Sa 20-12-25 Das zwanzigste Türchen: Das Mirácoli-Mirakel

Das Mirácoli-Mirakel – am Beispiel Glühwein.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die bleiben einfach haften im Hirn. Warum, weiß niemand. Zumindest Bolle weiß es nicht. Oft sind es regelrechte Belanglosigkeiten. So kann Bolle sich noch lebhaft an den Tag erinnern – an die genaue Szene sogar – da er das allererste mal eine Packung Mirácoli in Händen hielt. An seinen allerersten Kuß dagegen (oder so) kann Bolle sich rein gar nicht mehr erinnern. Das nur zum Vergleich.

Seinerzeit – das ist etwa hundert Jahre her – stand Bolle vor einem Supermarktregal und dachte, was ist das denn? Nudeln, Tomatensoße und selbst Parmesanpulver – alles in einem Packerl? Der tiefere Sinn wollte sich ihm – naiv, wie Bolle damals war, und zum Teil wohl heute auch noch ist – in keinster Weise erschließen. Warum, bei allen Propheten, kauft man nicht Nudeln, Tomatensoße und richtigen Parmesan in drei getrennten Packungen? Zumal, bis auf den Parmesan, ohnehin alles im gleichen Regal steht? Bolle war wirklich ratlos.

War es wenigstens ein Aha-Erlebnis? Nein – natürlich nicht. Dazu mangelte es schlechterdings am Erkennen eines wie auch immer gearteten Zusammenhanges. Allein Bolle war ratlos. Wie nur kann sowas sein? Spätere Nachforschungen – Bolle ist oft recht gründlich in derlei Dingen – brachten dann doch etwas Licht ins Dunkle. Das Geheimnis – so eine der Erklärungen – sei in der Tomatensoße zu suchen. Genaugenommen in der – ebenfalls im Packerl beiliegenden – Gewürzmischung. Das sei das Geheimnis. Aha!

Nun verhält es sich so, daß es nach Bolles Lebenserfahrung nicht allzu schwierig ist, eine leckere Tomatensoße anzurühren. Der Zutaten bedarf es nur einiger weniger. Und alles Sachen, die man ohnehin im Haus hat, und die sich auch ewig halten. Selbst Parmesan – also richtiger Parmesan am Stück – hält sich bei Bolle, in Butterbrotpapier gewickelt und bei Zimmertem­pe­ratur gelagert, wochenlang. Zwar wird er trockener, aber nicht minder lecker. Wie viele Wochen, weiß Bolle übrigens nicht zu sagen, weil ein Verderb noch niemals vorgekommen ist.

Kurzum: Bolle war immer noch ratlos – und ist es bis heute. Was aber hat das alles mit unserem heutigen Bildchen zu tun? Nun – neulich ist Bolle beim Einkaufsbummel das Glühweinsortiment im Supermarkt ins Auge gesprungen. Und glatt hatte er ein Déjà-vu – oder, besser gesagt, so eine Art Flashback. Sein bis heute ungeklärtes Mirácoli-Mirakel schoß ihm in den Sinn. Warum nur, warum, kaufen Leute fertig abgepampten Glühwein – statt eines guten Tropfens eigener Wahl? Die weiteren Zutaten, die man so braucht – etwas Zimt und etwas Nelken – könnte man ebenfalls immer im Hause haben. Auch Zucker, so man denn mag – Bolle mag übrigens nicht – dürfte in aller Regel verfügbar sein. Selbst Bolle hat eine gewisse Menge Zuckervorrates im Hause – für die lieben Gäste.

Kurzum: die Parallele ist frappant: Aufwand und Zubereitungszeit sind jeweils gleich, die Kosten nehmen sich nicht viel, allein Qualität und Variabilität liegen in der ›Selbst-ist-der-Mann‹-Variante (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) himmelweit höher. Es sollte sich also doch noch ein tieferer Grund finden lassen. Auf ›Allgemeines Hülsenfrüchtchen-Syndrom‹ würde Bolle nur im Notfalle zurückgreifen wollen – dafür ist er viel zu milde und viel zu humanistisch eingestellt. Welcher Grund das aber sein könnte, ist Bolle nach wie vor völlig schleierhaft. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Fr 19-12-25 Das neunzehnte Türchen: Die feindlichen Staaten von Amerika

Nein, nein, nein – das darf nicht sein!

Hier etwas – wenn schon nicht wirklich weihnachtliches – so doch recht niedliches am Rande. Zumindest sieht Bolle das so. Neulich meinte irgendein Nachrichtensprecher (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) – womöglich einer mit etwas nuscheliger Aussprache – irgendwas von den „feindlichen Staaten von Amerika“. Zumindest hatte Bolle es so verstanden. Nach Aktivierung seiner Plausibilitätsschaltkreise hatte sich dann herausgestellt, daß das unmöglich so gesagt gewesen sein konnte. Ein Nachlauschen hatte dann ergeben, daß doch eher von den „Vereinigten Staaten von Amerika“ die Rede gewesen sein mußte. Fein denn – alles wieder konsistent.

Aber wie kommt es zu solchen Verhörern? Das war Bolles nächster Gedanke. Nun – das Gegenstück zu Freud’schen Versprechern sind ja wohl – zumindest würde Bolle das einleuchten – Freud’sche Verhörer. Obwohl – das sieht Bolle ein – von derlei nie die Rede war bei Freud.

Aber wenn wir schon bei Verhörern sind: Was liegt da näher als an Hacke und Sowas ›Weißen Neger Wumbaba‹ (2004) zu denken? Immerhin handelt es sich dabei um das ›Handbuch des Verhörens‹. — In Matthias Claudius‘ ›Abendlied‹ (1779) heißt es:

Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Der weiße Nebel wunderbar. Welch kraftvolles Bild! Wer allerdings noch nie bei Mondenschein auf der Pirsch war und mit diesem Bild rein gar nichts anzufangen weiß, für den wird daraus dann eben ›Der weiße Neger Wumbaba‹. Bolle findet, das leuchtet ein.

Vergleichen wir das mal: Bei einem Versprecher legt einem das Unbewußte etwas auf die Zunge, was zu sagen man sich so nie getraut hätte – was aber durchaus trefflich ist. Bei einem Verhörer dagegen drückt einem das Unbewußte etwas aufs Ohr, was durchaus Sinn macht – der jeweilige Sprecher so aber wohl nie gesagt haben dürfte. Auch dann nicht, wenn es Sinn macht. In diesem Falle eben ›die feindlichen Staaten von Amerika‹. Das Gehirn versucht das Gehörte nun mal mappa-mundi-mäßig einzuordnen. Ein völlig normaler Vorgang, das – wenn auch meist nicht ohne Witz – und gehört im weiteren Sinne in das weite Feld sozialpsychologischer Konsistenztheoreme: Das Gehirn sucht Sinn. Und wenn es keinen findet, dann findet es ihn anyway. Hauptsache, das Weltbild, die mappa mundi eben, bleibt stabil.

Wer also mit der in weiten Kreisen der Classe politique – nebst angeschlossenem Journalismus 2.0, of course – verbreiteten bräsigen und überschäumenden Selbstgefälligkeit wenig anzufangen weiß – Putin böse, Xi böse, und jetzt dann eben auch noch Trump böse –, der kann dann durchaus schon mal leicht was von den „feindlichen Staaten von Amerika“ zu hören kriegen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Do 18-12-25 Das achtzehnte Türchen: Mathematik ohne Sinn ist hohl

Alles gleich, das …?

Kant – der Kant, of course – meinte in seiner ›Kritik der reinen Vernunft‹ (1781/1787), daß Gedanken ohne Inhalt ja wohl leer seien und Anschauungen ohne Begriffe blind. Keine Sorge: darauf wollen wir hier und heute nicht weiter eingehen.

Allerdings hält Bolle es für angebracht, darauf hinzuweisen, daß Mathematik ohne Sinn durchaus hohl ist. Unser Bildchen zeigt in der ersten Zeile eine Funktion in ihrer Normalform y = f (x). Der Wert einer Zahl y hängt also davon ab, welchen Wert eine andere Zahl x jeweils annimmt – und nur davon. Wie hängt sie davon ab? Nun, wer öfters mal mit sowas zu tun hat, sieht, daß es sich um eine Logarithmusfunktion handelt – egal, was das denn schon wieder sein soll – und daß da noch verschiedene Parameter m, s, a und r im Spiel sind. Für was genau diese Parameter – Zahlen, die innerhalb einer gegebenen Aufgabe unveränderlich sind – stehen mögen, spielt im Moment keine Rolle.

Kurzum: die erste Zeile zeigt einen Zusammenhang auf, der uns – beziehungsweise niemandem: auch keinem Mathematiker – irgend etwas zu sagen vermag, solange wir nicht wissen, wofür die Parameter stehen und was sie bedeuten sollen. Kurzum, zum zweiten: wir müssen interpretieren. Dabei versteht man in Bolles Kreisen unter ›interpretieren‹ im Grunde nicht mehr als die ›Beimessung von Bedeutung‹. Was dabei für wen Bedeutung haben mag, steht wiederum auf einem ganz anderen Blatt.

In unserem Bildchen ist es so, daß durch vier einfache Umformungen, die mathematisch (bis auf ganze Kleinigkeiten) nicht zu beanstanden sind – Bolle hat nachgerechnet – eine Gleichung herauskommt, die an einen gebräuchlichen Weihnachtsgruß erinnert. Und schon haben wir Bedeutung! – und zwar in diesem Falle, ohne daß wir wissen müßten, wofür die Parameter stehen oder was es mit einer Logarithmusfunktion auf sich haben mag.

Kurzum: Mathematik ohne Sinn – also ohne hineininterpretierbare Bedeutung – ist hohl, und sagt nichts, wirklich rein gar nichts, aus. Da hilft es auch nicht zu lamentieren, das aber seien schließlich die „Fakten“. Das stimmt zwar – nützt aber nichts. Oder, um es – etwas kryptisch zwar, das sieht Bolle ein, aber bitteschön – mit einem Epigramm aus Bolles Sammlung ewiger Wahrheiten zu sagen:

Wenn der Kant kackt
auf dem Klo,
ist er nackt
rund um den Po.

Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Mi 17-12-25 Das siebzehnte Türchen: Wenn Gansl ganz schnell garen

Hurtig, hurtig, tralaralala! (Symbolbild, of course).

Weihnachten steht vor der Tür. Falls Bolle sich nicht verrechnet hat, ist das gerade mal noch genau eine Woche hin. Höchste Zeit also, mit praktischen Tipps aus unserer Abteilung ›Schneller kochen‹ aufzuwarten. Neben ›easy cooking‹, das sich in Bolles überwiegend minimalistisch ausgerichteten Kreisen ja einer gewissen Beliebtheit erfreut, sollte nämlich auch selbiges mitnichten zu kurz kommen.

Stellen wir uns das folgende Szenario vor. Heiligabend steht unmittelbar vor der Tür. Zum Feste soll es – das hat die Hausfrau (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) so beschlossen – Gansl geben. Der Weihnachtsschmaus ist für 20 Uhr geplant. Jetzt ist es 17 Uhr. Zwar ist die Gans schon aufgetaut und auch gefüllt mit Apfel, Nuß und Mandelkern. Allein sie ist noch – man darf das sagen, ohne übermäßig roh zu wirken – in einer ebensolchen Verfassung.

Um pünktlich zum Feste duftend auf dem Weihnachtstisch zu stehen, bleiben dem Gansl also noch drei Stunden. Das Rezept, und auch die Erfahrung, sagen aber, daß es eher vier Stunden brauchen wird, um zu duftender weihnachtlicher Hochform aufzulaufen. Was tun?

Nun – wenn das Gansl bei 200° C vier Stunden braucht, dann wird es bei 300° C wohl nur zwei Stunden und vierzig Minuten brauchen. Damit blieben also noch zwanzig Minuten zum Anrichten und zum Wein einschenken – etwa einen Spätburgunder beziehungsweise, wer’s lieber auf Französisch mag, einen Pinot Noir.

Bei der Berechnung handelt es sich übrigens um elementaren Dreisatz, of course: Wenn die Temperatur drei Halbe mal so hoch ist wie im Rezept, dann sollte die Gare nur zwei Drittel der veranschlagten Zeit betragen. Derlei läßt sich mit jedem handelsüblichen Taschenrechner – der bei dieser Methode allerdings in keiner Küche fehlen sollte – in wenigen Sekunden leicht berechnen.

Das ist wahrlich keine Hexerei. Vielmehr verhält es sich ganz ähnlich wie mit Professor Eberbachs (dem aus Spoerls Feuerzangenbowle) Matheaufgaben: Jemand wirft einen zwei Pfund schweren Stein dreiundzwanzig Meter weit. Wie weit würde er einen Stein von 0,3 Gramm werfen? Alles schon mal dagewesen, also.

