
Ja, was ist d a s denn schon wieder für ein Titel? Nun, daß hier und heute gehörig der Wurm drin ist, hatten wir ja verschiedentlich schon erwähnt – zuletzt wohl erst im Februar (vgl. So 08-02-26 Könner versus Kasper (KvK)). Dieser Tage mußte Bolle einmal mehr an das herrlich drastisch-plastische Bild bei ›Wag the Dog‹ (USA 1997 / Regie: Barry Levinson / mit Dustin Hoffmann und Robert de Niro) denken – so wie es sich in unserem heutigen Schildchen in Bolles Auf-den-Punkt-gebracht-Übersetzung findet. Außerdem gibt es, namentlich bei den Yanks, die anschauliche Wendung ›When the shit hits the fan‹ – also in etwa ›Wenn die Scheiße durch den Lüfter fliegt‹. Man kann sich das gar nicht drastisch/plastisch genug vorstellen. Es ist fast so krass wie manche der Zustände selbst. Und so kam Bolle nach dem dritten Bier auf die Idee, beides in so einer Art alliterativen Metaphern-Melange zu verquirlen und den ›Wurm im Ventilator‹ draus zu machen. Damit wäre das also auch geklärt.
Man stelle sich vor, man wäre ein Klempner – oder man sähe einem Klempner auch nur bei der Arbeit zu. Man muß nämlich selber nicht unbedingt Handwerker sein, um erkennen zu können, ob einer seinen Job ordentlich macht – oder ob er die nötigen Bedingungen dafür setzt, daß einem bald die Scheiße um die sprichwörtlichen Ohren fliegen wird.
Bolle hatte mal ein einschlägiges Erlebnis. Das ist zwar schon in etwa hundert Jahre her – aber jene Begebenheiten damals – rein zufällig just im Wonnemonat Mai – sollten ihm unvergeßlich im Gedächtnis bleiben. Die Therme war im Eimer. Heißes Wasser? Dusche? Wannenbad? Alles Fehlanzeige. Heizung? Braucht zum Glück kein Mensch im Mai. Allein, der Hausmeister wußte Rat. Er kam mit einem seiner Kumpels vorbeigeschneit. Der Kumpel meinte genau zu wissen, was in etwa zu tun sei. Und so werkelte er an der Therme hin, und so werkelte er her. Hin und her. Trial and error. Bolle fand sich derweil assistierenderweise mit einer Baby-Badewanne in luftiger Höhe auf einer Leiter wieder, um weisungsgemäß die Wasserrohre gefühlt hektoliterweise zu entlüften – derweil der Kumpel an der Therme fröhlich weiter am Werkeln war. So ging das mindestens zwei Stunden. Nur gut, daß Bolle seinerzeit nicht von der Leiter geflogen ist mitsamt seiner dreiviertels gefüllten Baby-Badewanne. Irgendwann jedenfalls wurde dem Hausmeister – und selbst dem Kumpel – dann doch irgendwie helle, daß das alles so nicht funktionieren kann und wird. Und so wurde – damals ging das noch binnen weniger Tage – ein echter Könner einbestellt. Könner statt Kumpel. Verkleidung von der Therme ab, ein paar Läppchen ausgebreitet, um die Anrichte nicht zu beschmutzen, Meßgeräte raus, Check hier, Check dort. Es war eine Freude zuzusehen. Nach etwa einem Viertelstündchen verkündete der Meister sein Verdikt: „Systemelement XY is ausjefallen und muß ausjetauscht werden. Ick hab noch eens im Wagen.“ Sprach’s, ging runter auf die Straße, kam mit dem Teil zurück, tauschte es mit wenigen gekonnten Handgriffen aus – und die Therme war wieder wie neu. Ohne Akrobatik auf der Leiter, ohne Baby-Badewanne, ohne jeden Blödsinn. — Bolle war entzückt. Einem Meister bei der Arbeit zuzusehen hat etwas geradezu Erhebendes. Allerdings sollte man dabei tunlichst andächtig schweigen. Gequatsche nämlich mögen Meister bei der Arbeit gar nicht. Zum Glück war Bolle das damals schon klar.
Von hier aus aber ist es nur ein Katzensprung zum Straßenkehrer-Theorem (vgl. dazu etwa So 16-11-25 Disruptive dolle Dinger). Im Kern geht es dabei um die Sichtbarkeit der Unfähigkeit: Je einfacher eine Verrichtung, desto leichter läßt sich erschließen, ob einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) seinen Job kann oder ob er nicht möglicherweise drauf und dran ist, die sprichwörtliche Kacke demnächst zum Dampfen zu bringen. Bei komplizierteren Verrichtungen merkt man das naturgemäß erst sehr viel später – falls überhaupt. Und dann ist es womöglich zu spät.
Und weil das so ist, braucht man – zumindest hierzulande ist das so – für alles und jedes eine einschlägige Ausbildung. Nichts soll man tun dürfen, wenn man‘s nicht gelernt hat – und zwar rein gar nichts. Auf diese Weise will man Sorge tragen, daß kein Hülsenfrüchtchen furioserweise überschnappen möge. Besser isset wohl – zumindest im Ansatz.
Allein – es gibt ein paar gewichtige Ausnahmen: Kinder großziehen zum Beispiel darf jeder Depp – ohne auch nur einen Hauch von Ahnung, Einsicht, Lebenserfahrung oder sonstwas zu haben. Geschäfte führen darf ebenfalls jeder – der Markt wird’s hoffentlich schon richten. Und – nicht ganz unwichtig und nicht ganz zuletzt– ein Land regieren darf natürlich auch jeder. Ob der das kann, sehen wir dann. Die Geschichte wird’s ganz sicher richten. Post festum nämlich, nach der Party, ist es naturgemäß zu spät. Dann hat das Volk halt Pech gehabt! Sagen wir so: es ist zum Mäusemelken.
Kurzum: Bolle hat das sehr, sehr ungute Gefühl, daß es sich bei einem großen Teil des gegenwärtigen hochgespülten ›Wir-schaffen-das‹-Polit-Personals um Leute handeln könnte, die man unter normalen Umständen – und um im Bilde zu bleiben – nicht einmal damit betrauen wollte, auch nur den Hof zu fegen. Aber regieren? Kann ja wohl jeder, wenn er sich nur erfolgreich durch den Parteien-Proporz durchgewuselt hat. Könnte man meinen. Könnte man aber auch betrüblich finden. Aber vielleicht sieht Bolle das alles ja auch einfach nur viel zu streng. Indes: Lasziv-leistungslose Arroganz war noch nie so recht nach seinem Geschmack. Da nützt es auch nichts, das eigene Unvermögen mit imposanter Geste verbal gehörig aufzuhübschen beziehungsweise gar aufzubauschen – ganz nach dem Motto: Labern makes the world go round (Bolle featuring Liza Minnelli 1972). Tut es nicht! Und falls doch, dann nur höchst vorübergehend. Oder, featuring Buddha: Leben heißt labern. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.
