So 22-03-26 Dringlich, oh so dringlich sein

Dringlich, oh so dringlich sein …

Der Titel unseres heutigen Sonntagsfrühstückchens ist angelehnt an das – zumindest nach Bolles Befund – ebenso inoffizielle wie zeitlos knackige Motto der Erstausgabe der ›Titanic‹ vom November 1979: Böse, oh so böse sein! Das allerdings ist mittlerweile auch schon wieder länger her. Aber so ist das nun mal mit der Rezyklierbarkeit von Klassikern: Einer geht noch! Nicht immer, aber öfters mal.

Auch wollen wir uns – nach den doch etwas schwereren Frühstückchen der letzten Wochen – heute wieder mehr der leichten Muse zuwenden und dabei – rein aus Gründen der Äquilibristik – zur Abwechslung mal wieder etwas kürzer fassen.

Vielleicht ist Bolle ja einfach nur zu empfindlich. Allein es gibt Dinge – durchaus auch Kleinigkeiten –, die stoßen ihm doch eher übel auf. So etwa die Meldung, die einem aufs Handy gespült wird, wenn man einen Blick auf sein Postbank-Konto werfen will. Das Procedere geht wie folgt: Man meldet sich mit seinen Benutzernamen („ID“) an und muß dann – so viel Sicherheit muß sein – via Handy ein Paßwort eingeben, um damit ins System zu kommen.

So weit, so gut. Allein – was soll das ›Dringlich‹ in unserem Schildchen? Handelt es sich doch um ein und denselben Arbeitsschritt. Man  w e i ß  doch, daß man sich anmelden will. Jetzt! Umgekehrt: Was würde passieren, wenn man die Paßwort-Eingabe, von wegen abgelenkt sein oder so, schlichtweg versemmelt – die Dringlichkeit also schlechterdings ignoriert? Eben. Nichts. Man erhält die Meldung ›BestSign Freigabe abgebrochen‹ und muß sich dann halt erneut anmelden – und zwar dieses mal richtig. Gemessen an dem Aufwand, den man mit dem Procedere ohnehin hat, ist das durchaus eine Petitesse.

Und so hat Bolle den Eindruck, daß es sich hierbei eher um so eine Art von habitualisiertem Unter-Strom-Stehen handeln könnte. Die halbe Welt krankt daran – zumindest die westliche Hemisphäre.

Mit ›vita contemplativa‹ – einem besinnlichen beziehungsweise gar besonnenen durchs Leben schweben – hat das so rein gar nichts mehr zu tun. Auch nicht mit seinem Gegenstück ›vita activa‹, dem tätigen Leben – ein Begriff, den Hannah Arendt mit dem deutschen Titel ihres Hauptwerkes (1958/1960) repopularisiert hat. Man  t u t  ja im Grunde nichts – außer wie ein Blatt im Winde von Dringlichkeit zu Dringlichkeit zu wirbeln. Bolle meint, das alles lappe doch schon sehr in so eine Art ›vita furiosa‹ – ein durchhuschtes oder gar durchhecheltes Leben. Nun denn – jeder, wie er kann und mag.

Diese drei – wie soll man sagen? – Lebensformen trefflich auf den Punkt gebracht hat übrigens die auch schon wieder über hundert Jahre alte typisch Berliner Proposition ›Raste nie und haste nie, sonst haste die Neurasthenie‹ (vgl. dazu etwa So 15-09-24 Volk unter Strom). Und laß Dich vor allem nicht von Dringlichkeiten durchdringen – wie Bolle hier ergänzen möchte.

Die Chinesen – wie die meisten fernöstlichen Philosophien überhaupt – haben hierfür ein sehr schönes Bild: ›Seine Mitte verlieren‹ beziehungsweise ›Seine Mitte verloren haben‹. Bolle meint, dann muß man sie halt wiederfinden. Etwa, indem man sich getreulich der 12chen annimmt – Stichwort ›Living Yoga‹ (vgl. dazu unsere vier Beiträge aus Dezember 2023 – aufzufinden unter dem nämlichen Suchbegriff). Man möchte fast sagen: Nicht nur Lidl lohnt sich. Doch verklickert das mal einem Hülsenfrüchtchen oder, nicht minder dramatisch, einem Glühwürmchen: Wie bitte? Welche Mitte? Da kannste nu ma nüscht machen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

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