
Ein heikles Thema heute – das ist Bolle klar. Allein: was soll’s? Haben nicht auch heikle Themen ihre Existenzberechtigung? Als Kate Moss 2009 mit ihrem Spruch herauskam, war die allgemeine Empörung größer als sie es wohl hatte ahnen können. ›Sie rede der Magersucht das Wort‹ war wohl noch eine der harmloseren Reaktionen. Allein darum soll es uns hier gar nicht gehen. Soll doch jeder (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) machen, was er will. Bolle hält sich da tunlichst raus.
Gleichwohl scheint es so zu sein, daß der Umgang mit Kargheit evolutionär angelegt ist. Daß es jeden Tag was zu futtern gibt, mehrmals täglich sogar, ist entwicklungsgeschichtlich sozusagen der neueste Schrei. Da muß man sich erst dran gewöhnen. Nur wie?
Bolle ist ja eher minimalistisch inspiriert. Im übrigen hat er einen gewissen Hang zu exzentrischer Ästhetik. Und so kam es, daß er eines Tages feststellen mußte, daß bei seinem Lieblingsgürtel, den er seit rund hundert Jahren täglich anhat, das erste Loch auszufransen drohte. Als er ihn seinerzeit gekauft hatte, war das fünfte und letzte Loch das passende. An solchen Kleinigkeiten merkt Bolle, fernab aller Kalorienzählerei, daß sich da auf die ganz lange Sicht doch etwas in eine ganz falsche Richtung zu bewegen scheint. Um es mit Reinhard Meys ›Das Geheimnis im Hefeteig oder der Schuß im Backofen‹ (1971) lyrisch zu fassen:
🎶 Soweit ich mich noch erinnern kann
Fing alles mit meinem Gürtel an
Meinen Gürtellöchern, genauer gesagt
An einem 12. war’s, an einem Donnerstag 🎶
Jedenfalls hat Bolle seinen Lieblingsschuster aufgesucht, sich bitter beklagt und um Abhilfe gebeten. Der Schuster, ein durchaus frecher, aber grundehrlicher Sachse, strich sich über sein wohlentwickeltes Bäuchlein – wohl um damit anzudeuten, daß da die Wurzel allen Übels liegen und jede Schusterkunst an ihre Grenzen stoßen könnte. Bolle hatte verstanden.
Was tun? Nun, angesichts seiner rudimentären anthropogenetischen Grundkenntnisse fühlte er sich glatt veranlaßt, seinen Senf zu Kate Moss’ Spruch dazuzutun (siehe unser Schildchen) – und vor allem fürderhin zu beherzigen.
Und? Die Moral von der Geschicht? Sagen wir so: Das Universum reagiert. Oder: Yoga funktioniert. Oder wie auch immer. Zwar soll man auch hier nichts übertreiben. Eine gewisse langmütige Entschlossenheit – Creating a Life Practice, wenn auch mit gelegentlichen Unterbrechungen (vgl. dazu So 01-02-26 Yoga für Agnostiker) – bleibt aber offenbar nicht ohne Wirkung. Das eitle Problem mit dem ersten Gürtelloch jedenfalls hat sich zwischenzeitlich erledigt. Bolle steuert munter auf das fünfte zu. Wäre ja gelacht! Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.
