So 03-05-26 Die Grenzen des Konstruktivismus

Flußdiagrammatische Verdichtung …

Zugegeben – unser heutiges Mathildchen ist nicht wirklich neu. Wir hatten es vor knapp zwei Jahren schon mal verwendet (vgl. dazu So 25-08-24 Denkmal zur Wahl). Aber ist es deswegen überholt? Oder auch nur weniger wahr? Schwerlich. Neu ist immerhin die Bezeichnung ›Mathildchen‹ – als Dritte im Bunde, neben ›Schildchen‹ und ›Bildchen‹. Dabei sind ›Schildchen‹ die gelben Dinger, ›Bildchen‹ sind Photos, und ›Mathildchen‹ ist alles, was im weitesten Sinne mit Mathe zu tun hat. Übrigens hat es bei Bolle Wochen gedauert, bis ihm das endlich eingefallen war. Doch das soll hier und heute nicht unser Thema sein.

Früher hat sich Bolle ja rein gar nicht um Politik geschert. Die einen wollten’s halt ein bißchen konservativer – und haben CDU gewählt. Andere wollten’s ein bißchen progressiver – und haben SPD gewählt: „Mehr Demokratie wagen“, zum Beispiel. Und dann gab es noch eine Handvoll sogenannte Liberale – oder zumindest solche, denen ihr Hemd näher war als die Jacke. Die haben dann eben die FDP als ihre Klientelpartei gewählt. War Deutschland also „gespalten“? Nach heutigen Kriterien: definitiv! Allerdings war seinerzeit ein gewisser Hang zur Hysterie noch lange nicht so ausgeprägt wie heute.

Mit dem Aufkommen – oder sollte man sagen: Aufkeimen? –  der strickpullover- und turnschuhbestückten Grünen 1983 im Bundestag hatte sich das eingespielte Gefüge dann erstmal gründlich durchgeschüttelt. Immerhin war das die erste Neuerung dieser Art seit Bestehen des Hohen Hauses 1949. Sowas war man wirklich nicht gewöhnt in „unserer Demokratie“ – die damals allerdings noch nicht so hieß.

Aber nicht nur das. Der durchaus höchst erfolgreiche „Marsch durch die Institutionen“ hat im Laufe der Jahrzehnte dazu geführt, daß es Leute in politische Verantwortung gespült hat, die mit Volk und Vaterland (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) im herkömmlichen Sinne rein gar nichts am Hut hatten und bis heute nicht haben. Sprüche wie etwa „Deutschland verrecke – damit wir leben können“ sind da wohl nur die rhetorische Spitze des Eisberges. Kann man ja so sehen. Aber was hat man mit einem solch eklatanten Mangel an „commitment“ in der Politik zu suchen?

Jedenfalls hat es dem ganzen Land, wie das bei e-Funktionen nun mal der Fall ist, erst schleichend, dann mehr oder weniger von heute auf morgen, den Teppich unter den Füßen weggezogen (vgl. dazu etwa Sa 14-12-24 Das 14. Türchen: Schneemann, Teppich, Meilenstein).

Voll neben dem Teppich.

Allerdings nicht unbedingt nach links – und nach rechts sowieso nicht – sondern irgendwo hin in eine völlig neue Richtung – wenn nicht gar in eine neue Dimension. Klassisch-konservativ war damit ebenso obsolet wie klassisch-progressiv, und in der Mitte klaffte ein gigantisches Loch. Plötzlich waren  a l l e  links oder sollten es zumindest sein – aber nicht etwa in einem herkömmlich-sozialdemokratischen Sinne, sondern auf ganz neue Art und Weise: nennt es ›queer‹, nennt es ›woke‹, nennt es wie ihr wollt.

Da das so nicht angehen kann, hat sich die clique politique in bester Konstruktivistenmanier selber zur Mitte  e r k l ä r t . Eine Mitte, die alles, wirklich alles umfaßt – von ehemals konservativen Parteien wie der CDU bis hin zu ehemals Progressiven wie der SPD. Da das immer noch nicht hat reichen wollen – die selbsternannte „Mitte“ war immer noch zu schwach, hat man auch alles andere, was sich so finden ließ in der politischen Landschaft, ebenfalls als ›Mitte‹ deklariert. Es kann nur eine geben! Die randständigste Mitte also, die man sich nur denken kann.

Bolle hält derlei Bestrebungen für geradezu  r e l i g i ö s e  Inbrunst. Wie heißt es doch bei Matt. 17, 20?

Denn wahrlich ich sage euch:
So ihr Glauben habt wie ein Senfkorn,
so mögt ihr sagen zu diesem Berge:
Hebe dich von hinnen dorthin!
so wird er sich heben;
und euch wird nichts unmöglich sein.

Am Glauben scheint es also nicht zu mangeln. Man meint, wie’s scheint, alles werde wahr, wenn man nur ganz dolle daran glaubt. Allein hier kommt Winston Churchill ins Spiel, der gesagt haben soll:

However beautiful the strategy,
you should occasionally look at the results.

Also: ›Wie herrlich Deine Strategie auch sein mag: Gelegentlich solltest Du gucken, was dabei rauskommt.‹ Und? Wer hat Recht? Sagen wir so: Solange zumindest die hochgespülten Paragonisten der clique politique noch nicht überzeugend übers Wasser wandeln können, würde Bolle dazu neigen, sich vorerst an Churchill zu halten.

