So 26-01-25 Das Elend der Wōkness

Das Elend der Wōkness.

Falls Bolle das richtig überblickt, haben wir schon längere Zeit keine 4-Felder-Tafel mehr bemüht. Die letzte ist wohl vom August 2024 (vgl. So 04-08-24 Fast fashion / Slow fashion). Das ist immerhin ein halbes Jahr her. Wohlan, denn.

Nehmen wir an, wir befänden uns in einem Zustand, der alles andere als wünschenswert ist – und im übrigen nicht einmal funktioniert. In unserer 4-Felder-Tafel entspricht das dem Feld „Grrr!“ (rötlich eingefärbt). Zeit also, den sprichwörtlichen Arsch zu bewegen und nach Möglichkeit den Zustand „Fein!“ anzustreben – einen Zustand also, der nicht nur wünschenswert wäre, sondern auch noch funktionieren würde (lindgrün eingefärbt).

Dabei ergeben sich – zumindest in einer 4-Felder-Tafel ist das so – zwei prinzipielle Möglichkeiten der Transformation. a) Wir stellen zunächst einmal einen Zustand her, der zwar womöglich noch zu wünschen übrigläßt – dafür aber immerhin schon mal funktioniert (Pfeil a). Ein Schritt in die richtige Richtung, also. Den entsprechenden Zustand haben wir hier ›square‹ genannt – was man durchaus mit ›spießig‹ übersetzen könnte.

Oder aber, Pfeil b), wir stellen einen Zustand her, der höchst wünschenswert sein mag, dabei aber leider eben nicht funktioniert. Den entsprechenden Zustand haben wir hier ›wōk‹ genannt – was für ›wolkenkuckucksheimelig‹ stehen mag. Der Überstrich (Makron) soll uns sagen, daß das ›o‹ langgesprochen sein will.

Aber kann das überhaupt sein? Kann ein Zustand, der annahmegemäß nicht funktioniert (siehe Tafel), irgendwie doch funktionieren? Aber Ja doch. Hier die Lösungsmöglichkeiten in der üblichen Reihenfolge: Zunächst einmal könnte man stramm behaupten, daß die Lösung eben doch funktioniert. Eine Weile mag man damit sogar durchkommen. Das ist vor allem dann der Fall, wenn die Medien der gleichen Hypnose anheimgefallen sind (vox populi – vox mediorum) und selber ganz dolle daran glauben. Flankierend verpackt man den Zustand in wohltönende Worte. Ein veritables Problem als „Herausforderung“ zu verniedlichen ist dabei wohl noch eine der harmloseren Varianten. Womögliche Kritiker werden derweil als Querdenker abgekanzelt oder, falls sie allzu frech werden, gar als Verfassungsfeinde und „mit der ganzen Härte des Rechtsstaates“ in ihre Schranken verwiesen: Wenn das jeder machen wollte – wo kämen wir denn da hin? Falls das alles nichts nützt, erklärt man mit frecher Stirn, die Lösung müsse schließlich funktionieren, da alles andere ja mit geltendem Recht nicht vereinbar sei. In Bolles Kreisen nennt man das die Palmström-Variante: „Weil, so schließt er messerscharf, nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Falls auch das nicht reicht, hat es sich bewährt, den Zustand erst einmal mit Geld, mit gaanz viel Geld, zu ersäufen. Prominente Stichworte an dieser Stelle wären etwa „Doppelwumms“ und „Sondervermögen“. Natürlich wird auch das auf Dauer nicht funktionieren, of course.

Der springende Punkt ist folgender: Bolle kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß das ›wōke‹ Feld die Hülsenfrüchtchen dieser Welt anzieht wie die sprichwörtliche Scheiße die Fliegen. Und das ist durchaus auch verständlich. Um von ›Grrr!‹ nach ›wōk‹ zu kommen, braucht man lediglich ein heißes Herz. Von ›Grrr!‹ nach ›square‹ zu kommen ist sehr viel anspruchsvoller – und dabei auch weniger herzerfrischend.

