
Bolle hegt ja seit langem schon die Befürchtung, daß die eigentliche, die elementare Spaltung, die sich durchs Land zieht, jene ist zwischen den mächtig Dummen und den (nur) mäßig Dummen (vgl. dazu etwa So 03-08-25 Eritis sicut Deus, scientes veritatem et falsitatem). Dort hieß es: Ein klitzekleines bißchen dumm sind wir ja wohl alle. Allein man sollte auch hier nichts übertreiben. Bolle meint, das kann so stehenbleiben.
Neulich hat es Bolle einen Beitrag der ›Agenda Austria‹ in die Timeline gespült (siehe unser Bildchen). Rein zufällig – wie das Leben halt so spielt. Agenda Austria versteht sich als Denkfabrik und existiert als solche seit immerhin 13 Jahren schon. Manchmal fragt sich Bolle durchaus, ob er noch auf der Höhe der Zeit ist. Wie meinte doch sein lieber guter alter Deutschlehrer seinerzeit schon in der Oberstufe? „Sie müssen Ihr Ohr immer am Puls der Zeit haben.“ Allein, was will man machen? Zu̅ groß die Welt – zu̅ kleen det Hirn.
Deren Leitspruch jedenfalls lautet: ›Make Austria think again‹. Bolle war entzückt. Dabei ist das alles so einfach. Man ersetze lediglich ›America‹ durch ›Austria‹ und ›great‹ durch ›think‹. Ein minimalinvasiver Eingriff, also. Und schon entsteht Verblüffendes. Apropos Timeline: Agenda Austria hat sich 2013 gegründet – ›Make America great again‹ wurde allerdings erst 2015 als Donald Trumps zentrales Wahlkampfmotto allgemein bekannt. Die Auflösung: der Spruch ist sehr viel älter. Ronald Reagan hatte ihn 1980 schon in seinem Wahlkampf verwendet – wenn auch nicht in ganz so knackiger Form. Wie man sieht kommt alles wieder. Nichts geht verloren – nicht in diesem Universum. Da ist sich Bolle mit den meisten Physikern völlig eins.
Bolle jedenfalls war so entzückt, daß er meinte, wir müßten das auf jeden Fall – bevor es im Mahlstrom der Zeiten untergehen kann – unter Hintanstellung anderer Themen aufgreifen für unser heutiges Sonntagsfrühstückchen. Und wir können ihm immer nur ganz schlecht was abschlagen. Vor allem dann nicht, wenn er Recht hat – was interessanterweise irritierend oft der Fall ist.
Auch ist der Rahmen denkbar schlicht gehalten: Ein Tisch, zwei Stühle – fertig. Kein Vergleich zu den üblichen gebührenfinanziert aufgedonnerten Öffi-Studios, in denen Glas und Plaste den Ton angeben, und oft eine Unzahl an Moderatoren (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) zu kaschieren versucht, was ist: Innerlich und äußerlich hohl – wie das in Bolles Kreisen zwar hart, aber durchaus herzlich gemeint zuweilen auch heißt. Dabei ist man sich natürlich der Tatsache wohl bewußt, daß eine Wendung wie ›äußerlich hohl‹ logisch ein wenig grenzwertig ist. Allein so geht nun mal subtiler Spott.
Wir haben den Beitrag – ein Gespräch mit Harald Martenstein – in den Anhang gepackt. Er dauert ein knappes dreiviertel Stündchen. Allein Bolle meint, es gebe unangenehmere Weisen, ein dreiviertel Stündchen zu verbringen. Denken wir nur an einen Zahnarzttermin oder ein Gespräch mit einem Versicherungsvertreter. Et voilà – nur zu! Und viel Vergnügen damit.
Zusammenfassend kann man wohl sagen, daß es in der Tat Formate zu geben scheint für die – bar jeder Despektierlichkeit – mächtig Dummen einerseits und die (nur) mäßig Dummen andererseits. Letzteres verdient natürlich, verbreitet zu werden, of course. Wie heißt es doch in Bolles Kreisen? Niveau sieht nur von unten aus wie Arroganz. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.