Und so liegt hier manches im Argen – und es wird, wie’s scheint, von Woche zu Woche weniger erquicklich. Genau das ist es, was Bolle ›Die Grenzen des Konstruktivismus‹ zu nennen geneigt ist.

Der Wirtschaft jedenfalls – sowohl der Industrie als auch dem Mittelstand –, dämmert es anscheinend allmählich – spät zwar, aber immerhin –, daß auch die wohlmeinendste Wolkenkuckucksheimeligkeit unmöglich kaufmännische Vernunft ersetzen kann – jedenfalls nicht auf längere Sicht. Jeder Gemüsehändler (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) merkt sofort, wenn seine Kalkulation nicht aufgeht. Und falls er’s  n i c h t  merkt, wird‘s ihm die Bank schon sagen. Bei Staaten dauert das regelmäßig sehr viel länger. Da kann man sich schon mal ein ganzes Weilchen munter in die Tasche lügen.

Im übrigen: eine Regierung, deren Hauptanliegen darin zu bestehen scheint, die Opposition zu bekämpfen, statt sich auf vernünftige Politik zu kaprizieren, mag ja ganz apart sein. Aber doch nicht in einer Demokratie!

Wie meinte doch gleich Harald Martenstein in seiner Apologie im Thália-Theater? (vgl. dazu So 15-03-26 Lupenreine Demokraten).

Die AfD-Wähler, jedenfalls die meisten, wollen keinen neuen Hitler. Sie wollen so etwas ähnliches wie einen neuen Helmut Schmidt. Es wäre ein Kinderspiel, die AfD klein zu halten. Man müßte dazu lediglich ein paar Probleme angehen, die echte Probleme sind und deren Existenz Sie vermutlich bis zu Ihrem letzten Atemzug leugnen würden. Passen Sie die Migration an die wirtschaftlichen Möglichkeiten dieses Landes an. Sorgen Sie für ein Sicherheitsniveau, wie wir es 2010 hatten. Sorgen Sie dafür, daß unsere Schulen funktionieren und die Wirtschaft konkurrenzfähig ist. Mehr muß es nicht sein. Ist das für Sie Faschismus?

Mehr muß es nicht sein. Weise Worte. Aber wie vernehmen, wenn man sich im Käfig des Konstruktivismus gemütlich eingekuschelt hat? Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 19-04-26 Alternativlos für Deutschland

Et credo et censeo.

Das ›ceterum censeo‹ des älteren Cato (234–149 v. Chr.) gilt bis heute vielen als sprichwörtliches Sinnbild für überzeugungsgetragene Hartnäckigkeit: ›Im übrigen finde ich, daß wir Karthago plattmachen müssen.‹ Senator Cato soll damit drei Jahre lang jede, wirklich jede, Rede abgeschlossen haben – egal, worum es in der Rede jeweils ging. Stilistisch handelt es sich dabei um einen schicken AcI (Akkusativus cum Infinitivo) – dem Schrecken fast aller Lateinschüler.

Heute würde man sowas so nicht mehr sagen. Die Sitten haben sich verfeinert. Nach Jahrhunderten eines ›Prozesses der Zivilisation‹ (Norbert Elias 1939) geht man heute inhaltlich sehr viel feiner vor. Der Kern aber läßt sich sehr wohl rezyklieren. In der clique politique scheint derzeit folgendes konsens- und anschlußfähig: ›Ceterum censemus populum esse regendum – Im übrigen sind wir der Ansicht, daß das Volk regiert werden muß.‹

Das Volk? Das Volk muß regiert werden? Welch groteske Perversion! Aber nicht ganz aus der Luft gegriffen.

 D a s   L a n d  muß regiert werden. Zugegeben. Schließlich kann sich das Volk nicht um alles kümmern. Dazu braucht es halt Vertreter. Aber diese Vertreter haben das Volk zu  v e r t r e t e n  – und nicht etwa zu „regieren“. Noch klarer wird es, wenn wir das ›esse regendum‹ unseres Schildchens modifizieren. Das ›regere‹ nämlich kann nicht nur ›regieren‹ bedeuten, sondern auch ›zurechtweisen‹ oder – werden wir brutal – gar ›gängeln‹. Das Volk muß demnach zumindest auf den rechten Pfad geführt werden – und zwar im Namen „unserer Demokratie“, versteht sich. Also erzogen statt vertreten. Das ist bitter – aber schaut Euch um im Lande. Wie das mit dem Konzept eines Souveräns zusammenpassen soll – oder gar mit Demokratie –, ist Bolle leider auch nicht ganz klar.

Außerdem ist nicht ganz klar, woher solche Leute diesen Impetus nehmen. Am ehesten würde Bolle hier so eine Art ›Hilflose Helfer‹-Syndrom (Schmidbauer 1977) einleuchten. Man könnte fast sagen: Politik als Chance. Wo sonst ließe sich mit einer oft derart mäßigen Ausbildung – etwa in Soziopolitistik oder sonstwo, falls überhaupt – und einer Lebens- und Berufserfahrung „im richtigen Leben“, die oft genug gegen Null zu gehen scheint, so tüchtig Geld verdienen wie in der Politik?

Jedenfalls hat sich mittlerweile, wie’s scheint, eine clique politique etabliert, die definitiv  v o n  der Politik lebt und nicht etwa  f ü r  die Politik – um es mal mit Max Weber (1919) zu sagen. Die meisten würden beim gegebenen Ausbildungsstand und gegebener Qualifikation „im richtigen Leben“ nicht im Entferntesten so gut verdienen beziehungsweise so gut leben, wie sie das als Berufspolitiker tun. Das führt natürlich zu gehörigen Abhängigkeiten. Man könnte auch sagen: Ohne den Job sind die aufgeschmissen. Genau darum sind sie ja auch so handzahm. Allein: was hat das Volk davon?

Ein einziges Beispiel mag an dieser Stelle genügen: Als im Dezember letzten Jahres die sogenannte ›Junge Gruppe‹ in der CDU versucht hatte, gegen die Rentenpläne der Regierung aufzumucken, wurde sie ganz schnell wieder eingefangen und auf Parteilinie gebracht. Das schlagende Argument: So ein lukrativer Listenplatz, wie wir ihn Dir gewähren, kann ganz schnell weg sein – futsch, perdu. Also paß bloß uff! Und dann müßte man schließlich richtig arbeiten für sein Geld. Welch grauenhafte Vorstellung!

Wer das alles nicht wahrhaben will, dem sei Joana Cotars jüngst erschienenes Bändchen ›Inside Bundestag‹ (2026) zur gelegentlichen Lektüre oder zum Vorlesenlassen empfohlen. Es trägt den Untertitel ›Wie ich in acht Jahren im Zentrum der Macht das Vertrauen in unsere Demokratie verlor‹ und sagt so ziemlich alles, was man wissen muß, um die ganze Tragik zu erahnen.

Ein wenig erinnert das alles an Dieter Nuhrs alten Gag: Deswegen haben wir uns dann ja auch für das Lehramt eingeschrieben: Ist doch eh egal und wenn schon keine Zukunft, dann wenigstens nachmittags frei.

Um das alles ansatzweise zu verstehen, hilft hier die Heider-Relation – ein Theorem, das postuliert, daß bei allem, was einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) tut, Sein und Sollen einigermaßen zusammenpassen müssen: Man macht, was man für richtig hält. Könnte man meinen. Man könnte das Ganze aber auch umkehren: Man hält für richtig, was man macht. Das klingt zunächst einmal befremdlich – ergibt sich aber unmittelbar aus dem Theorem. Ein Beispiel mag genügen: Wenn jemand etwa mit seinem Job nicht zufrieden ist (also mit dem, was er macht), ergeben sich genau drei Möglichkeiten zu reagieren: (1) Man ändert nichts – und bleibt unzufrieden. Das ist natürlich keine wirkliche „Lösung“, of course. (2) Man sucht sich einen Job, mit dem man sich besser fühlt – paßt also das Sein an das Sollen an. Oder (3) man findet sich mit seinem Job ab – hält also für richtig, was man macht – paßt also, tout au contraire, das Sollen an das Sein an. Interessanterweise ist die dritte Lösung die kognitiv sparsamste – also mit dem geringsten Aufwand verbunden. Und darum setzt sie sich meist durch: Man säuselt sich die Sache schön.

Da hätten wir also unser Volksvertreterlein (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course), das, gegängelt durch Sachzwänge von Fraktionsdisziplin bis zu EU-Vorgaben, nicht mehr ein weiß noch aus. Was liegt da näher, als das Ganze letztlich gut und richtig zu finden? Schon hat die liebe Seele Ruh. Ob das aber noch im Sinne des Erfinders ist, ist eine ganz andere Frage. Hauptsache Ruhe – und Hauptsache gesichertes Einkommen.

Ein wenig erinnert das an die Lemmlinge, zumindest jene in Disneys ›Weiße Wildnis‹ (1958). Bolle sagt übrigens immer ›Lemmlinge‹, mit einem ›l‹ in der Mitte, weil das, wie er findet, den ganzen Unsinn besser auf den Punkt bringt: Hier lang, Leute! Wer kein Schwurbler sein will, folgt mir nach! Avanti, avanti! Alles wird gut!

Das ›Ceterum censemus populum esse regendum‹ unseres Schildchens oben – ›Im übrigen sind wir der Ansicht, daß das Volk regiert werden muß‹ – gründet somit weniger in persönlicher Überzeugung des Einzelnen. Vielmehr ist es, ganz nach Lemmling-Art, durch und durch systemisch.

Von innen heraus wird sich da wohl kaum was ändern können. Im Gegenteil. So haben etwa, pars pro toto, die letzten Wahlrechtsreformen dazu geführt, daß vom Volk  d i r e k t   g e w ä h l t e  Abgeordnete nicht in den Bundestag einziehen durften, weil da der Parteienproporz vor war. Listenplatz sticht Direktmandat. Wie heißt es doch im ›Lied der Partei‹ (Louis Fürnberg 1950)?

Die Partei, die Partei, die hat immer recht!
Und, Genossen, es bleibe dabei;
Denn wer kämpft für das Recht,
Der hat immer recht.

Sowas  k a n n  man sich nicht ausdenken als nüchterner Demokrat (vgl. dazu So 28-09-25 Polit / Presse / Populus – Der Tragödie zweiter Teil).