Falls Bolle das richtig beobachtet hat, ist die Ampel ja daran zerbrochen, daß der Kanzler mal eben noch ein paar weitere Milliärdchen (sagt man so?) in die Ukraine pumpen wollte, die er zwar mitnichten hatte, sie sich gleichwohl aber pumpen zu können hoffen durfte. Allein: da war sein Minister vor. Nach Kanzlers Bekunden (und um es in der Diktion von Professor Crey aus Spoerls ›Feuerzangenbowle‹ zu sagen): „Lindner, Sä send albern. Ehnen fählt die settliche Reife.“ Kurzum: Der Kanzler wollte, wie seit Jahren gang und gäbe, einmal mehr den wōken Weg (funktioniert zwar nicht wirklich, ist aber doch ’ne dolle Sache) gehen, während sein Minister, wohl nicht zuletzt auch im Hinblick auf die Verfassung, den squaren Weg (zwar nicht ganz so schön – funktioniert aber wenigstens) als „alternativlos“ angesehen hat.

Das Ende vom Lied ist, rein historisch gesehen, immer das gleiche. Wenn endlich klar ist, daß das alles dann eben doch nicht und wirklich nicht funktioniert: Betreten gucken, lange Gesichter machen – und im wind of change verkünden, daß man schließlich selber auch schon immer dagegen war. Dann nämlich schlägt die Stunde der Widerstandskämpfer, die alsdann wie Pilze aus dem Boden schießen. Neue Runde, altes Spiel. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 19-01-25 Hefeteig und Hysterie

Schlicht und elegant – und ohne Etikett.

Manchmal – und das findet Bolle höchst charmant und auch durchaus elegant an diesem Universum – stellt sich die eine oder andere Einsicht auf faszinierend verschlungenen Pfaden ein. Neulich – das war noch während der Weihnachtszeit – kam es Bolle blitzartig in den Sinn, daß man das für Hölzerbrot unverzichtbare Kastenweißbrot (vgl. dazu Sa 07-12-24 Das 7. Türchen: Wollense Toast …?), wenn schon kaum noch kaufen, so doch immerhin durchaus auch selber backen kann – ganz nach dem alten Kinderlied: Backe, backe Kuchen, der Bäcker hat gerufen. Wer will guten Kuchen backen, der muß haben sieben Sachen … Kennen wa ja. Auf Eier, Milch und Schmalz können wir dabei getrost verzichten – und auf Safran sowieso. Easy cooking! Etwas Hefe allerdings muß sein. Als Rührschüssel hatte Bolle auf die Schnelle nur seinen alten Wok zur Hand. Sapienti sat – der Philosoph liebt’s autotroph (im weiteren Sinne, of course). Zum Glück gab es auch nicht viel zu rühren.

Was aber, wenn? Wenn der Philosoph – Genügsamkeit hin, Genügsamkeit her – auf die Idee verfällt, eine regelrechte Rührschüssel brauchen zu müssen? In früheren Zeiten hätte man das Haushaltswarengeschäft seines Vertrauens aufgesucht – und dort in aller Regel schnell gefunden, was einem in Form und Funktion angenehm deucht.

Heute führt der erste Weg meist erstmal ins Netz. So auch bei Bolle. Dabei hat das Netz den großen Vorzug, daß man mit Rückmeldungen der Nutzer auf Tuchfühlung kommt. Bolle kennt kaum einen schöneren und unverstellteren Zugang zu Hülsenfrüchtchens Leben und Erleben.

So meinte eine Nutzerin zu einer der feilgebotenen Schüsseln, selbige sei ja wohl „lamentable“ – was so viel wie ›erbärmlich‹ oder ›bemitleidenswert‹ heißen soll. Ein schönes Wort, das Bolle noch nicht kannte. Im weiteren hieß es, man habe das Material, aus dem die Schüssel gefertigt ist, als „gesund“ angepriesen – was immer auch das heißen mag. Allein – und hier wird’s kritisch – klebte auf der Innenseite der Schüssel ein garstig Etikett, das mit mechanischen Mitteln zu entfernen sich als praktisch unmöglich erwiesen habe. Bolle greift in solchen Fällen ja stets zur chemischen Lösung – etwa einem Tröpfchen Benzin. Dem konnte bislang noch kein Etikett widerstehen. Allein unsere Nutzerin war der Ansicht, daß dadurch etwas appliziert würde, das schädlich sei für Lebensmittel. Folglich sei das Material der Schüssel mitnichten gesund – und von einem Kauf müsse demnach abgeraten werden.

