So 16-08-26 Wenn die SoFi zweimal schlingelt

SoFi in Niederösterreich (Fritz Bachner 2026: Spitze auf der Spitze).

Heute wollen wir uns – zum einen aus aktuellem Anlaß, zum anderen und vor allem aber, weil unsere letzten Sonntagsfrühstückchen manchem (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course), wie wir hörten, doch eher etwas schwerer verdaulich haben erscheinen wollen – mit etwas leichterer Kost begnügen.

Letzten Mittwoch war mal wieder eine SoFi – nicht nur am Himmel über Berlin. Unser heutiges Bildchen zeigt sie über der Basilika in Sonntagberg in Niederösterreich. Mit etwas finsterer Phantasie könnte man hier durchaus nicht nur eine ›Spitze auf der Spitze‹ erkennen (wie der Künstler meint), sondern, tout au contraire, ein Menetekel für die Islamisierung des Abendlandes. Aber Nein: Derlei Dingen wollen wir uns heute enthalten. Also Schluß damit.

Die letzte Sonnenfinsternis, an die sich Bolle lebhaft erinnern kann, war jene im August 1999 mit einer Abdeckung von knapp 87 Prozent.  D a s  war noch was: Mitten am hellen Vormittag verfinsterte sich die Sonne, es wurde schlagartig dunkler und auch sehr viel kühler. Man konnte sie einfach nicht überspüren, die SoFi –  m i t  Ausrüstung oder ohne. Sie war einfach da.

Bolle fühlte sich seinerzeit natürlich sofort an die Schlacht am Halys (585 v. Chr.) erinnert. Seinerzeit standen sich zwei der damaligen Großmächte – die Meder (Vorfahren der Perser) und die Lydier (ein Volk, das sich dann aber zunächst unter den Griechen und schlußendlich unter den Römern rückstandsfrei hat auflösen sollen – sehr zum Unmut der damals Herrschenden, vermutlich, aber so geht nun mal Geschichte) waffenstarrend gegenüber, und tüchtig zu meucheln, das war ihr Sinn. Dann aber kam die SoFi – also eine  r i c h t i g e , eindrucksvolle SoFi – und aus  w a f f e n starrend wurde von jetzt auf gleich  e r starrend. Man kam nach kurzer Erörterung der Lage zu dem Schluß, daß der Fluß Halys schließlich eine naturgegebene, nachgeradezu natürliche Grenze sei, die anzuerkennen wohl keine schlechte Idee sein würde – und ließ alles Meucheln fahren. So einfach kann es gehen, wenn man nicht allzu verstockt ist und man sich einen gewissen Respekt – beziehungsweise eine gewisse Demut gar – vor höheren Mächten bewahrt hat.

Diesmal aber war alles anders. Zwar sollte die Abdeckung mit 85 Prozent ganz ähnlich sein wie seinerzeit in Göttingen. Aber eine Finsternis, bei der rein gar nichts finster is? Das einzige, was hier stimmt, sind Reim und Rhythmus. Alles andere ist ein Widerspruch in sich.

Das Bemerkenswerteste aber: Vollends beschäftigt mit der Justage der Technik, war Bolle zunächst gar nicht aufgefallen, daß von Finsternis überhaupt keine Rede sein konnte. Sagen wir so: Wenn er nicht gewußt hätte, daß er gerade Zeuge einer Sonnenfinsternis ist: Er hätte nichts bemerkt – und zwar rein gar nichts. Ist doch nicht seriös …

Der Himmel über Berlin. (Bolle featuring Wim Wenders 1987).

Hier sehen wir immerhin einen Hauch von SoFi. Wenn man in die Sonne guckt: Links unten ist es deutlich dunkler. In der Vergrößerung sieht sie übrigens aus wie ein daherfliegender flauschiger Tennisball in Rot. Im Hintergrund (oder müßte es nicht besser heißen: im Vordergrund?) sieht man (höchst unscharf, aber bitteschön) ein Stück Berliner Häuserschluchten – dank Bolles exponierter Position im siebenten Stock fast schon aus der Vogelperspektive. Darüber zeigt sich der übliche Berliner Sonnenuntergang – mit allem abendlichen Streulicht, das er nur aufzubieten hat. Das Streulicht nämlich war – wie soll man sagen? – der Fehler in der Matrix. Das Sonnenlicht hat in der Abenddämmerung einen elend langen Weg durch die Atmosphäre hinter sich – und macht dabei das Naheliegende: Es streut und streut und streut. Die direkte Sonneneinstrahlung und damit eben auch der Abdeckungsgrad geraten dabei völlig unter ›ferner liefen‹. Unter diesen Umständen, da ist sich Bolle sicher, hätten die Meder und die Lydier munter weitergemetzelt.

Kurzum: Zwar hatte die Sonnenfinsternis diesmal schon einiges mit der Sonne, aber nur wenig mit einer Finsternis zu tun. Allein wo bleibt das Positive? Das Positive ist, daß wir in diesem Falle unmöglich die Regierung dafür verantwortlich machen können. Die nämlich befindet sich in den Sommerferien – da kann sie wenigstens nur wenig Schaden anrichten – und hat damit diesmal wirklich rein gar nichts zu tun. Oderr? (wie die Schwiizer sagen). Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert