So 23-11-25 Der Preuße und sein Lichtelein

Ein Lichtlein brennt … (Symbolbild).

Es begab sich vor langer, langer Zeit. Da gibt es die wahre Geschichte eines preußischen Regierungsrates, der Tag für Tag von früh bis spat dienstbeflissen seine Arbeit tat – und dabei, vornehmlich in der dunklen Jahreszeit, mit Einbruch der Dämmerung eine Kerze entzündete, auf daß er seine Augen nicht allzu sehr quälen mußte. Von elektrischem Licht – die Geschichte spielt irgendwann im 19. Jahrhundert – war seinerzeit noch nicht die Rede in Berlin und auch nicht anderswo.

Irgendwann aber ist Dienstschluß. Das war auch in Preußen so. Und? Was tat unser fleißiger Regierungsrat? Da er neben seiner amtlichen Tätigkeit noch weitere Ambitionen hatte, für die zu arbeiten sich seine Amtsstube geradezu anbot, hatte er die Angewohnheit, pünktlich zum Feierabend seine Dienstkerze zu löschen und dafür eine private Kerze anzuzünden. Alles andere hätte ihm Mißbrauch öffentlichen Eigentumes gedünkt. Unpreußisch!

Zugegeben: etwas krass ist das schon. Aber so oder so ähnlich war das wohl mal hierzulande: Dienst ist Dienst und Schnaps ist Schnaps. Und Licht ist Licht. Da gibt es kein Vertun.

Bolle findet, diese Geschichte – sei sie nun wirklich wahr oder nur allegorisch – kontrastiert in ganz erheblichem Maße mit den Sitten und Gebräuchen, die sich mittlerweile allerorten eingeschlichen haben. Da gibt es Amtsträger jeglicher Stufe und Couleur, die mit geradezu spektakulärer Schamlosigkeit scheinen vergessen zu haben, daß es nicht ihr Geld ist, das sie frohen Mutes geflissentlich und mit viel Verve zum Fenster rausschleudern.

Das geht mit Petitessen (neudeutsch: Peanuts) los. Da gibt es Amtsträger (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course), die meinen, um die 11.000 Euro im Monat für Frisör und Styling verplempern zu müssen – auf Staatskosten, versteht sich. Rechnen wir das einmal um: Der Regelbedarf eines armen Würstchens – das ist das, womit man klarzukommen hat, um ein angeblich menschenwürdiges Dasein zu führen – liegt derzeit bei 563 Euro im Monat. Das aber heißt nichts anderes, als daß besagtes Würstchen aus dem Volke mit dem monatlichen Schönheitsaufwand manches Amtsträgers im richtigen Leben über anderthalb Jahre (!) zurechtkommen muß.

So richtig wohlproportioniert will Bolle das mitnichten erscheinen. Eher würde ihm einleuchten, daß solche Leute so ziemlich jeglichen Sinn für jedwede Proportion verloren haben. Augenmaß? Fehlanzeige!

In der Mitte der 1990er Jahre gab es einmal den Slogan eines Kreditinstitutes, der lautete: ›Schließlich ist es Ihr Geld‹ – und eben nicht das Unsere, mit dem wir umgehen. Bolle meint, ein Körnchen dieser Einsicht stünde der gegenwärtigen Politprominenz nicht schlecht zu Gesichte.

Allein – alles ist anders: Die scheinen offenbar zu denken, es sei ihr Staat. Ihr Geld. Und, ins Absurde gewendet: Ihre Demokratie. Wie krass kann man danebenliegen? Bolle meint: das kann nichts werden, beim besten Willen nicht – und fühlt sich an Wilhelm Buschs ›Max und Moritz‹ (1865) erinnert:

Aber wehe, wehe, wehe!
Wenn ich auf das Ende sehe!!

Schließlich, nota bene, reden wir hier nur von den Peanuts. Die richtig fetten Knaller – verschleuderte „Sondervermögen“ im Hunderte-Milliarden-Bereich, et cetera perge perge, und was sonst noch so alles möglich ist in einer recht systematisch derangierten Politposse: Da schweigt des Sängers Höflichkeit. Ein ganz klein wenig mehr solides Preußentum könnte vermutlich wahrlich nicht schaden. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

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