sondern lediglich „in einem zeitlichen Zusammenhang“ zu diesem steht. Ockham’s Razor läßt grüßen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel …

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.