Und? Was macht der Souverän? Verhält sich alles andere als souverän (vgl. dazu etwa Mi 21-12-22 Das einundzwanzigste Türchen …). Vielmehr spielt er deutsches Roulette. Und das geht so: Partei A, die ich das letzte mal gewählt habe, hat sich als nicht allzu prickelnd herausgestellt. Also wähle ich diesmal Partei B. – 4 Jahre später: Partei B, die ich das letzte mal gewählt habe, hat sich als nicht allzu prickelnd erwiesen. Also wähle ich diesmal Partei A – und so weiter, und so fort, ad libitum … Und da sage noch einer, der Wähler habe keine Alternative. Hat er wohl: A oder B. Sancta simplicitas! Bolle findet ja, bei klassisch-russischem Roulette sind die Überlebenschancen deutlich höher.

Der Untertitel unseres heutigen Schildchens übrigens, ›Et credo et censeo – Ich glaube, weil ich gute Gründe habe‹ – ist von all dem natürlich meilenweit entfernt, of course. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Ostersonntag 05-04-26 Frohe Ostern, urbi et orbi

Falscher Hase? False Flag?

Incora imparo – Ich lerne noch. So soll Michelangelo (1475–1564) – übrigens ein Zeitgenosse Martin Luthers (1483–1546) – in seinen reiferen Jahren in schönstem landesprachlichem Italienisch (und nicht etwa auf Latein) in charmant-entwaffnender Weise mitunter auf kleinliche Mäkeleien seiner Kritiker reagiert haben. Die Haltung an sich – selbst falls nur zum Zwecke der Entwaffnung vorgetragen – hat jedenfalls so einiges für sich. Bolles liebe gute alte Großmama zum Beispiel meinte gelegentlich: Und wirste so alt wie ne Kuh – lernste doch immer noch was dazu. Bolle war damals schon, in jungen Kinderjahren, klar, daß es sich hierbei um einen reinen Reim handelt. Allein die ›Kuh‹ fand er inhaltlich doch etwas – wie soll man sagen? – bemüht. Eine Schildkröte etwa hätte ihm eher eingeleuchtet. Aber versucht mal, ›Schildkröte‹ auf ›dazu‹ zu reimen. Es wird nicht gelingen. Auf ›Schildkröte‹ nämlich reimt sich rein gar nichts.

Da wir gerade beim Reimen sind, und es mit dem Osterfest der Christenmenschen zu tun haben: Es heißt, nicht einmal Goethe – der Dichterfürst, der Princeps poetarum – konnte sich seinerzeit einen Reim auf Ostern machen. Aber was kann ein Dichterfürst, und sei’s der größte, schon tun, wenn die Sprache nun mal was nicht hergibt? Allerdings haben sich im Zuge der anglizistischen Wörterwanderung mittlerweile immerhin gleich  z w e i  halbwegs reine Reime einfinden wollen. Man könnte heute also zum Beispiel durchaus dichten:

Bis gestern nur auf manchen Postern
Ist es heute doch soweit:
Am Frühstückstisch, auf beiden Toastern
Liegen Eier griffbereit.
Man ißt – und wünscht sich Frohe Ostern!

Auch wollen wir hier Sinn und Unsinn der Poesie nicht weiter vertiefen. Das Ganze fällt wohl am ehesten in die ›Kuh/dazu‹-Kategorie. Allein // es reimt sich, und zwar rein. — Doch nun zu Bolles Dazulern-Erfolg:

Der Christus der Christenmenschen, der zu Lebzeiten noch schlicht Jesus hieß, soll sich – so zumindest der Vorwurf – als „Gottes Sohn“ bezeichnet haben. Ja, was denn sonst? Sind wir nicht letztlich  a l l e  Gottes Söhne (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course)? In aufgeklärteren Regionen der damaligen Welt – sei es in Rom, sei es in Athen, oder sei es sonstwo irgendwo im Römischen Reich, etwa in Lutetia (Paris) – wäre das überhaupt kein Problem gewesen. Die Römer hatten hierzu sogar einen passenden Spruch: Deorum iniuriae diis curae – um Gotteslästerungen sollen sich die Götter kümmern. Da halten wir uns raus. Das römische Recht war also durchaus vergleichsweise modern – und ist es heute noch, verglichen mit so mancher hülsenfruchtig-postmodernen Anwandlung wie etwa der Aufweichung der Unschuldsvermutung oder Bestrebungen zur Beweislastumkehr. Schaut Euch um auf dieser Welt!

Die alttestamentarischen Kleriker dagegen hatten eine durchaus „alternative“ Sicht auf die Dinge: Wir haben ein Gesetz, und nach dem Gesetz soll er sterben; denn er hat sich selbst zu Gottes Sohn gemacht. So lautet die Regel: Welcher des Herrn Namen lästert, der soll des Todes sterben; die ganze Gemeinde soll ihn steinigen (3. Mose 24, 16). Das 3. Buch Mose heißt übrigens auch ›Leviticus‹. Vielleicht kommt daher ja die Wendung ›Jemandem die Leviten lesen‹?

Das allerdings war leichter gesagt als getan. Seit der Eroberung von ganz Palästina – das damals noch  ›Judäa‹ hieß – durch die Römer im Jahre 63 vor der Geburt des späteren Heilandes – galt dort kein alttestamentarisches Recht mehr, sondern vielmehr das vergleichsweise moderne römische Recht – und das sah Gotteslästerungen als Straftatbestand schlechterdings nicht vor – und Steinigungen als Rechtsfolge sowieso nicht. Und so meinte denn Pontius Pilatus, seinerzeit Statthalter in Judäa, konsequenterweise, er könne keine Schuld bei Jesus finden.