Bolle für sein Teil – das zu erwähnen gebietet die Redlichkeit – ist von der Schneller-kochen-Methode noch nicht ganz restlos überzeugt. Das mag an seiner skeptischen Grundhaltung liegen – vielleicht aber auch an der Methode. Da gibt’s nur eines: probieren geht über studieren! Bolle würde als geeigneten Termin für ein solches Experiment allerdings nicht unbedingt den 24. Dezember wählen. Im übrigen bleibt er traditionell und easy-cooking-mäßig ja ohnehin lieber bei Hölzerbrot (vgl. etwa Sa 07-12-24 Das 7. Türchen: Wollense Toast …?). Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Di 16-12-25 Das sechzehnte Türchen: Das hält ihn frisch, den Babelfisch

Der Born des Babelfisches (1978).

Babelfische – den meisten wird das durchaus klar sein – gibt es seit geraumer Zeit. Erdlingen bekannt sind sie seit spätestens 1978, als die nachgeradezu legendäre Hörspielserie ›Per Anhalter durch die Galaxis‹ das erste mal durch den britischen Äther flimmerte – oder zumindest rauschte.

Babelfische sind höchst nützlich, weil sie dafür sorgen, daß sich die verschiedensten intergalaktischen Lebensformen mühelos miteinander verständigen können. Man steckt sich einen solchen einmalig ins Ohr – in welches, ist egal. Zwar fühlt sich das etwas glitschig an. Allein der Babelfisch richtet sich umgehend häuslich ein im Gehörgang und bedarf – im Gegensatz zu manchem Hörgerät – keinerlei Pflege. Dabei transferiert er jede wie auch immer geartete verbale Äußerung einer jeden beliebigen galaktischen Lebensform unmittelbar in verständliches Deutsch – oder was auch immer – ohne daß man sich, nach nur kurzer Eingewöhnung, einer womöglichen Übersetzungsleistung auch nur im geringsten bewußt sein würde: Man versteht sich einfach – zumindest akustisch. So gesehen handelt es sich bei dem Babelfisch einfach nur um die Überwindung göttlichen Mißmutes angesichts unbotmäßiger Schäfchen, der sich dereinst in folgendem Plan verwirklichen sollte: Wohlauf, lasset uns herniederfahren und ihre Sprache daselbst verwirren, daß keiner des andern Sprache verstehe! – wie es in der Genesis im Vers 11, 7 heißt.

Ohne Babelfisch dagegen gestalten sich die Dinge sehr viel komplizierter. Wie das Leben so spielt, ging es justamente und in der Tat rein zufällig – man mag es glauben oder nicht – heute vor genau drei Jahren (vgl. Fr 16-12-22 Das sechzehnte Türchen …) um eine Textstelle aus dem Werk des Epiktet (etwa 50–138 nach der Weihnachtsgeschichte) – die Bolle damals aus dem Kopf zitieren beziehungsweise paraphrasieren mußte, da seine eigentliche Quelle schlechterdings unauffindbar war: perdú – einfach wegg. Dort hieß es:

Wer die Wahrheit nicht erkennt,
schadet nicht der Wahrheit,
sondern vor allem sich selbst.
Wenn Dir also einer dummkommt,
bleibe gelassen und sprich zu Dir selbst:
Dem scheint das so zu sein.

Untertitelt war das seinerzeit mit ›Epiktet (in Bolles frecher Fassung)‹. Auf der Suche nach der Quelle hatte Bolle im Laufe der Zeit immerhin zwei verschiedene Ausgaben von Epiktets ›Handbüchlein der Moral‹ käuflich erworben – einmal übersetzt von Kurt Steinmann und einmal von Schultheß & Enk. Bei ersterem hieß es: ›Es schien ihm eben richtig so, bei letzteren ›er meint, recht zu handeln‹.

Und wie das Leben weiterhin so spielt, hat es sich gefügt, daß Bolles originäre Ausgabe unter Bergen von höchst Belanglosem plötzlich wieder aufgetaucht ist. Dort nämlich heißt es: ›dem scheint es so zu sein‹. Bolle meint: Na also – geht doch!

