Mi 24-12-25 Das vierundzwanzigste – und für dieses Jahr letzte – Türchen: Last Christmas

GuMo – urbi et orbi. (Symbolbild, of course).

So sah er heute aus, Bolles allererster Blick auf den noch jungen Weihnachtstag. Dazu durfte ein aufmunterndes Wort in seinem geistigen Ohre natürlich nicht fehlen – wie etwa: ›Auf, auf, der Herr. Große Taten warten.‹ Bolle ist nämlich manchmal etwas förmlich im Umgang mit sich selbst. Aber allemal besser als zu nachlässig – findet Bolle.

Letztes Jahr hatten wir das erste Türchen unseres agnostisch-kontemplativen Adventskalenders mit ›Last Christmas …?‹ übertitelt (vgl. So 01-12-24 Das 1. Türchen – der 1. Advent: Last Christmas …?) und das als kleine Memento-Mori-Mahnung verstanden wissen wollen. Schließlich – so hatten wir festgestellt, könne einem keine Macht der Welt garantieren, daß man auch nur weitere fünf Minütchen werde zu leben haben auf diesem Erdenrund.

Wenn man schon nicht jeden Tag daran denken kann oder mag, daß ebendieser Tag der letzte gewesen sein könnte: wenigstens einmal im Jahr daran zu denken scheint Bolle beileibe nicht übertrieben. Warum also nicht auch und vor allem in den nach Möglichkeit ja eher stillen Weihnachtstagen? Nun – im verronnenen Jahr war es bei Bolle so, daß das letzte Weihnachten für gleich zwei seiner Lieben in der Tat das letzte Weihnachten war. Mehr noch: Insgesamt haben sich bei ihm in den vergangenen zweieinhalb Jahren immerhin fünf Heimgänge ergeben. Das gibt einem doch zu denken. Man könnte – in Anlehnung an einen Italo-Western (I/F 1968 / Regie: Sergio Corbucci / mit Jean Louis Trintignant und Klaus Kinski) glatt sagen: ›Leichen pflastern seinen Weg‹. Das klingt jetzt zwar nicht sonderlich pietätvoll – und auch nicht furchtbar weihnachtlich –, scheint aber dennoch so zu sein. Conditio humana, eben. Verdrängen nützt da wenig.

Laßt uns das möglichst nie vergessen – ohne daß es uns jemals über die Maßen verdrießen soll. Eine Frage des Gleichgewichtes – zwischen dem Wunder, ein Mensch zu sein, und dem Schrecken, ein Mensch zu sein. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Frohe Weihnachten also, Euch allen! Und den Menschen auf Erden – was auch immer sie glauben mögen, oder eben auch nicht – ein Wohlgefallen!

Di 23-12-25 Das dreiundzwanzigste Türchen: Weihnachtsmarkt im Dörfchen

Weihnachtsmarkt im Dörfchen.

Nein, nein, nein – das kann nicht sein! Was wäre ein agnostisch-kontemplativer Adventskalender ohne einen einzigen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt im Dörfchen? Am letzten Sonntag, dem vierten Advent, hat es Bolle immerhin zum zweiten mal schon in diesem Jahr geschafft.

Und das kam so: Bolle wollte – last minute, of course, wie so oft trotz aller Vorwarnzeiten seit Hallowe’en – einen Weihnachtsgruß per Post abschicken. Früher – ja früher – ging das so: Die meisten Briefkästen wurden zwei mal täglich geleert. Und viele – die nämlich mit einem roten Punkt – auch nachts. Wenn es flott gehen sollte, mußte man sich – was man nich im Kopp hat, muß man in die Beene ham – eben zu einem Verteilerknotenpunkt begeben. Ganz früher war das Bahnhof Zoo, später dann der Lehrter Bahnhof – aus dem im Zuge mannigfaltiger Optimierungen bei der Bahn heute übrigens ein nichtssagender „Hauptbahnhof“ geworden ist. Manchmal, wenn Bolle mit dem Taxi unterwegs ist und auch entsprechend kesser Stimmung, wünscht er zum Lehrter Bahnhof gefahren zu werden. Manch älterem Taxifahrer – zumindest Bolle scheint das so zu sein – wird dabei ganz wehmütig zumute. Bei den jüngeren – und vor allem auch bei den Zugereisten – muß man allerdings flott ein erläuterndes ›Hauptbahnhof‹ nachschieben – sonst kommt man niemals an.