Da ein solches Ergebnis absehbar war – Gotteslästerung war nun mal kein Straftatbestand nach römischem Recht – fühlten sich die alttestamentarischen Kleriker veranlaßt nachzulegen und kaprizierten sich auf die Behauptung, Jesus habe verschiedentlich geäußert, daß er der König der Juden sei. Ein selbsterklärter König aber – mitten im römischen Reich? Das wäre auch den Römern – alles, was Recht ist – dann doch zu weit gegangen. Delegitimierung des Staates – wie man das heute nennen würde – war ein Kapitalverbrechen und durchaus der Todesstrafe wert. Daß das alles mehr oder weniger an den Haaren herbeigezogen war – Mein Reich ist nicht von dieser Welt (Johannes 18, 36) –, ist dann im Prozeßgetümmel schlechterdings untergegangen.

Und so kam es, daß Jesus mitnichten wegen Gotteslästerung verurteilt wurde, und auch nicht gesteinigt. Vielmehr war er wegen Delegitimierung des Staates dran, und wurde nach römischen Recht gekreuzigt. So stand es dann auch auf dem Kreuze: INRI – Iesus Nazarenus Rex Iudaeorum (Jesus von Nazareth, der König der Juden). Und selbst darum gab es noch Streit mit den Klerikern: Denen nämlich ging das „nicht weit genug“. Doch das führt hier zu weit.

Im Ergebnis jedenfalls wurde Jesus unter falscher Flagge angeklagt und verurteilt. Allein, wenn’s doch der guten Sache dient – wie etwa, seinerzeit, „unserer“ Theokratie beziehungs­weise, heutzutage irritierend ähnlich, „unserer“ Demokratie? Letztlich geht es doch schlicht und ergreifend allein um  u n s e r e   H e g e m o n i e . Hier macht das Possessivpronomen wenigstens Sinn, findet Bolle. Und da muß man nun mal Opfer bringen – zumindest aus der Sicht der jeweils Herrschenden. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 08-02-26 Könner versus Kasper (KvK)

Mein Gott – schon wieder Mathe …

Nichts läuft mehr richtig rund im Lande. Überall ist der sprichwörtliche Wurm drin. Zumindest  k ö n n t e  man das so sehen. In Bolles Kreisen spricht man hier auch keck von ›multiplem Systemversagen‹. Wenn aber etwas nicht so läuft, wie es soll, dann nennt man das nach alter Väter Sitte (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) ein Problem. Dabei wollen wir unter ›Problem‹ nichts weiter verstehen als eine ›Soll/Ist-Diskrepanz mit momentaner Transformationsbarriere‹ (Bolle featuring Dietrich Dörner 1979) – wobei ›Transformationsbarriere‹ lediglich meint, daß nicht wirklich klar ist, wie man von einem unerwünschten Ist-Zustand in einen angestrebten Soll-Zustand kommen soll. Daran ändert sich übrigens auch dann nichts, wenn man das Problem  – ebenso großspurig wie verhüllend, aber bitteschön – „Herausforderung“ heißt.

Wir hatten diesen Punkt vor knapp einem Jahr schon einmal aufgegriffen (vgl. So 16-03-25 Pferd verkehrt und Ritterehre oder Der super-duper Masterplan) und uns damals naheliegenderweise an Bolles Problemlösungszirkel (kurz ›PLZ‹) orientiert – einem Standardprocedere, das stets zur Lösung eines gegebenen Problems führt, oder aber zum Abbruch der Bestrebungen. Probleme nämlich, die man nicht lösen kann, sollte man tunlichst irgendwie loswerden. Komplizierter ist das alles nicht.

Der Problemlösungszirkel oder De arte solvendi.

Dumm nur, wenn man nicht weiß, wo man steht – und es womöglich auch lieber gar nicht so genau wissen will (Ist-Analyse), und (oder oder) einem auch gar nicht so recht klar ist, wo man eigentlich hinwill (Ziel-Definition) – von mehr Wohlstand, Freiheit, Demokratie beziehungsweise auch mehr Friede, Freude, Eierkuchen und dergleichen einmal abgesehen, of course. In Bolles Kreisen spricht man hier übrigens von ›nicht-wohldefinierten Zielen‹. Kein Wunder, daß Bolle dabei schon mal leicht unwohl werden kann.

Nun – in dieser Lage kann man als heillos überfordertes Hülsenfrüchtchen dann schon mal leicht auf die Idee verfallen, daß es doch zumindest nicht schaden könne, erst mal ganz viele Phantastilliarden ins System zu pumpen. Dann nämlich müsse es doch richtig rucken. Wäre ja gelacht! Bolle meinte damals schon: Denkste – muß es keineswegs! Und das hat es nach allem auch nicht – wie wir heute ziemlich sicher sagen können. Zwar sind die Phantastilliarden nicht wirklich weg. Sie sind nur anderswo – etwa auf den Forderungskonten sehr viel klügerer Paragonisten. Jedenfalls sind sie mitnichten da, wo sie ihre Wirkung entfalten sollten. Wie auch – bei  d e m  Plan? Und so wollen wir es Bolle auch nicht allzusehr verübeln, wenn er sich an dieser Stelle einmal mehr veranlaßt sieht, seine schönste Siehste!-Miene aufzusetzen – zumal er sich dabei ja stets stringent dezent zu halten pflegt.