Bolle meint da nur: Sancta simplicitas! Immerhin ist es ein hübsches Beispiel dafür, wie ein vergleichsweise miniscules Problem (Tröpfchen Benzin) der Lösung eines viel größeren Problems (Etikett muß ab) „nachhaltig“ – um mal eines von Hülsenfrüchtchens Lieblingswörtern zu verwenden – im Wege stehen kann. Und selber steht man da – und muß heillos verheddert durchs Leben hoppeln. Aber so kann’s gehen, wenn‘s an Urteilskraft gebricht. Dann doch lieber fleißig Fakten checken – zum Beispiel „Benzin böse“. Kann es da verwundern, daß Bolle derartiges als heillos hysterisch einzustufen geneigt ist? Wie hoch etwa der Nagellackverbrauch besagter Nutzerin sein mag – Nagellack statt Benzin tut’s nämlich auch –, will Bolle lieber gar nicht wissen. Und was das mit dem aktuell ablaufenden „Wahlkampf“ nebst seiner Wahlvolk-Dynamik zu tun haben mag, ebensowenig. Bolle meint, ein flüchtiger Blick auf die Plakate sollte vorläufig vollends genügen. Das alles aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 12-01-25 Tu felix Austria

Freude unterm Weihnachtsbaum.

Zuerst hatte Bolle sich ja gefragt, ob wir – nach 24 virtuellen Adventskalender-Türchen – noch einmal mit einem weihnachtlichen Motiv daherkommen sollen. Schließlich – so hatten wir es selbst verkündet – endet die Weihnachtszeit definitiv am 6. Januar mit dem Epiphaniasfest bei den Protestanten bzw. den Heiligen Drei Königen bei den Katholiken (vgl. dazu Mi 04-12-24 Das 4. Türchen: Keine Zeit für Weihnachtszeit?). Allein: man lernt nie aus. Bis vor gar nicht allzu langer Zeit nämlich – genau genommen bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil (1962–1965) – währte die Weihnachtszeit noch fast einen Monat länger, und zwar bis Mariä Lichtmeß am 2. Februar. So lange durften demnach auch Christbäume die heimischen Wohnzimmer erhellen. Nach Bolles Rechnung hätten wir es demnach mit vollen drei Monaten Weih­nachts­zeit zu tun (31. Oktober bis 2. Februar). Womögliche Winterdepressionen ließen sich somit allein auf den Monat Februar begrenzen. Am 1. März nämlich ist bei Bolle – und zwar völlig unabhängig von der Wetterlage – definitionsgemäß Früühlingsanfang. In einigen Gegenden, wo die Sonne der Kultur etwas niedriger steht, ist von Mariä Lichtmeß übrigens immerhin der Mumeltiertag übergeblieben (vgl. dazu etwa den einschlägigen Film (USA 1993 / mit Bill Murray als Phil Connors und Andie MacDowell als Rita / Regie: Harold Ramis).

Aber brauchen wir überhaupt eine Begründung? Natürlich nicht. Unser Bildchen zeigt Gerald Grosz, einen ehemaligen österreichischen Spitzenpolitiker, wie er mit unverstellter, geradezu kindlicher Freude unterm Weihnachtsbaum die jüngsten Ereignisse bei unserem südlichen Nachbarn kommentiert: „Die Ampel ist in die Luft geflogen.“ – „Der fortgesetzte Demokratiebruch, die fortgesetzte Ausgrenzung der österreichischen Wählerinnen und Wähler hat ein Ende gefunden.“

Bolle meint: Manchmal – und gar nicht mal so selten – haben die Ösis schlechterdings die Nase vorn. Oder einfach Glück. Tu felix Austria, eben – oh glückliches Österreich.

Hierzulande dagegen gestalten sich die Dinge sehr viel beharrlicher. Zwar ist auch hier die Ampel in die Luft geflogen – nachdem die Fliehkräfte einfach zuu stark wurden (was immerhin 3½ Jahre gedauert hat). Allein: der fortgesetzten Ausgrenzung der undemokratischen Wähler (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) könnte das durchaus sogar noch Vorschub leisten.

Werfen wir einen Blick auf die Zahlen – und fassen wir uns dabei kurz. Laut Polit-Barometer ergibt sich für Deutschland derzeit das folgende Bild:

Sonntagsfrage.

Wenn wir davon ausgehen, daß das alles halbwegs stimmt, und wenn wir davon ausgehen, daß es die drei 4%-Parteien tatsächlich nicht in den Bundestag schaffen werden, dann ergäbe sich nach Bereinigung der Daten folgendes:

So sieht’s demnach aus.