Nun denn: Bolle war auf dem Weg zum Lehrter Bahnhof, weil die einschlägigen Internet-Seiten der Post meinten, dort werde ganz sicher sonntags abends gegen neun geleert. Pusteblume! Klarer Fall von Denkste! Die letzte – und natürlich auch die erste – Leerung am Sonntag erfolgt dort um neun Uhr in der Früh. Irgendwie sieht Bolle ja ein, daß nichts so bleiben kann wie es ist. Aber warum muß deshalb alles immer schlechter werden? Und daß die Post es nicht mal fertigbringt, die wenigen Leerungszeiten auf ihren Internet-Seiten einzugestehen, will Bolle so rein gar nicht einleuchten. Da gibt’s nur eines: Schneller schreiben – und vor allem schneller abschicken, of course. Allein: auch hier hat sich was in eine ungute Richtung entwickelt. Während nach alter Väter Sitte (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) ein Brief in aller Regel am nächsten – spätestens aber am übernächsten Tag – recht zuverlässig beim Empfänger war, meint die optimierte Post, drei bis vier Tage seien auch sehr hübsch und müßten ja wohl genügen.

So jedenfalls kam es, daß Bolle auf dem Rückweg vom Lehrter Bahnhof einen Abstecher auf seinen Weihnachtsmarkt im Dörfchen machen konnte. Die Wärmepumpen nach alter Väter Sitte – siehe unser Bildchen – gibt’s da jedenfalls nach wie vor. Und da sage noch einer, moderne Zeiten und Sitten seien ausschließlich schlecht. Wieder weit gefehlt. Irgendwo hat wohl alles sein Gutes – wenn auch oft nur sehr, sehr, sehr versteckt. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 21-12-25 Das einundzwanzigste Türchen – der vierte Advent: Am Himmel hoch da flog ich her

Am Himmel hoch … (Symbolbild, of course).

Eigentlich – ja eigentlich … wollten wir uns mit unserem kleinen agnostisch-kontemplativen Adventskalender dieses Jahr aus der lauten und lärmenden Welt ja möglichst raushalten. Bolle findet aber, das hier paßt doch trefflich in die Weihnachtszeit – vor allem, wenn man Martin Luthers Weihnachtslied (1535/39) textlich ein wenig kontemporär adaptiert:

Am Himmel hoch, da flog ich her.
Ich sucht‘ nach guter neuer Mär,
Der guten Mär sucht‘ ich so viel,
Wovon ich hier nichts sagen will.

Ist das nicht ein trefflich zur Weihnachtszeit passendes Hohelied auf einen Spionagesatelliten? Wie kommt Bolle auf sowas? Nun, Anfang dieses Monats war die Aufregung in der Presse mal wieder ausgesprochen riesengroß. Russische Satelliten, so hieß es, überflögen Deutschland nicht nur gelegentlich, sondern sogar „mehrmals am Tag“. Bolle meinte nur: ach guck! Wie aufdringlich die Russen doch sind. Was aber soll ein Satellit in einer Umlaufbahn denn sonst tun? Von geostationären Himmelskörpern einmal abgesehen – das sind die allerwenigsten – umkreisen Satelliten nun mal die Erde. Und wer die Erde umkreist, kommt nun mal nicht umhin, auch verschiedene Länder zu überfliegen. Viele Länder. Jeden Tag. Mehrmals.

Dürfen die Russen das denn? Sie dürfen. Zur Zeit umkreisen, wie man hört, mehr als 13.000 Satelliten die Erde – ausgediente Dinger, Weltraumschrott und Trümmerteile natürlich nicht mitgerechnet, of course. Und jemand wie Elon Musk plant, deren Zahl in absehbarer Zeit sogar noch zu verdoppeln. Seit dem ersten Satelliten Sputnik 1, der sich 1957 schon in luftige Höhen aufgeschwungen hatte – das waren übrigens auch wieder mal die Russen –,  ist doch einiges passiert. Dabei hat es die Menschheit glatt geschafft, den „Weltraum“ – gemeint ist der erdnahe Orbit, of course – nicht minder zu vermüllen als die Meere. Wie es scheint, neigt unsere Spezies sehr dazu, alles, womit auch immer sie zu tun hat, nach Kräften zu vermüllen. Bolle erinnert das entfernt an Pig-Pen, eine der weniger prominenten Figuren aus Charles M. Schulz‘ ›Peanuts‹. Der aber ist wenigstens sympathisch auf seine liederliche Art. Doch das nur ganz am Rande.