Nun reichen Bolles Altgriechisch-Künste bei weitem nicht aus, um auch nur im Ansatz beurteilen zu können, welche Fassung dem am nächsten kommt, was Epiktet seinerzeit gemeint haben mag. Was Bolle aber sicher sagen kann, ist, daß die beiden alternativen Übersetzungen ganz eigentümlich saft- und kraftlos sind. Niemals hätte Bolle sich je veranlaßt gefühlt, sich derart Laues auch noch merken zu wollen. In seinen Sprüche-Speicher eingegangen ist dagegen die obige Fassung. Die einzige Verfremdung: aus dem „es“ wurde ein „das“: ›Dem scheint das so zu sein.‹

Nun müssen wir uns natürlich fragen: Was hätte ein Babelfisch gemacht? Kraftvoll übersetzen oder lieber windelweich? Vermutlich läßt sich eine Sprache in ihren Feinheiten – auf die es letztlich aber ankommt – nur verstehen, wenn man die dazugehörige Primärsozialisation durchlebt hat. Nun ist es aber kaum zu schaffen, in mehr als einer Sprache Kind zu sein – noch dazu, wenn ebenjene Kindheit, wie das bei Epiktet der Fall ist, 2.000 Jahre zurückliegt. Damit bleiben einem im Grunde nur zwei Möglichkeiten: Einen Text schlecht zu verstehen, weil man die Sprache nicht mit der sprichwörtlichen Muttermilch (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) aufgesogen hat, oder einen Text schlecht zu verstehen, weil ihn möglicherweise der Übersetzer schon nicht verstanden hat. Tricky! Der naheliegende – und vielleicht einzige – Ausweg: sapere aude – benutz‘ Dein Gehirn! Vielleicht verhält es sich mit altehrwürdigen Sprüchen ja wie sonst nur mit Beton: Es kommt drauf an, was man draus macht. Selber denken macht schlau – und nimmt nun mal kein Ende! Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Mo 15-12-25 Das fünfzehnte Türchen: Frohe Weihnachten – oder was?

Anachronistische Eierplage.

Eier liegen in der Luft, wie’s scheint: Ei is in the air (Bolle featuring John Paul Young 1977) – um das mal neuzudeutschen. Nachdem wir uns gestern mit Ei-risch Breakfast befaßt hatten, kommt nun dieses – eine durchaus anachronistische Eierplage – noch hinzu. Und überhaupt: steckt das Ei nicht auch in so harmlos klingenden Wörtern wie zum Beispiel und nicht zuletzt in W-ei-hnachten?

Um es, passend zur Jahreszeit, mit Professor Crey – dem aus der Feuerzangenbowle (Heinrich Spoerl 1933) – zu sagen: Bolle – sä send etwas albern. Also genug geblödelt. — Neulich beim Wochenendeinkaufsbummel wurde Bolle der Eier-Auslage unseres heutigen Bildchens angesichtig. Wie? Schon wieder Ostern? – war das allererste, was ihm, ohne weiter nachzudenken, blitzeschnelle durch die Sinne schoß. Aber Nein – noch sind wir ja mittenmang mit den Vorbereitungen auf die Menschwerdung des Erlösers der Christenmenschen befaßt. Andererseits: Wenn es Ende August schon Spekulatius gibt – warum sollte dann ein erwerbsfleißiger Einzelhandel Mitte Dezember keine Ostereier haben im Sortiment?

Aber weit gefehlt. Der eigentliche Grund ist dieser: Die gibt’s das ganze Jahr – wie Bolle aus fachkundigem Munde in Erfahrung bringen konnte. Aber warum nur – warum? Nun, offenbar gibt es Leute – und wohl gar nicht mal so wenige, sonst würde es das Angebot nicht geben: insofern ist auf den Kapitalismus Verlaß –, die zwischendurch gerne mal ein gekochtes Ei naschen – und zwar zu jeder Jahreszeit, und ohne jeweils eigens kochen und abkühlen lassen zu müssen. Ein dreifach Hoch auf die Spontaneität! Um nun nicht aus Versehen in ein rohes Ei zu beißen, macht es natürlich Sinn, daß erstere und letztere sich deutlich unterscheiden. Was liegt da näher, als sie farblich kräftig zu markieren? Und so kommt es, daß es Ostereier gibt, die mit Ostern rein gar nichts zu tun haben sollen: Buntes Ei gleich hartgekochtes Ei. Mehr Logik steckt da offenbar nicht drin.

Natürlich mußte Bolle sich fragen, warum ihm derlei nicht früher schon mal aufgefallen war. Aber so kann’s gehen, wenn man schwer fokussiert durch den Supermarkt stürzt – von wegen Einkaufserlebnis. Bolle möchte gar nicht wissen, was es da – neben Ostereier-Mimikry – noch so alles geben mag, dessen er noch wirklich niemals angesichtig wurde. Die Welt ist voller Wunder – durchaus nicht nur zur Weihnachtszeit. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 14-12-25 Das vierzehnte Türchen – der 3. Advent: Irish Breakfast

GuMo – gottgefällig!