Aber nehmen wir mal an – ebenso spaßeshalber wie kontrafaktisch –, soweit sei alles klar: Es existiere eine solide Ist-Analyse und auch ein wohldefiniertes Ziel. Da kann immer noch einiges dazwischenkommen auf dem Weg von Ist nach Soll. Bolle nennt es das KvK-Phänomen – wobei KvK für ›Könner versus Kasper‹ stehen soll. Dabei seien ›Könner‹ Leute, die wissen, was sie tun, und ›Kasper‹ – wie wir sie zärtlich nennen wollen – ganz entsprechend und tout au contraire Leute, die genau das eben  n i c h t  wissen.

Unsere Graphik zeigt den Zusammenhang zwischen dem Einsatz von Ressourcen und der sich daraus ergebenden Performance. Dabei wollen wir unter ›Ressourcen‹ (oder schlicht ›Mitteln‹) das verstehen, was man von außen in Anspruch nehmen muß. ›Performance‹ stehe ganz allgemein für ›irgendwas gebacken kriegen‹. Das geht schon im Kleinsten los: Stellen wir uns zum Beispiel vor, wir wollten ein Regal anbringen. Ganz ohne Werkzeug (R = 0) wird das schwierig. Da wäre auch der pfiffigste Handwerker hilflos. Mit einer minimalen Ausrüstung aber (Rmini)  – also Hammer, Bohrer, Schraubenzieher – läßt sich das Problem immerhin anpacken und auch leidlich zufriedenstellend lösen (A1). Mit Bohrmaschine und Akkuschrauber geht‘s dann noch viel geschmeidiger (A2 und A3) –  w e n n  man denn damit umgehen kann. Aber irgendwann – und zwar recht schnell schon – macht weiterer Mitteleinsatz keinen Sinn mehr: Der Könner hat alles, was er braucht, damit das Werk gelinge.

Anders verhält es sich mit der Kasperkurve. Ein minimaler Einsatz von Ressourcen (Rmini) führt hier zu wenig befriedigender Performance (vgl. A1 zu B1) – sei es, daß das Werk gar nicht gelingen will, sei es, daß es viel zu lange dauert. Eine Erhöhung des Mitteleinsatzes führt absehbar zu etwas besseren Ergebnissen – bleibt aber regelmäßig weit hinter der Könnerperformance zurück.

Fassen wir zusammen: Könner vermögen mit geringsten Mitteln Erstaunliches zu leisten. Kasper dagegen kriegen selbst mit erheblichen Mitteln nur wenig zustande. Aber sagt mal einem Kasper, daß er nun mal kein Könner sei. Er wird Euch hassen und bekämpfen! Besser werden seine Leistungen dadurch allerdings  n i c h t . Da ist Regel #2 unseres Yoga-Tripletts vor (vgl. dazu So 01-02-26 Yoga für Agnostiker): Wirkung braucht nun mal Zeit. Und was Hänschen nicht gelernt hat, das lernt der Hans halt nimmermehr.

Genau das scheint Bolle übrigens auch der Grund zu sein, warum Nichts- beziehungsweise Wenigkönner – Kasper eben – dazu neigen, sich erstens immer gleich beleidigt zu fühlen, und zweitens, stets nach mehr und immer noch mehr Mitteln zu schreien. Kann man ja auch verstehen: Wer wollte schon gerne sein eigenes unabänderliches Nichts-Können beklagen, wenn er doch alles auf seine relative Mittellosigkeit schieben kann (vornehm: attribuieren)? Also müssen immer mehr Phantastilliarden her. Damit werde endlich alles gut.

Hier noch ein Fun-Fact am Rande: Die Kasperkurve konvergiert gegen die gestrichelte Linie. Das bedeutet, daß die Kasper dieser Welt mit einem (im mathematischen Sinne) buchstäblich unendlichen Mitteleinsatz gerade mal so viel gebacken kriegen wie ein Könner mit minimalen Mitteln (Rmini). Bolle meint, dann wäre das ja auch geklärt. Schaut Euch um auf dieser Welt. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 01-02-26 Yoga für Agnostiker

Komplizierter isset nich …

Bolle ist aufgefallen, daß wir seit vor Weihnachten schon kein einziges Schildchen mehr als Entrée verwendet haben. Immer nur Bildchen statt Schildchen. Nicht daß die Bildchen keine gefällige Aufnahme gefunden hätten – ganz im Gegenteil. Allein Bolle liebt es nun mal, die Dinge epigrammatisch oder doch zumindest aphoristisch auf den Punkt zu bringen – und ist davon nur ganz schlecht abzubringen. Lassen wir den Schildchen also ihre „Existenzberechtigung“ – wie man das dusseldenkisch gelegentlich zu nennen beliebt: als ob es ein Recht auf Existenz gäbe! Fragt mal den Wurm, der dem frühen Vogel zum Frühstück ward. Was es aber wohl gibt, ist der (letztlich natürlich kindische) Glaube an den sinnlosen Sinn des Überlebens – wie nicht zuletzt Juli Zeh das in ihrem ›Spieltrieb‹ (2004) einmal gefaßt hat.

Und damit wären wir mitten im Thema. ›Kraft reagiert auf Kraft‹ – wie die dritte Regel unseres Yoga-Tripletts apodiktisch konstatiert. Wenn die Kraft nicht länger reicht, dann war’s das eben mit der Existenz – und mit einer womöglichen „Berechtigung“ natürlich gleich mit, of course.

Bolle fragt sich hin und wieder, was, bei allen Patriarchen, daran denn so schwierig sein mag, elementare Regeln, die, soweit Bolle sehen kann, seit Menschengedenken (und vermutlich sehr viel länger schon) nachgerade unumstößlich sind, einfach mal zur Kenntnis zu nehmen – oder gar danach zu handeln? Guckt Euch um auf dieser Welt – bis hin in höchste Regierungskreise. Da agiert man mitunter – wenig weise, witzlos gar – gerne gemäß der Attitude: Wir wollen alles – und zwar sofort! Ohnmächtig sind wir außerdem! Also ein klarer Fall von Ignoranz aller drei Regeln zusammen. Natürlich sagt das keiner ausdrücklich so. Doch wer Ohren hat zu hören – und die Kraft, sich ein Urteil zu bilden –, dem kann das kaum verborgen bleiben. Bolle meint nur: Spotten ihrer selbst – und wissen nicht wie!

Zugegeben – die Regeln sind etwas abstrakt. Das mag einen unmittelbaren Zugang erschweren. Auch ist ihr Bezug zu ›Yoga‹ nicht minder abstrakter Natur. Immerhin: Man muß sich keiner wie auch immer gearteten esoterischen Übungen befleißigen, um einer möglichen Einsicht näherzukommen – das sowieso nicht. Dranbleiben allerdings sollte man schon – wie Regel #2 ja schließlich nahelegt.

Zumindest schon mal vom Titel her ist übrigens Christy Turlington dem, was Bolle hier meint, erfrischend nahegekommen. Ihr Buch heißt ›Living Yoga‹ (2002) und trägt den Untertitel ›Creating a Life Practice‹. Dabei kann ›Living Yoga‹ feinsinnigerweise einerseits ›Yoga leben‹ bedeuten, andererseits aber auch ›Lebendiges Yoga‹ – was durchaus nicht das gleiche ist. Der Untertitel ›Creating a Life Practice‹ – wörtlich vielleicht ›Das Leben ganz grundsätzlich gestalten‹ paßt aufs Feinste zu unseren ersten beiden Regeln: ›Ziele brauchen Raum‹ und ›Wirkung braucht Zeit‹.

In der deutschen Übersetzung heißt das Werk übrigens ›Living Yoga – Mein Weg zu Ausgeglichenheit und Schönheit‹. Nun – ›Living Yoga‹ einzudeutschen hat man sich offenbar nicht getraut. Im Untertitel ist dafür so ziemlich alles danebengegangen, was nur danebengehen kann. Um Ausgeglichenheit – und vor allem gar um Schönheit (Christy Turlington war eines der sogenannten Top-Five-Models der 1990er Jahre) – geht es nämlich nicht einmal am Rande. Bolle vermutet hier eine der vielen Spielarten zielgruppengerechter Ansprache: hohl zwar, aber populär. Nun denn – Marketing eben.

Unser heutiger Beitrag ist übrigens einem großen Yogi gewidmet, der heute seinen Geburtstag hätte feiern können – wenn er ihn denn erlebt hätte. Natürlich nur ein klitzekleiner großer Yogi, of course – aber sind wir das nicht alle? Bolle meint nur: definiere ›groß‹. Nichtsdestotrotz: Allet Jute zum Jeburtstach! Hoch soller leben! Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 16-03-25 Pferd verkehrt und Ritterehre oder Der super-duper Masterplan

Der Problemlösungszirkel (PLZ) oder De arte solvendi.

Sie haben es tatsächlich getan. Of course, möchte man ergänzen. Sie haben – obwohl doch längst schon abgewählt – in den letzten Zügen ihrer Agonie dem Volke noch mal eben eine Phantastilliarde Sonderschulden aufs Auge gedrückt. Schulden, an denen die sprichwörtlichen kommenden Generationen noch ein ganzes Weilchen werden zu knabbern haben.

Damit das alles aber gleich viel freundlicher klingt, warten die gedungenen Sprachdesigner mit dem Begriff „Sondervermögen“ auf – einer Wortschöpfung, die eigentlich nur Sinn macht, wenn man ein entsprechendes kognitives Sondervermögen – dumm geboren, nichts dazugelernt, Rest vergessen – auf Seiten der Rezipienten unterstellt. Namentlich beim Journalismus 2.0 macht sich Bolle da nicht allzuviel Sorgen.

Macht das alles wenigstens Sinn? Aber Ja doch. Schließlich stehe demnächst mal wieder der Russe vor der Tür. Heute gehört ihm Rußland – und morgen die halbe Welt. Im übrigen müsse dringend das Klima gerettet werden und vor allem der Niedergang „unserer“ Demokratie. Sancta simplicitas!