Fassen wir zusammen: Satelliten umkreisen die Erde. Darum heißen sie so. Von geostationären Ausnahmen abgesehen, kommen sie dabei nicht umhin, Länder zu überfliegen, und zwar, aus rein physikalischen Gründen, sogar mehrmals am Tag. Die Zentrifugalkraft muß nämlich exaktemente gleich der Zentripetalkraft sein (F↑ != F↓), sonst fliegen sie aus der Bahn oder stürzen ab. Das geht allen Satelliten so – und hat mit Russen rein gar nichts zu tun. Das ist einfach Physik.

Gleichwohl waren aber natürlich sofort reichlich Weltraum-/Spionage-/Militär- und sonstige Allerweltsexperten zur Stelle, die dem wahlweise staunenden oder irritierten Publikum zu berichten wußten, wie sehr man doch „im freien Westen“ mal wieder „alles komplett verschlafen“ habe. Tja – man kann halt gar nicht genug auf der Hut sein, wenn der Russe kommt. Bolle fragt sich ja zuweilen, wo – tout au contraire – die ganzen „Experten“ plötzlich immer alle herkommen. Die Angelsachsen haben hierfür einen sehr schönen eingängigen Begriff: Sie nennen es mushrooming, ›wie Pilze aus dem Boden schießen‹ – etwa wie nach einem spätherbstlichen warmen Sommerregen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel – und soll uns nicht die Weihnachtszeit verdrießen.

Sa 20-12-25 Das zwanzigste Türchen: Das Mirácoli-Mirakel

Das Mirácoli-Mirakel – am Beispiel Glühwein.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, die bleiben einfach haften im Hirn. Warum, weiß niemand. Zumindest Bolle weiß es nicht. Oft sind es regelrechte Belanglosigkeiten. So kann Bolle sich noch lebhaft an den Tag erinnern – an die genaue Szene sogar – da er das allererste mal eine Packung Mirácoli in Händen hielt. An seinen allerersten Kuß dagegen (oder so) kann Bolle sich rein gar nicht mehr erinnern. Das nur zum Vergleich.

Seinerzeit – das ist etwa hundert Jahre her – stand Bolle vor einem Supermarktregal und dachte, was ist das denn? Nudeln, Tomatensoße und selbst Parmesanpulver – alles in einem Packerl? Der tiefere Sinn wollte sich ihm – naiv, wie Bolle damals war, und zum Teil wohl heute auch noch ist – in keinster Weise erschließen. Warum, bei allen Propheten, kauft man nicht Nudeln, Tomatensoße und richtigen Parmesan in drei getrennten Packungen? Zumal, bis auf den Parmesan, ohnehin alles im gleichen Regal steht? Bolle war wirklich ratlos.

War es wenigstens ein Aha-Erlebnis? Nein – natürlich nicht. Dazu mangelte es schlechterdings am Erkennen eines wie auch immer gearteten Zusammenhanges. Allein Bolle war ratlos. Wie nur kann sowas sein? Spätere Nachforschungen – Bolle ist oft recht gründlich in derlei Dingen – brachten dann doch etwas Licht ins Dunkle. Das Geheimnis – so eine der Erklärungen – sei in der Tomatensoße zu suchen. Genaugenommen in der – ebenfalls im Packerl beiliegenden – Gewürzmischung. Das sei das Geheimnis. Aha!

Nun verhält es sich so, daß es nach Bolles Lebenserfahrung nicht allzu schwierig ist, eine leckere Tomatensoße anzurühren. Der Zutaten bedarf es nur einiger weniger. Und alles Sachen, die man ohnehin im Haus hat, und die sich auch ewig halten. Selbst Parmesan – also richtiger Parmesan am Stück – hält sich bei Bolle, in Butterbrotpapier gewickelt und bei Zimmertem­pe­ratur gelagert, wochenlang. Zwar wird er trockener, aber nicht minder lecker. Wie viele Wochen, weiß Bolle übrigens nicht zu sagen, weil ein Verderb noch niemals vorgekommen ist.