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. An dieser Stelle fühlt sich Bolle definitiv auf der sicheren Seite – kann er doch auf das Deuteronomium, das 5. Buch Mose, verweisen, und zwar auf Vers 8, 3, wo es erläuternd ausdrücklich heißt: „ … sondern von allem, was aus dem Mund des Herren geht“. Also auch Whisky.

Irgendwann war Bolle aufgefallen, daß es für seine gelegentlichen Frühstücksgepflogenheiten eines griffigen Begriffes bedarf. Und so kam es dann zum ›Irish Breakfast‹. Dabei hatte sich im Rahmen seiner Feldforschung herausgestellt, daß der Begriff mitnichten auf Befremden gestoßen ist, sondern irgendwie als gegeben angesehen wurde: Irish Breakfast? Kennt man, irgendwie.

Aber Whisky? Das war manchem Mäuschen (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) dann doch too much. Bolles übliche Entgegnung: Sind halt Iren. Was will man machen? In aller Regel war dann Ruhe.

Allerdings gab es auch kritischere Geister, die sich so leicht nicht wollten abspeisen lassen. Whisky gleich zum Frühstück? An dieser Stelle konnte Bolle – meist recht erfolgreich – darauf verweisen, daß es schließlich auch sowas wie Sektfrühstück gebe. Wo bitte sei der Unterschied? Im Übrigen habe er zuweilen so etwas wie eine Kaffee-Allergie.

Woraufhin die ganz Hartgesottenen meinten entgegnen zu müssen, es sei ja wohl ein Unterschied, ob man Sekt zum Frühstück goutiere oder aber „harte Sachen“ wie Whisky. Allein auch hier wußte Bolle zu erwidern: Sein Frühstücks-Whisky bestehe zu einem Drittel aus Whisky und zu zwei Dritteln aus rein veganem Wasser – was im Ergebnis eine Trinkstärke ergebe, die sich durchaus mit der eines üblichen Sektfrühstückes vergleichen lasse.

Aber warum dann Whisky? Warum nicht einfach Sekt? An dieser Stelle pflegt Bolle dann in aller Regel darzulegen, daß Sekt an sich nicht wirklich überlebensfähig sei. Bolle glaubt nun mal an Selektion – und fühlt sich auch hier auf der sicheren Seite. Genau aus diesem Grunde nämlich muß Sekt – nicht anders als Wein im allgemeinen – tüchtig mit Sulfiten gepampert werden. Und? Braucht Bolle Sulfite zum Frühstück? Natürlich nicht.

In den alten Zeiten – das ist wirklich lange her –, als Bolle noch seinen eigenen Wein gekeltert hat, hatte er den Gärungsprozeß so eingestellt, daß der Wein auf 16  bis 17 Prozent kam – ein Wert, bei dem auch die stärkste Hefe ihren Geist aufgibt und der Wein ein stabiles Gleichgewicht erreicht. Lecker war er allemal. Sulfite? In diesem Falle voll verzichtbar.

Spätestens an dieser Stelle war den meisten durchaus helle, daß es furchtbar wenig Sinn macht, sich auf vertieftere Diskussionen mit Bolle einzulassen – außer man will was lernen, of course. Wir hier im Hause wissen, wovon wir reden. Es macht wirklich keinen Sinn. Bolle hat halt so ziemlich immer Recht. Manchmal gruselt es ihm selber – wie wir intern zu wissen glauben. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Sa 13-12-25 Das dreizehnte Türchen: Abendrot im Rauchverbot

Abendrot im Rauchverbot.

Manche warten auf die Post. Andere auf die Bahn. Der wesentliche Unterschied scheint Bolle darin zu bestehen, daß man auf die Post immerhin in der warmen Stube, hinter dem Ofen gewissermaßen, warten kann. Auf Züge dagegen wartet man in aller Regel auf zugigen Bahnsteigen.

Allein auch das kann recht romantisch sein: Dann nämlich, wenn es Sommer ist, der Bahnsteig überhaupt nicht zugig – und die Fügung einem eine regelrechte Sonnenuntergangsidylle direkt vor die Kamera spielt. Für unser heutiges Bildchen mußte sich Bolle seinerzeit nicht einmal bücken – im übertragenen Sinne. Tatsächlich mußte er nicht einmal auf der Bank am Bahnsteig hin oder her rutschen oder sonstige Anstalten machen, die Szene einzufangen. Sitzen und knipsen – das war’s. Das sind Momente, in denen Bolle – aller ausgeprägten Agnostik zum Trotze – doch dazu zu glauben neigt, daß es ein Universum gibt. Um ein Zigarettchen zu rauchen, hätte er sich, zumindest wenn es nach der Bahn geht, dagegen allen Ernstes in eine der einschlägig eingekästelten „Bereiche“ begeben müssen. Schon ist die Skepsis wieder da.