Die Graphik zeigt – in alphabetischer Reihenfolge im Uhrzeigersinn – die sich daraus ergebende prozentuale Stimmenverteilung: AfD 26 Prozent, CDU/CSU 38 Prozent, Grüne 19 Prozent und schließlich noch SPD mit 18 Prozent. Eine echte Flurbereinigung, also. Die Kleineren wären weg vom Fenster, die Größeren verleiben sich deren Anteile ein.

Damit ergeben sich zwei grundsätzliche Deutungsmuster: Einerseits würde das – wie sollen wir sagen? – eher bürgerliche Lager, also CDU/CSU nebst AfD, über eine fast Zwei-Drittel-Mehrheit verfügen (siehe Markierung). Andererseits – auch so kann man das sehen –  hätten die sogenannten „christlichen“ Parteien (die wohl nur noch aus Gewohnheit so heißen, und um bestimmte Zielgruppen besser ansprechen zu können) die freie Wahl zwischen einer Koalition mit den sich selbst als eher progressiv empfindenden Kräften oder den ganz mächtig Progressiven. In beiden Fällen würde sich, je nachdem, eine recht deutliche Mehrheit von 56 beziehungsweise 57 Prozent ergeben. Bolle hört es heute schon am Wahlabend tönen: Wir danken den aufrechten Demokraten für den klaren Regierungsauftrag – und versprechen unseren Wählerinnen und Wählern ein entschiedenes Weiter-So.

Eine regelrechte Implosion des wackeren „Weiter-So“ der „demokratischen Parteien“ nach österreichischem Vorbild jedenfalls wird es in Deutschland bis auf Weiteres vermutlich nicht geben. Der Deutsche an sich (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) ist bekanntlich kein Revolutionär. Aber kieken wa ma. Vielleicht steckt der sprichwörtliche Teufel ja doch noch im Detail – und der kluge Prophet wartet ohnehin die Ereignisse ab. Im übrigen haben wir uns erlaubt, zwecks seelischer Erbauung Grosz‘ weihnachtliche Tanzeinlage in den Anhang zu packen. Bolle findet es einfach zuu niedlich. Das alles aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 05-01-25 Lieb Herzelein, magst stille sein

Herzelein, magst stille sein.

Es tut sich was auf der Welt. Schleichend zwar – im Zeitraffer aber doch recht deutlich. Und wann, wenn nicht um diese Jahreszeit, könnte man besser kurz innehalten und ein wenig Abstand nehmen, um sich Rechenschaft zu geben, wie man zu den Dingen stehen mag? Ist es nicht gerade das junge, das taufrische Jahr? Und wohnt nicht jedem Zauber auch ein Anfang inne?

Es ist fast auf den Tag genau 6 Jahre her, daß Greta Thunberg beim Weltwirtschaftsforum in Davos unter dem Beifall der Weltöffentlichkeit – vor allem aber natürlich der Medien dieser Welt (vgl. dazu Mi 18-12-24 Das 18. Türchen: Vox populi – vox quojus?) – verkündete, sie wolle, daß wir Panik schieben: I want you to panic!

Bolle war damals schon nicht wohl dabei. Steht das doch in krassem Gegensatz zur Grundaussage des Anhalters durch die Galaxis, wo es spätestens seit 1978 schon auf dem Buchdeckel geschrieben steht, und zwar in großen, freundlichen Lettern: Bloß keine Panik! Bolle kann sich des Eindruckes nicht erwehren, daß da mächtig was untergegangen ist im Laufe von nur gut einer Generation – auch, wenn es möglicherweise die letzte sein mag.