Kurzum: Bolle war immer noch ratlos – und ist es bis heute. Was aber hat das alles mit unserem heutigen Bildchen zu tun? Nun – neulich ist Bolle beim Einkaufsbummel das Glühweinsortiment im Supermarkt ins Auge gesprungen. Und glatt hatte er ein Déjà-vu – oder, besser gesagt, so eine Art Flashback. Sein bis heute ungeklärtes Mirácoli-Mirakel schoß ihm in den Sinn. Warum nur, warum, kaufen Leute fertig abgepampten Glühwein – statt eines guten Tropfens eigener Wahl? Die weiteren Zutaten, die man so braucht – etwas Zimt und etwas Nelken – könnte man ebenfalls immer im Hause haben. Auch Zucker, so man denn mag – Bolle mag übrigens nicht – dürfte in aller Regel verfügbar sein. Selbst Bolle hat eine gewisse Menge Zuckervorrates im Hause – für die lieben Gäste.

Kurzum: die Parallele ist frappant: Aufwand und Zubereitungszeit sind jeweils gleich, die Kosten nehmen sich nicht viel, allein Qualität und Variabilität liegen in der ›Selbst-ist-der-Mann‹-Variante (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) himmelweit höher. Es sollte sich also doch noch ein tieferer Grund finden lassen. Auf ›Allgemeines Hülsenfrüchtchen-Syndrom‹ würde Bolle nur im Notfalle zurückgreifen wollen – dafür ist er viel zu milde und viel zu humanistisch eingestellt. Welcher Grund das aber sein könnte, ist Bolle nach wie vor völlig schleierhaft. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Fr 19-12-25 Das neunzehnte Türchen: Die feindlichen Staaten von Amerika

Nein, nein, nein – das darf nicht sein!

Hier etwas – wenn schon nicht wirklich weihnachtliches – so doch recht niedliches am Rande. Zumindest sieht Bolle das so. Neulich meinte irgendein Nachrichtensprecher (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) – womöglich einer mit etwas nuscheliger Aussprache – irgendwas von den „feindlichen Staaten von Amerika“. Zumindest hatte Bolle es so verstanden. Nach Aktivierung seiner Plausibilitätsschaltkreise hatte sich dann herausgestellt, daß das unmöglich so gesagt gewesen sein konnte. Ein Nachlauschen hatte dann ergeben, daß doch eher von den „Vereinigten Staaten von Amerika“ die Rede gewesen sein mußte. Fein denn – alles wieder konsistent.

Aber wie kommt es zu solchen Verhörern? Das war Bolles nächster Gedanke. Nun – das Gegenstück zu Freud’schen Versprechern sind ja wohl – zumindest würde Bolle das einleuchten – Freud’sche Verhörer. Obwohl – das sieht Bolle ein – von derlei nie die Rede war bei Freud.

Aber wenn wir schon bei Verhörern sind: Was liegt da näher als an Hacke und Sowas ›Weißen Neger Wumbaba‹ (2004) zu denken? Immerhin handelt es sich dabei um das ›Handbuch des Verhörens‹. — In Matthias Claudius‘ ›Abendlied‹ (1779) heißt es:

Der Mond ist aufgegangen
Die goldnen Sternlein prangen
Am Himmel hell und klar:
Der Wald steht schwarz und schweiget,
Und aus den Wiesen steiget
Der weiße Nebel wunderbar.

Der weiße Nebel wunderbar. Welch kraftvolles Bild! Wer allerdings noch nie bei Mondenschein auf der Pirsch war und mit diesem Bild rein gar nichts anzufangen weiß, für den wird daraus dann eben ›Der weiße Neger Wumbaba‹. Bolle findet, das leuchtet ein.

