
›Fake News‹ kennt jeder. Spätestens seit Donald Trumps Kampf um die Präsidentschaft (2016) ist das so. Allerspätestens aber seit seinem der CNN entgegengeschleuderten Statement ›You are fake news‹ (2017) ist der Begriff (nebst all seiner Derivate) fester Bestandteil der deutschen Sprache.
Was aber sind ›Ache News‹? Ache News – abgeleitet von angelsächsisch ›ache‹, was soviel wie ›Schmerz‹ bedeutet und sich aufs Feinste auf ›fake‹ reimt –, sind Nachrichten, die beim Rezipienten, wenn schon nicht direkte Schmerzen, so aber doch zumindest einen gewissen Grusel auslösen sollen. Und Grusel lieben die Leute nun mal. Vermutlich hat das was mit Aufmerksamkeitsökonomie zu tun: ›Sex sells‹ – das kennen wir seit jeher. Aber offenbar scheint auch zu gelten: ›Ache sells‹.
Der Unterschied zwischen Grusel und echter Gefahr: Bei echter Gefahr kann es einem schnell ans Leder gehen. Und wer will das schon? Beim Grusel dagegen bleibt man kuschelig dissoziiert. Man weiß, man ist nicht unmittelbar betroffen. Darum ja auch die vielen Krimis in den Öffis. Von den Splatter-Filmen, wo das Blut nur so spritzt, mal ganz zu schweigen. Niemand möchte das hautnah erleben. Aber kieken – ganz auf Entfernung – kann man ja mal. Grusel, eben. Aus dem wirklichen Leben kennen wir das Phänomen der Schaulustigen, der Gaffer gar, die von jedem Unglück angezogen werden die Fliegen von der sprichwörtlichen Scheiße.
Da wird aus einem, historisch gesehen, höchst harmlosen leichten Temperaturanstieg medial vermittelt eine dramatische „Erderhitzung“, da „entzünden“ sich die Wälder bei schlappen 40° C. Bolle fragt sich, wie es nur sein kann, daß es sein Kochlöffel seit geschätzten 100 Jahren aushält, ständig durch knapp 100° C warme Speisen gerührt zu werden, ohne je in Flammen aufzugehen? Aber bleiben wir sachlich.
Eine interessante Erklärung für die verbreitete Grusel-Affinität findet sich bei ›Matrix‹ (USA 1999 / Regie: Wachowski Brothers). Dort heißt es in einem Monolog des Agenten Smith:
Wußten Sie, daß die erste Matrix als perfektes Paradies geplant war? Ein Ort, an dem alle glücklich waren und niemand leiden mußte. Es war ein Desaster. Niemand akzeptierte das Programm. Ganze Ernten gingen uns verloren. Mittlerweile glaube ich, daß die Menschen ihre Realität durch Kummer und Leid definieren.
Kummer und Leid. Sagen wir so: Lieber Grusel als gar nichts spüren. Erinnert das alles nicht doch sehr an eine mappa mundi friata? (vgl. dazu So 31-05-26 Mappae mundi variae – Was es doch alles gibt auf der Welt). Bolle meint: Womöglich doch ein Fehler in der Matrix – ein Fehler der tieferen Art?
Natürlich würde niemand sagen, daß er Leid und Elend braucht zum Leben. Im Gegenteil: Man strebt nach Glück – und hat sogar ein Recht darauf. In der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung (1776) finden wir das sogar schriftlich: ›Life, Liberty and the pursuit of Happiness‹. Allein – was redet Salomo? Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Moral Panic and Fear-Mongering: Dient Angst der Einordnung oder ersetzt sie diese? Angst ist nun mal ein zuverlässiger „Trigger“ für Aufmerksamkeit und Handlungsdruck (s. Maslowsche Bedürfnispyramide).
›Angst? Don’t talk to me about Angst‹ (Bolle featuring Marvin, den neurotischen Robot aus dem Anhalter durch die Galaxis 1978). — ›Angst ist ein schlechter Ratgeber‹ (Der alte Indianer).