Fr 04-10-19 Klima Kölsch

Er ist der anarchistische Bruder von Greta Thunberg. Sie redet, er zündelt. Sie fordert, er sendet verstörende Botschaften: Klimaschutz sei „größer als die Demokratie“, sagte er jüngst im „Spiegel“.

Gefunden in Gabor Steingarts Morning Briefing. Gemeint ist Roger Hallam, einer der Mitbegründer der Klimaschutzbewegung „Extinction Rebellion“. Die dazu gehörige Gretchenfrage – Wollen wir die Demokratie retten oder das Klima? – hat in dieser Klarheit wohl als erster Jan Fleischhauer aufgeworfen. Dafür gebührt ihm Dank. Aber vielleicht ist er ja einfach nur übermäßig pessimistisch gestimmt. Das natürliche Gegengift gegen solchen Defätismus findet sich in Artikel 3 vons „Rheinisch Jrundjesetz“: „Et hätt noch emmer joot jejange.“ Da haben wir doch alles zusammen, was man für einen gelungenen Weltuntergangs-Cocktail braucht. Im günstigsten Falle übt sich das Klima in Langmut und wartet zu, bis die aufrechten Demokraten mit ihrer kaum zu leugnenden sprichwörtlichen Lahmarschigkeit in die nicht minder sprichwörtlichen Pötte kommen. Das wäre Artikel 3. Oder aber das Klima tut genau das nicht: Damit wären wir in der Tat und unversehens bei der Fleischhauer-Doktrin. Ausgang vorerst offen. In the long run ist natürlich klar, wer gewinnt: Bislang zumindest war es immer das Klima. Zwar hat das Klima seinerzeit nicht die römische Demokratie vom Platz gefegt, sondern lediglich die römischen Kaiser (Stichwort: Völkerwanderung). Das allerdings dürften aus Klima-Sicht lediglich historische Peanuts sein. Damit aber wären wir bei Artikel 2: „Et kütt, wie et kütt.“ –  oder, wiederum in the long run, Artikel 4: „Wat fott es, es fott.“ Das indessen spitzt sich zu auf die Frage: Wat es fott? Klima oder Demokratie? Aber das ist ein anderes Kapitel.

Sa 12-10-19 Brexit

Bernhard und der Brexit

„Bernhard und der Brexit“. Mit diesem Titel macht eine Zeitung, die sich selber für ein Qualitätsblatt hält, allen Ernstes auf. Brexit kennen wir. Aber wer ist Bernhard? Bernhard ist, wie sich herausstellt, ein LKW-Fahrer, der sein Leben damit verbringt, von Niedersachsen nach England zu fahren, und zurück, und wieder hin und wieder zurück. Er selbst hält das für „Freiheit“. Bolle hält das für Sisyphos. Aber was soll’s: Jedem Tierchen sein Pläsierchen. Übrigens – auch das erfahren wir, ist Bernhard „ein ruhiger Mittfünfziger mit Henriquatre-Bart und Geheimratsecken“. Wie gesagt: Wir befinden uns hier inmitten einer Titelgeschichte einer angeblichen Qualitätszeitung. Bolle meint: Geht’s noch?

Ein harter Brexit würde nicht nur sein Leben abrupt verändern, sondern auch den Handel in Europa.

Was will der Autor uns damit sagen? Daß ein harter Brexit von Übel ist, weil er Bernhard aus seinem Trott reißen würde? Oder weil er zumindest „den Handel in Europa“ verändern würde, und zwar „abrupt“? Der „Handel in Europa“, so erfahren wir, ist

„eine Maschinerie aus Abertausenden Trucks, die Nacht für Nacht vom Kontinent ins Vereinigte Königreich rollen, immer entlang fein austarierter Zeitpläne.“

„Abertausende Trucks“, und das „Nacht für Nacht“. Und obendrein „fein austariert“. So etwas ist natürlich definitiv erhaltenswert. Fragt Greta. Und warum ist das so?

„Just in Time“ heißt das Fertigungsprinzip. Es spart Lagerkosten und kann die Produktivität steigern.

Daß „Just in time“ Lagerkosten spart, ist unbestritten. Und? Was macht es sonst noch so? Die Lagerkosten verschwinden natürlich nicht einfach – sie verlagern sich lediglich auf die Autobahn, Nacht für Nacht. Tagsüber übrigens auch. Da freut sich der Unternehmer und die Allgemeinheit zahlt die Zeche. „Externalisierung von Kosten“ nennt das der Fachmann – der sich dabei übrigens nicht einmal mehr wundert. Auch die Laien haben ja längst aufgehört zu staunen. Daß es aber die Produktivität steigern soll, wenn Bernhard Stunden über Stunden – im Grunde sein ganzes Berufsleben – mit den „immergleichen 84 km/h auf dem Tacho“ über die Autobahn geistert, mag getrost bestritten werden. Indes: „Produktivitätssteigerung“ klingt immer gut.

Joostberends tuckert über eine Nebenroute: Auf der Autobahn staut sich der Verkehr selbst zu normalen Zeiten. Kaum breiter als sein Scania ist das Sträßchen, Schlagloch an Schlagloch.

„Joostberends“ – so heißt Bernhard mit Nachnamen. Das also ist Bernhards Konzept von „Freiheit“: Über Straßen zu tuckern, die für Fußgänger und Pferdekutschen ausgelegt sind – aber nicht für Bernhards 40-Tonner. Auch das ist definitiv eine Externalisierung von Kosten.

Was also ist zu tun? Gar nicht mal soo viel: Erstens: Wir machen Schluß mit dem ganzen Just-in-Time-Crap. Wer Lager braucht, soll Lager bauen – und zwar nicht auf der Autobahn und auch nicht auf irgendwelchen „Sträßchen“ in Südengland. Zweitens: Wer produzieren will, soll produzieren – und nicht Bauteile zusammenschrauben, die er in ganz Europa zusammengekauft hat. Drittens: Wenn es sich ausnahmsweise nicht vermeiden läßt, Zwischenprodukte über weitere Strecken zu transportieren, dann doch bitte nicht mit Bernhard – es sei denn, Bernhard schult um zum Lok-Führer.

Noch knapp drei Wochen bis Halloween.

So endet der Beitrag. Daß ausgerechnet zu Hallowe’en ein Spuk auch mal enden könnte – das ist die erste gute Nachricht. Und daß ausgerechnet die Briten einen Beitrag dazu leisten werden – Iren mit ihrem Hallowe’en sind ja zumindest assoziierte Briten –, das ist die zweite. Gruß an Greta. Aber das ist ein anderes Kapitel.

Mein erster Beitrag

Heute ist Dienstag, der 9. Juli 2019. Mein erster Beitrag hier. Det Wetter is zwar n büschen schiete — aber besser als zu heiß …