Vergleichen wir das mal: Bei einem Versprecher legt einem das Unbewußte etwas auf die Zunge, was zu sagen man sich so nie getraut hätte – was aber durchaus trefflich ist. Bei einem Verhörer dagegen drückt einem das Unbewußte etwas aufs Ohr, was durchaus Sinn macht – der jeweilige Sprecher so aber wohl nie gesagt haben dürfte. Auch dann nicht, wenn es Sinn macht. In diesem Falle eben ›die feindlichen Staaten von Amerika‹. Das Gehirn versucht das Gehörte nun mal mappa-mundi-mäßig einzuordnen. Ein völlig normaler Vorgang, das – wenn auch meist nicht ohne Witz – und gehört im weiteren Sinne in das weite Feld sozialpsychologischer Konsistenztheoreme: Das Gehirn sucht Sinn. Und wenn es keinen findet, dann findet es ihn anyway. Hauptsache, das Weltbild, die mappa mundi eben, bleibt stabil.

Wer also mit der in weiten Kreisen der Classe politique – nebst angeschlossenem Journalismus 2.0, of course – verbreiteten bräsigen und überschäumenden Selbstgefälligkeit wenig anzufangen weiß – Putin böse, Xi böse, und jetzt dann eben auch noch Trump böse –, der kann dann durchaus schon mal leicht was von den „feindlichen Staaten von Amerika“ zu hören kriegen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Mi 17-12-25 Das siebzehnte Türchen: Wenn Gansl ganz schnell garen

Hurtig, hurtig, tralaralala! (Symbolbild, of course).

Weihnachten steht vor der Tür. Falls Bolle sich nicht verrechnet hat, ist das gerade mal noch genau eine Woche hin. Höchste Zeit also, mit praktischen Tipps aus unserer Abteilung ›Schneller kochen‹ aufzuwarten. Neben ›easy cooking‹, das sich in Bolles überwiegend minimalistisch ausgerichteten Kreisen ja einer gewissen Beliebtheit erfreut, sollte nämlich auch selbiges mitnichten zu kurz kommen.

Stellen wir uns das folgende Szenario vor. Heiligabend steht unmittelbar vor der Tür. Zum Feste soll es – das hat die Hausfrau (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) so beschlossen – Gansl geben. Der Weihnachtsschmaus ist für 20 Uhr geplant. Jetzt ist es 17 Uhr. Zwar ist die Gans schon aufgetaut und auch gefüllt mit Apfel, Nuß und Mandelkern. Allein sie ist noch – man darf das sagen, ohne übermäßig roh zu wirken – in einer ebensolchen Verfassung.

Um pünktlich zum Feste duftend auf dem Weihnachtstisch zu stehen, bleiben dem Gansl also noch drei Stunden. Das Rezept, und auch die Erfahrung, sagen aber, daß es eher vier Stunden brauchen wird, um zu duftender weihnachtlicher Hochform aufzulaufen. Was tun?

Nun – wenn das Gansl bei 200° C vier Stunden braucht, dann wird es bei 300° C wohl nur zwei Stunden und vierzig Minuten brauchen. Damit blieben also noch zwanzig Minuten zum Anrichten und zum Wein einschenken – etwa einen Spätburgunder beziehungsweise, wer’s lieber auf Französisch mag, einen Pinot Noir.

Bei der Berechnung handelt es sich übrigens um elementaren Dreisatz, of course: Wenn die Temperatur drei Halbe mal so hoch ist wie im Rezept, dann sollte die Gare nur zwei Drittel der veranschlagten Zeit betragen. Derlei läßt sich mit jedem handelsüblichen Taschenrechner – der bei dieser Methode allerdings in keiner Küche fehlen sollte – in wenigen Sekunden leicht berechnen.

Das ist wahrlich keine Hexerei. Vielmehr verhält es sich ganz ähnlich wie mit Professor Eberbachs (dem aus Spoerls Feuerzangenbowle) Matheaufgaben: Jemand wirft einen zwei Pfund schweren Stein dreiundzwanzig Meter weit. Wie weit würde er einen Stein von 0,3 Gramm werfen? Alles schon mal dagewesen, also.