Vor allem will Bolle nicht einleuchten, daß man ein Problem – irgendein x-beliebiges Problem – besser, schneller, leichter oder überhaupt lösen kann, indem man Panik schiebt. Bolle war, vor Jahren schon, einmal Zeuge einer dieser Wie-nicht-bestellt-und-doch-abgeholt-Lektionen, mit denen das Universum nicht oft, aber doch gelegentlich, aus heiterem Himmel aufzuwarten beliebt. Bolle befand sich auf einer Party im kleinen Kreise in einem der sozialistischen Plattenbauten – die mit der herkömmlichen Berliner Traufhöhe (22 Meter) wenig am Hut hatten, und zwar in einem der obersten Stockwerke. Direkt gegenüber, auf der anderen Straßenseite, gab es plötzlich einen Wohnungsbrand: Lodernde Flammen und mächtig viel Rauch. Im Grunde war es wie im Kino: unverstellte, aber sichere Sicht auf das Malheur vis-à-vis. – Lalülala, of course. Und? Was haben die Feuerwehrleute (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) gemacht? Sie haben seelenruhig und gemessenen Schrittes die Lage gepeilt, ihre Ausrüstung ausgerollt und das Nötige in die Wege geleitet. Von Hektik – oder Panik gar – nicht die Spur. Bolle hatte fast den Eindruck, daß man eher schlendert als hetzt oder hechelt. Es gibt Momente im Leben, da bleibt es nicht aus, an den Anhalter durch die Galaxis samt seiner Buchdeckel-Weisheit denken zu müssen.

Auch war das wohl kein Ausnahme-Phänomen. Jahre später hat Bolle mal eine Doku über einen dieser Katastrophen-Helfer/Retter/Schützer-Vorabend-Filme gesehen. Da waren sowohl der Schauspieler als auch der „echte“ Retter im Gespräch – und man war sich völlig einig, daß es in real life eher so läuft wie in Bolles Beobachtung. Panik völlig fehl am Platze. Da man den Zuschauern aber ein gehöriges Maß an Action bieten will, werden solche Filme dann eben panisch aufgepeppt. Nun, denn.

Kurzum: Jedem, der beruflich mit sowas zu tun hat, ist klar, daß Panik das letzte ist, was hilft. Daß sich jemand wie Greta Thunberg gleichwohl ein gehöriges Maß selbiger wünscht, mag ihrer jugendlichen und auch ihrer professionellen Unerfahrenheit geschuldet sein. Daß aber die Medien dieser Welt derlei Unsinn hysterisch hochgehyped haben – und selbiges noch immer tun, und zwar unvermindert – egal, ob es ums Klima geht, um Kriege oder Katastrophen aller Art, mag da schon bedenklicher stimmen. Und so kommt Bolle nicht umhin, sich zu wünschen, daß mehr gedacht werden möge. Gedacht – und dann gemacht. Das Herzelein mag derweil stille schweigen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Mi 01-01-25 Ein gutes Neues Jahr Euch allen!

Dum spiro spero – Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Und schon wieder – und wie so oft. Ein altes Jahr ist um – ein neues fängt an. Der König ist tot – es lebe der König. Irgendwie muß man damit ja umgehen. Letztlich sind es doch immer wieder die gleichen Fragen:

Was haben wir gedacht?
Was davon gemacht, was angebracht?
Mitunter auch: was haben wir gelacht.

Und? Wie meinte Erich Kästner 1950 schon – also vor nunmehr 75 Jahren? Hier in der Bolle-Version:

„Wird’s besser? Wird’s schlimmer?“
fragt man alljährlich.
Seien wir ehrlich:
Leben ist immer
höchst ungefährlich.

Dabei soll mit ›ungefährlich‹ natürlich nicht ›frei von Gefahr‹ gemeint sein, sondern, ganz im Gegenteil, eine Adjektivierung des adverbiellen ›ungefähr‹. Soll heißen: Wir kennen die Zukunft, kaum anders als das Leben selbst,  nur höchst ungefähr – wenn überhaupt. Nichts Genaues weiß man nicht – und wird man auch nie wissen können. Und vielleicht ist das auch ganz gut so.

Wenn man schon nichts wissen kann – so kann man doch was hoffen. Das ist zwar kein vollwertiger Ersatz – fühlt sich aber zumindest gut an. Und so meinte schon Cicero (106–43 v. Chr.) in einem seiner Briefe: Dum spiro spero (solange ich atme, hoffe ich) – was wir hier mit ›Die Hoffung stirbt zuletzt‹ frei übersetzen wollen. Und vielleicht ist auch das ganz gut so.