Aber versuchen wir, uns Schritt für Schritt mit der dahinterstehenden Logik vertraut zu machen: Ist-Analyse: Wir haben zu wenig Geld. Ziel: Wir brauchen viel, gaanz viel Geld. Plan / Check der Mittel: Laßt uns ein tüchtiges Husarenstück auflegen. Das war wohl der Plan. Ein Check der Mittel erübrigt sich an dieser Stelle – schließlich ist die Akquisition der Phantastilliarden ja originärer Gegenstand des Problemlösungszirkels.

Das wirft natürlich mit Wucht die ›Ja, und nun‹-Frage auf. Phantastilliarden zu akquirieren ist die eine Sache. Was damit anfangen eine ganz andere. Da aber schweigt der Fürsten Törichtkeit. Die Details, so heißt es gut und gerne, seien natürlich noch zu klären, of course.

Geld allein macht nicht glücklich, wie der Volksmund weiß. Auch bringt Geld allein noch lange nichts zustande, wie Bolle zu ergänzen weiß. Ohne Geld ist es schwierig, irgend etwas zu bewirken, irgendein Ergebnis zu erzielen. Daraus folgt rein aussagenlogisch, daß, sofern einer was bewirkt hat, ein Mindesmaß an Mitteln im Spiel gewesen sein muß – vergleiche dazu ›Check der Mittel‹ in unserem Bildchen.

Daraus folgt aber nicht – und wirklich rein gar nicht – daß der Einsatz von Mitteln zu einem Ergebnis führen muß oder auch nur wird. In Bolles Kreisen notiert man derlei in etwa wie folgt:

Hier steht G für Geld beziehungsweise aktivierbare Ressourcen im weitesten Sinne, E steht für ein angestrebtes Ergebnis, „→“ für eine Implikation (wenn, dann) und das Häkchen schließlich steht für eine Verneinung. Mehr muß man dazu gar nicht wissen. Im Grunde also ist es mit Geld wie mit Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht. Um aber was draus machen zu können, wäre es vielleicht keine dumme Idee, mit sich selber über die folgenden drei Punkte ins Reine zu kommen.

Erstens: Wie konnte es überhaupt zu den gegenwärtigen Zuständen kommen? Mit „zuwenig Geld“ würde sich Bolle nur ungern zufriedengeben wollen. Ob sich unter diesen Umständen mit „mehr Geld“ entscheidend was wird reißen lassen, bleibt daher eher fraglich.

Zweitens wäre es wohl hohe Zeit, endlich mal das Modewort „Investition“ begrifflich wieder auf den Teppich zu holen. Bei einer Investition handelt es sich herkömmlicher- und richtigerweise um eine Sachkapitalerhöhung (Anlagen, Maschinen, Werkzeuge, sowie wirtschaftlich wirksame Infrastruktur) mit der Absicht, die Arbeit leichter und vor allem schneller zu machen und so mehr Güter in kürzerer Zeit herstellen zu können. Zur Zeit aber ist es so, daß jede Verschleuderung von Geldmitteln als „Investition“ deklariert wird: Schleifchen drum. Merkt ja keiner. Wenn man lange genug – also zum Beispiel über Jahrzehnte – so verfährt, beantwortet sich unser erster Punkt praktisch von selbst: Wie konnte es so weit kommen? Die Antwort: Genau so! Beim Humankapital – doch das nur am Rande – gestalten sich die Verhältnisse noch sehr viel krasser: Klassenräume voller sekundärer Analphabeten, die lediglich tüchtig mit Tablets geflutet werden müßten – und alles werde sich zum Guten wenden. Weia!

Drittens schließlich sollte man sich darüber Rechenschaft ablegen, wo man überhaupt hinwill als Volkswirtschaft – oder gar als Land. Warum? Weil, wenn Du nicht weißt, wo Du hinwillst, mußt Du dich nicht wundern, wo Du ankommst. Darum. Das aber bedeutet zu gestalten – statt nur Probleme zu verwalten. Zu wissen, wo man hinwill, bedeutet übrigens zugleich, zu wissen, wo überall man eben nicht hinwill beziehungsweise zumindest nicht hin kann – weil es schlechterdings unmöglich beziehungsweise unsäglich dümmlich ist, auf jeder x-beliebigen Hochzeit weltweit tanzen zu wollen.

Bei allen dreien dieser Punkte aber hapert es derzeit aufs Heftigste. Mit weiteren Phantastilliarden wird sich das nicht lösen lassen. Als Kind schon war Bolle vertraut mit der höchst anschaulichen Wendung „Da ist der Wurm drin“. Was tun? Wurmkur oder Segel streichen? Beim gegenwärtig verfügbaren Polit-Personal – ganz überwiegend ohne jeden Hauch von Ritterehre – würde Bolle ganz unoptimistisch eher auf Segel streichen tippen. Für eine Wurmkur müßte es zunächst einmal so richtig rappeln im Karton. Aber wer weiß, wer weiß …?

The time has come, the Walrus said,
To talk of many things:
Of shoes – and ships – and sealing wax –
Of cabbages – and kings –
And why the sea is boiling hot –
And whether pigs have wings.

So hat es Lewis Caroll in seinem ›Through the Looking-Glass‹ 1871 schon gefaßt. Eine Übersetzung wollen wir uns hier sparen, weil die Weisheit im Nonsense liegt. Wer es dennoch wissen will, möge unter Mo 04-01-21 Letzte Fragen – total so! nachschlagen. Das alles aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.