Bolle für sein Teil – das zu erwähnen gebietet die Redlichkeit – ist von der Schneller-kochen-Methode noch nicht ganz restlos überzeugt. Das mag an seiner skeptischen Grundhaltung liegen – vielleicht aber auch an der Methode. Da gibt’s nur eines: probieren geht über studieren! Bolle würde als geeigneten Termin für ein solches Experiment allerdings nicht unbedingt den 24. Dezember wählen. Im übrigen bleibt er traditionell und easy-cooking-mäßig ja ohnehin lieber bei Hölzerbrot (vgl. etwa Sa 07-12-24 Das 7. Türchen: Wollense Toast …?). Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Mo 15-12-25 Das fünfzehnte Türchen: Frohe Weihnachten – oder was?

Anachronistische Eierplage.

Eier liegen in der Luft, wie’s scheint: Ei is in the air (Bolle featuring John Paul Young 1977) – um das mal neuzudeutschen. Nachdem wir uns gestern mit Ei-risch Breakfast befaßt hatten, kommt nun dieses – eine durchaus anachronistische Eierplage – noch hinzu. Und überhaupt: steckt das Ei nicht auch in so harmlos klingenden Wörtern wie zum Beispiel und nicht zuletzt in W-ei-hnachten?

Um es, passend zur Jahreszeit, mit Professor Crey – dem aus der Feuerzangenbowle (Heinrich Spoerl 1933) – zu sagen: Bolle – sä send etwas albern. Also genug geblödelt. — Neulich beim Wochenendeinkaufsbummel wurde Bolle der Eier-Auslage unseres heutigen Bildchens angesichtig. Wie? Schon wieder Ostern? – war das allererste, was ihm, ohne weiter nachzudenken, blitzeschnelle durch die Sinne schoß. Aber Nein – noch sind wir ja mittenmang mit den Vorbereitungen auf die Menschwerdung des Erlösers der Christenmenschen befaßt. Andererseits: Wenn es Ende August schon Spekulatius gibt – warum sollte dann ein erwerbsfleißiger Einzelhandel Mitte Dezember keine Ostereier haben im Sortiment?

Aber weit gefehlt. Der eigentliche Grund ist dieser: Die gibt’s das ganze Jahr – wie Bolle aus fachkundigem Munde in Erfahrung bringen konnte. Aber warum nur – warum? Nun, offenbar gibt es Leute – und wohl gar nicht mal so wenige, sonst würde es das Angebot nicht geben: insofern ist auf den Kapitalismus Verlaß –, die zwischendurch gerne mal ein gekochtes Ei naschen – und zwar zu jeder Jahreszeit, und ohne jeweils eigens kochen und abkühlen lassen zu müssen. Ein dreifach Hoch auf die Spontaneität! Um nun nicht aus Versehen in ein rohes Ei zu beißen, macht es natürlich Sinn, daß erstere und letztere sich deutlich unterscheiden. Was liegt da näher, als sie farblich kräftig zu markieren? Und so kommt es, daß es Ostereier gibt, die mit Ostern rein gar nichts zu tun haben sollen: Buntes Ei gleich hartgekochtes Ei. Mehr Logik steckt da offenbar nicht drin.

Natürlich mußte Bolle sich fragen, warum ihm derlei nicht früher schon mal aufgefallen war. Aber so kann’s gehen, wenn man schwer fokussiert durch den Supermarkt stürzt – von wegen Einkaufserlebnis. Bolle möchte gar nicht wissen, was es da – neben Ostereier-Mimikry – noch so alles geben mag, dessen er noch wirklich niemals angesichtig wurde. Die Welt ist voller Wunder – durchaus nicht nur zur Weihnachtszeit. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 14-12-25 Das vierzehnte Türchen – der 3. Advent: Irish Breakfast

GuMo – gottgefällig!

Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. An dieser Stelle fühlt sich Bolle definitiv auf der sicheren Seite – kann er doch auf das Deuteronomium, das 5. Buch Mose, verweisen, und zwar auf Vers 8, 3, wo es erläuternd ausdrücklich heißt: „ … sondern von allem, was aus dem Mund des Herren geht“. Also auch Whisky.

Irgendwann war Bolle aufgefallen, daß es für seine gelegentlichen Frühstücksgepflogenheiten eines griffigen Begriffes bedarf. Und so kam es dann zum ›Irish Breakfast‹. Dabei hatte sich im Rahmen seiner Feldforschung herausgestellt, daß der Begriff mitnichten auf Befremden gestoßen ist, sondern irgendwie als gegeben angesehen wurde: Irish Breakfast? Kennt man, irgendwie.