Unser Bildchen stammt übrigens aus dem Jubiläumsprojekt ›Lichtgrenze – 25 Jahre Mauerfall‹, das sich der Berliner Senat für das Jahr 2014 ausgedacht hatte. Damals sollten – und sind auch – knapp 7.000 leuchtende Luftballons gen Himmel aufgestiegen, um aller Welt zu zeigen, wo die Grenze zwischen Gut und Böse seinerzeit verlief – mitten durch die Stadt. Einem aufgeweckten jugendlichen Ossi kann man das heute kaum mehr vermitteln. Lieber wählt er, zum Entsetzen der Guten, die AfD. Doch das nur am Rande. Das alles ist nunmehr auch schon wieder 10 Jahre her. Dabei dient das Photo Bolle seitdem als Hintergrundbild auf allen seinen Geräten – und hat es, in Postergröße, auch schon in eine Photographie-Ausstellung geschafft. Eine klitzekleine Ausstellung zwar – aber immerhin. Es zeigt eine Mutter mit ihrem Sohn, wie sie gerade eine oder zwei der knapp 7.000 Luftballon-Abschußrampen, die entlang der alten Mauer aufgestellt waren, in räuberischer Absicht entwenden. Sie waren die einzigen nicht. Bolle sieht darin in reiner Form Hoffnung – oder zumindest Zukunftsgewandheit, vielleicht garniert mit einem Schuß Erwerbsfleiß – verkörpert. Bolle mußte seinerzeit hoch und heilig versichern, daß man auf dem Photo niemanden wird identifizieren können. Ehrensache, of course. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 29-12-24 Ladespaß

Ladespaß.

Dieses Jahr ist das erste Jahr, in dem es sowohl den agnostisch-kontemplativen Adventskalender als auch unsere Sonntagsfrühstückchen gibt. Warum? Weil letztere erst seit Mitte Mai dieses Jahres (nein, nicht „diesen“ Jahres) eingeführt sind. Dafür – das sei nicht unerwähnt – aber mit schönster Regelmäßigkeit.

Was den Adventskalender angeht, haben wir uns, den Wünschen unserer geneigten Leserschaft Rechnung tragend, überwiegend um Human-Touch-Themen gekümmert und schnöden Polit-Zirkus ein wenig außen vor gelassen. Schließlich war Weihnachtszeit und außerdem läuft uns das nicht weg.

Heute wollen wir – halb Human Touch, halb harte Welt (Goethe 1779) – einen Blick auf Bolles Ladespaß werfen. Wie? Ladespaß? Ist es nicht furchtbar lästig, die ganzen Gerätschaften, die man so braucht (oder zumindest zu brauchen meint), pausenlos mit frischem Saft zu füttern, als habe man es mit einem halben Dutzend Tamagotchis zu tun? Das durchaus. Allein – immer, wenn Bolle mal wieder eines seiner Geräte mit der nötigen Energie versorgen muß, kann er nicht umhin, sich zu freuen, daß es sich ja nur um Kleingeräte handelt, die zu füttern soo viel Aufwand dann ja auch wieder nicht ist. Unser Bildchen zeigt Bolles Ladestation – die sich wohl noch in durchaus vertretbaren Grenzen hält. Und so bleibt es nicht aus, daß Bolle beim Anstöpseln seiner Gadgets gelegentlich nach der Melodie eines uralten Karneval-Schunkelliedes vor sich hersummt: 🎵 Am liebsten aber laden wir // was handlich ist und klein. 🎵 Im Original heißt es: 🎵 Am liebsten aber baden wir // im Bier und auch im Wein. 🎵

Um den Kontrast zu verstärken, wollen wir uns vorstellen, daß Bolle ein Elektro-Auto hätte – eine Gerätschaft also, die wirklich richtig viel Energie braucht und sich durchaus nicht gemütlich vom Schreibtisch aus aufladen ließe. Da sei Gott vor, of course – sprach der Agnostiker.

Vor Jahrzehnten schon hatte Bolle von seinem damals besten Freund, einem angehenden Elektro-Ingenieur, gelernt, daß man in Fachkreisen zwischen Nachrichtentechnik und Energie­technik unterscheidet. Dabei ist Nachrichtentechnik alles, wo elektrische Energie der Speicherung und Verbreitung von Informationen dient. Energietechnik dagegen ist das, wo Strom ernstlich Arbeit verrichten muß – also zum Beispiel Maschinen antreiben, zu denen nicht zuletzt auch die E-Autos gehören, of course.