Bei der Bahn gibt es ja die Regel, die besagt, daß ein Zug dann und nur dann als verspätet gilt, wenn er sechs Minuten (genauer: 5‘59‘‘) oder mehr hinter dem Fahrplan herhinkt. Als ob es der Bahn ansonsten jemals auf ein Sekündchen ankäme. So oder so – Bolle hält das für ein recht kurioses Konzept von Pünktlichkeit.

Übrigens wäre nach dieser Definition auch das eingefangene Sonnenlicht verspätet gewesen – und zwar um gut acht Minuten sogar. Und das bei völlig freier Strecke zwischen Sonne und Erde – und praktisch ohne jede Masse im Wege, die die schnurgerade Bahn des Lichtes würde übergebührlich zu krümmen vermögen.

Selbst wenn wir Bolles Theorem – Das Universum existiert – würden folgen wollen: Einfach ist das alles nicht – nicht in diesem Universum. So ist Bolle angelegentlich im Netz über einen Nutzer gestolpert, der von einer KI wissen wollte, wieviel Jahre denn ein Lichtjahr sei? – und dem völlig zutreffend zur Antwort ward, daß ein Lichtjahr irritierenderweise leider keine Zeiteinheit sei. Bolle meint, jetzt fehlte nur noch, daß so einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) Ingenieur wird und bei der Bahn für die Fahrpläne verantwortlich zeichnet. So leicht und lässig nämlich könnten sich letzte Fragen lösen, wenn man nur genauer hinguckt. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Fr 12-12-25 Das zwölfte Türchen: Post-Crashing

Tragische Weihnachtszeit.

Nach unserer gestrigen Humoreinlage wollen wir heute, rein aus Gründen der Ausgewogenheit, auch die tragische Seite der Weihnachtszeit nicht zu kurz kommen lassen. Auch wollten wir uns dieses Jahr eigentlich deutlich kürzer fassen. Allein die Zeit der guten Vorsätze kommt ja erst noch.

Ursprünglich sollte unser heutiges Türchen ja ›Post-Bashing‹ heißen. Allein Bolle fand, ›Post-Crashing‹ treffe es wohl noch besser. Was nämlich wäre die schönste Weihnachtszeit, ohne nicht wenigstens einmal tüchtig auf der Post herumzuhacken?

Unser Bildchen zeigt einen stolzen, stattlichen und ursprünglich völlig intakten Nikolausi, der aber, wie’s scheint, im Verlaufe einer Reise – womöglich mit einer Postkutsche gar? – seine strukturelle Integrität so ganz und gar hat fahrenlassen müssen. Bolle findet ja, es bedürfe schon einer gewissen kriminellen Energie – zumindest aber überschießenden Kreativität –, um einen von einem Postpäck im Grunde doch wie in Abrahams Schoß behüteten Nikolausi derartig „nachhaltig“  (Hülsenfrucht, ick hör dir trapsen) zu frakturieren.

Längst nicht so kreativ war die Post übrigens bei ihrer eigenen Namensfindung. DHL steht für Dalsey, Hillblom und Lynn, den Namen der Gründer eines Yankee-Start-Ups, das sich die Post seinerzeit unter den Nagel gerissen hat. Bolle meint: Wenn einem sonst nichts einfällt – bitteschön: dann eben so.

Übrigens gebietet es die journalistische Sorgfalt, darauf hinzuweisen, daß diese Nikolausi-Tragödie auch schon wieder zwei Jahre zurückliegt. Allerdings hat sich in der Zwischenzeit wenig zum Besseren gewendet. Es ist und bleibt ein Abenteuer mit den Postkutschen dieser Welt – und zwar alle Jahre wieder. Also immer feste druff.

Auf dem fein säuberlich drapierten Kärtchen sehen wir übrigens Bolle beim Meditieren in seiner Mupfel. Dabei handelt es sich natürlich um ein Symbolbild, of course. Bolle hat, im Gegensatz zu ganz, ganz früher, längst nicht mehr so große Ohren – was allerdings seine Fähigkeit, das sprichwörtliche Gras wachsen zu hören, offenbar nicht weiter beeinträchtigt hat. Heute nennt er’s Urteilskraft. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Do 11-12-25 Das elfte Türchen: Hirnschmalz und Humor

Der Absatz vom Schuh vom Kanu vom Manitu.