Aber Whisky? Das war manchem Mäuschen (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) dann doch too much. Bolles übliche Entgegnung: Sind halt Iren. Was will man machen? In aller Regel war dann Ruhe.

Allerdings gab es auch kritischere Geister, die sich so leicht nicht wollten abspeisen lassen. Whisky gleich zum Frühstück? An dieser Stelle konnte Bolle – meist recht erfolgreich – darauf verweisen, daß es schließlich auch sowas wie Sektfrühstück gebe. Wo bitte sei der Unterschied? Im Übrigen habe er zuweilen so etwas wie eine Kaffee-Allergie.

Woraufhin die ganz Hartgesottenen meinten entgegnen zu müssen, es sei ja wohl ein Unterschied, ob man Sekt zum Frühstück goutiere oder aber „harte Sachen“ wie Whisky. Allein auch hier wußte Bolle zu erwidern: Sein Frühstücks-Whisky bestehe zu einem Drittel aus Whisky und zu zwei Dritteln aus rein veganem Wasser – was im Ergebnis eine Trinkstärke ergebe, die sich durchaus mit der eines üblichen Sektfrühstückes vergleichen lasse.

Aber warum dann Whisky? Warum nicht einfach Sekt? An dieser Stelle pflegt Bolle dann in aller Regel darzulegen, daß Sekt an sich nicht wirklich überlebensfähig sei. Bolle glaubt nun mal an Selektion – und fühlt sich auch hier auf der sicheren Seite. Genau aus diesem Grunde nämlich muß Sekt – nicht anders als Wein im allgemeinen – tüchtig mit Sulfiten gepampert werden. Und? Braucht Bolle Sulfite zum Frühstück? Natürlich nicht.

In den alten Zeiten – das ist wirklich lange her –, als Bolle noch seinen eigenen Wein gekeltert hat, hatte er den Gärungsprozeß so eingestellt, daß der Wein auf 16  bis 17 Prozent kam – ein Wert, bei dem auch die stärkste Hefe ihren Geist aufgibt und der Wein ein stabiles Gleichgewicht erreicht. Lecker war er allemal. Sulfite? In diesem Falle voll verzichtbar.

Spätestens an dieser Stelle war den meisten durchaus helle, daß es furchtbar wenig Sinn macht, sich auf vertieftere Diskussionen mit Bolle einzulassen – außer man will was lernen, of course. Wir hier im Hause wissen, wovon wir reden. Es macht wirklich keinen Sinn. Bolle hat halt so ziemlich immer Recht. Manchmal gruselt es ihm selber – wie wir intern zu wissen glauben. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Sa 13-12-25 Das dreizehnte Türchen: Abendrot im Rauchverbot

Abendrot im Rauchverbot.

Manche warten auf die Post. Andere auf die Bahn. Der wesentliche Unterschied scheint Bolle darin zu bestehen, daß man auf die Post immerhin in der warmen Stube, hinter dem Ofen gewissermaßen, warten kann. Auf Züge dagegen wartet man in aller Regel auf zugigen Bahnsteigen.

Allein auch das kann recht romantisch sein: Dann nämlich, wenn es Sommer ist, der Bahnsteig überhaupt nicht zugig – und die Fügung einem eine regelrechte Sonnenuntergangsidylle direkt vor die Kamera spielt. Für unser heutiges Bildchen mußte sich Bolle seinerzeit nicht einmal bücken – im übertragenen Sinne. Tatsächlich mußte er nicht einmal auf der Bank am Bahnsteig hin oder her rutschen oder sonstige Anstalten machen, die Szene einzufangen. Sitzen und knipsen – das war’s. Das sind Momente, in denen Bolle – aller ausgeprägten Agnostik zum Trotze – doch dazu zu glauben neigt, daß es ein Universum gibt. Um ein Zigarettchen zu rauchen, hätte er sich, zumindest wenn es nach der Bahn geht, dagegen allen Ernstes in eine der einschlägig eingekästelten „Bereiche“ begeben müssen. Schon ist die Skepsis wieder da.