Zugegeben: so richtig weihnachtlich ist auch unser heutiges Türchen nicht. Allerdings meint Bolle, ein bißchen was zum Kontemplieren, zumindest aber doch zum Reflektieren, könne wohl kaum schaden – auch nicht in der Weihnachtszeit.

Bolle hatte sich seit Oberstufenzeiten schon gefragt, woher es wohl kommen könne, daß exaktemente genau die Leute, die Bolle in durchaus etwas arroganter Manier – gleichwohl aber mit einem gerüttelt Maß an Demut, of course  –  für ein wenig denkbehindert hält, sich gleichzeitig durch eine augenfällige Humorlosigkeit auszeichnen. Gibt es womöglich einen verborgenen, nachgeradezu okkulten gar, Zusammenhang zwischen Hirnschmalz und Humor?

Wie das Leben so spielt, hat es Bolle neulich die Programmabkündigung für ›Das Kanu des Manitu‹ (D 2025 / Regie: Michael ›Bully‹ Herbig) – einem, wie soll man sagen, Aufguß von ›Der Schuh des Manitu‹ (D 2001) – in die Timeline gespült. Das Original gilt immerhin als einer der erfolgreichsten deutschen Filme seit 1945. Was den Humorgehalt der beiden Streifen angeht, möchte Bolle lieber stille schweigen, of course.

Ganz großes Kino dagegen ist das zu unserem Bildchen gehörige Statement der Betreiber. Dort heißt es, man nehme den Film aus dem Programm, da es sich dabei um eine kulturelle Aneignung handele, die im übrigen auch nicht mehr zeitgemäß sei. Bolle meint ja immer, ›nicht zeitgemäß‹ sei das neue ›nicht gottgefällig‹, mit dem Pfaffen aller Couleur ihre Schäfchen jahrhundertelang zur Ordnung gerufen haben. Auch entschuldige man sich für eventuelle emotionale Verletzungen, die sich womöglich bereits durch den Trailer oder das bloße Lesen des Filmtitels gar ergeben haben könnten.

Allen Ernstes. So steht das da. Bekanntlich ist das gemeine Hülsenfrüchtchen ja sowas von sensibel. Weiterhin heißt es, man verstehe sich als sicheren Raum – schon wieder so ein humoriges Highlight – in dem keine, so wörtlich, unbeaufsichtigte Pointen geduldet würden.

Eine ›unbeaufsichtigte Pointe‹. Da muß man erst mal drauf kommen. Ganz großes Kino, wie gesagt. Daß in der Abkündigung vom ›Kanu des Manitou‹ statt, wie der Filmtitel nun mal heißt, vom ›Kanu des Manitu‹ die Rede ist, sei nur am Rande erwähnt – kann Bolles Verdacht einer möglichen kognitiven Mangellage aber nur unterfüttern. Doch laßt uns nicht kleinlich sein. Irren ist nun mal menschlich.

Roger Köppel, der große Journalist der kleinen Schweizer Zeitung, hat in diesem Zusammenhang für einen Anstoß gesorgt, als er meinte, jedweder Humor benötige eine gewisse Fallhöhe. Wenn aber der Geist der Zeiten will, daß alles und ein jegliches (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) per se unterschiedslos gleich zu sein habe – Bolle würde das im Ergebnis glatt ›niveaulos‹ nennen –, dann sei es eben Essig mit Fallhöhen jedweder Art – und damit auch mit Humor. Das übrigens würde umstandslos erklären, warum auf die Spitze getriebener Sozialismus – hier im Sinne von ›Gleichmacherei‹ – notwendigerweise humorlos sein muß. Ob er daneben auch noch witzlos ist, sei hier mal dahingestellt.

Kurzum: Macht alles platt, was sich in irgendeiner Weise abhebt: Nein, nein, nein – das darf nicht sein. Und wenn es schon nicht so ist, dann tut wenigstens so. Alles andere wäre schließlich diskriminierend (wörtlich – und entlarvend harmlos: ›unterscheidend‹) und könnte so manch Sensibelchen doch arg verdrießen in seiner durchplanierten Welt. Das durchzuhalten ist zwar wenig praktikabel – aber immerhin ist es humorlos. Und was tut man nicht alles für ein besseres Universum? Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.