Bei der Bahn gibt es ja die Regel, die besagt, daß ein Zug dann und nur dann als verspätet gilt, wenn er sechs Minuten (genauer: 5‘59‘‘) oder mehr hinter dem Fahrplan herhinkt. Als ob es der Bahn ansonsten jemals auf ein Sekündchen ankäme. So oder so – Bolle hält das für ein recht kurioses Konzept von Pünktlichkeit.

Übrigens wäre nach dieser Definition auch das eingefangene Sonnenlicht verspätet gewesen – und zwar um gut acht Minuten sogar. Und das bei völlig freier Strecke zwischen Sonne und Erde – und praktisch ohne jede Masse im Wege, die die schnurgerade Bahn des Lichtes würde übergebührlich zu krümmen vermögen.

Selbst wenn wir Bolles Theorem – Das Universum existiert – würden folgen wollen: Einfach ist das alles nicht – nicht in diesem Universum. So ist Bolle angelegentlich im Netz über einen Nutzer gestolpert, der von einer KI wissen wollte, wieviel Jahre denn ein Lichtjahr sei? – und dem völlig zutreffend zur Antwort ward, daß ein Lichtjahr irritierenderweise leider keine Zeiteinheit sei. Bolle meint, jetzt fehlte nur noch, daß so einer (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) Ingenieur wird und bei der Bahn für die Fahrpläne verantwortlich zeichnet. So leicht und lässig nämlich könnten sich letzte Fragen lösen, wenn man nur genauer hinguckt. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Fr 12-12-25 Das zwölfte Türchen: Post-Crashing

Tragische Weihnachtszeit.

Nach unserer gestrigen Humoreinlage wollen wir heute, rein aus Gründen der Ausgewogenheit, auch die tragische Seite der Weihnachtszeit nicht zu kurz kommen lassen. Auch wollten wir uns dieses Jahr eigentlich deutlich kürzer fassen. Allein die Zeit der guten Vorsätze kommt ja erst noch.

Ursprünglich sollte unser heutiges Türchen ja ›Post-Bashing‹ heißen. Allein Bolle fand, ›Post-Crashing‹ treffe es wohl noch besser. Was nämlich wäre die schönste Weihnachtszeit, ohne nicht wenigstens einmal tüchtig auf der Post herumzuhacken?

Unser Bildchen zeigt einen stolzen, stattlichen und ursprünglich völlig intakten Nikolausi, der aber, wie’s scheint, im Verlaufe einer Reise – womöglich mit einer Postkutsche gar? – seine strukturelle Integrität so ganz und gar hat fahrenlassen müssen. Bolle findet ja, es bedürfe schon einer gewissen kriminellen Energie – zumindest aber überschießenden Kreativität –, um einen von einem Postpäck im Grunde doch wie in Abrahams Schoß behüteten Nikolausi derartig „nachhaltig“  (Hülsenfrucht, ick hör dir trapsen) zu frakturieren.

Längst nicht so kreativ war die Post übrigens bei ihrer eigenen Namensfindung. DHL steht für Dalsey, Hillblom und Lynn, den Namen der Gründer eines Yankee-Start-Ups, das sich die Post seinerzeit unter den Nagel gerissen hat. Bolle meint: Wenn einem sonst nichts einfällt – bitteschön: dann eben so.

Übrigens gebietet es die journalistische Sorgfalt, darauf hinzuweisen, daß diese Nikolausi-Tragödie auch schon wieder zwei Jahre zurückliegt. Allerdings hat sich in der Zwischenzeit wenig zum Besseren gewendet. Es ist und bleibt ein Abenteuer mit den Postkutschen dieser Welt – und zwar alle Jahre wieder. Also immer feste druff.

Auf dem fein säuberlich drapierten Kärtchen sehen wir übrigens Bolle beim Meditieren in seiner Mupfel. Dabei handelt es sich natürlich um ein Symbolbild, of course. Bolle hat, im Gegensatz zu ganz, ganz früher, längst nicht mehr so große Ohren – was allerdings seine Fähigkeit, das sprichwörtliche Gras wachsen zu hören, offenbar nicht weiter beeinträchtigt hat. Heute nennt er’s Urteilskraft. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.