Nun – für Nachrichtentechnik braucht man vergleichsweise wenig elektrische Energie, für Energietechnik vergleichsweise viel. Das aber ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht. So gibt es zum Beispiel Unkenrufer (ein höchst seltenes Wort, übrigens), die rausgefunden haben wollen, daß Lithium – also der Rohstoff für die gleichnamigen Akkus – auf diesem Planeten nur in sehr viel geringeren Mengen vorhanden ist, als das für eine extensive Energietechnik wünschenswert oder gar erforderlich wäre. In diesem Zusammenhang läßt der Ukraine-Krieg aufs Heftigste grüßen. Da nämlich geht es nicht zuletzt um – Lithium.

Nach allem ist E-Autos aufzuladen also womöglich ähnlich abenteuerlich wie Gänse am Heiligen Abend zu braten (vgl. dazu Sa 07-12-24 Das 7. Türchen: Wollense Toast …?) – nur halt eben ganzjährig. Entsprechend halten sich die Leute auch zurück. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Natürlich mag es sein, daß das alles doch noch ein gutes – oder zumindest weniger schlechtes – Ende nimmt. Noch ist schließlich nicht aller Tage Abend. Ob da aber was gelingen kann, wenn man den technischen Fortschritt in die Hände von, ausgerechnet, Berufspolitikern legt, scheint Bolle mehr als fraglich. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Di 24-12-24 Das 24. – und für diesmal letzte – Türchen: Frohe Weihnachten Euch allen!

Die Zähmung des Feuers.

Wir hatten ja neulich erwähnt, daß es unseren Vorfahren vor immerhin 1,5 Millionen Jahren schon gelungen war, das Feuer zu zähmen, um zum Beispiel Mammuts oder Marshmallows schmackhafter zuzubereiten. Mit ›zähmen‹ ist dabei gemeint, ein Feuerchen auf die Stelle zu begrenzen, wo man es haben will – daß also die Feuerstelle brennt, und nicht gleich das ganze Dorf oder zumindest die ganze Höhle. Der nächste Schritt, der allerdings erst sehr, sehr viel später kam – vor 32.000 Jahren beziehungsweise vor gerade mal 8 Minuten auf der anthropologischen Uhr –, war dann die Erfindung des Feuerzeuges. Man mußte also das Feuer nicht mehr finden und einfangen und dann mühsam hüten und bewahren und bloß nicht erlöschen lassen. Nein, ab sofort konnte man jederzeit nach Belieben ein Feuerchen entzünden, wenn man eines brauchte. Noch vor gar nicht allzu langer Zeit übrigens galt es unter Hausfrauen (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) als ganz schlechtes Omen, wenn einem das Feuer im heimischen Herde ausging. Ein Feuer zu hüten – obwohl man doch längst Feuerzeuge oder Streichhölzer hat – steckt offenbar recht tief im kollektiven Unbewußten.

Das alles aber ist natürlich nichts gegen Bolles Feuerzähmung neulich – also vor wenigen Tagen erst. Kaum war das Adventskalendertürchen fertig (vgl. dazu Mo 16-12-24 Das 16. Türchen: Bewegte bunte Bilder), da kam es Bolle in den Sinn, warum denn nicht ein Feuerchen auf dem Schreibtisch entfachen?

Man könnte das natürlich kitschig finden – und das war auch Bolles erster Gedanke. Allein: definiere ›Kitsch‹. In Bolles Arbeitsdefinition, die sich für praktische Zwecke als durchaus ausreichend erwiesen hat, ist ›Kitsch‹ in guter Näherung ›Form ohne Funktion‹. Wenn sich also zum Beispiel jemand ein Klavier in den Salon stellt, obwohl er es gar nicht zu spielen weiß. Oder wenn jemand sich eine Bibliothek einrichtet, obwohl er gar nicht lesen kann oder es zumindest nicht tut. Hauptsache, es sieht gut aus. In Bolles Kreisen nennt man derlei übrigens ›symbolische Selbstergänzung‹: Man hübscht sein Ego auf, indem man sich mit Dingen umgibt, mit denen man zwar nichts anfangen kann, die aber was hermachen sollen.

Ist das Schreibtisch-Feuerchen also Kitsch? Demnach im Grunde eher nicht. Ein richtiges Feuerchen hat ja im wesentlichen vier Funktionen: Es wärmt, es leuchtet und erfreut das Herzelein, es knistert anheimelnd und es saugt die schlechte Luft aus dem Zimmer. Zwei der vier Funktionen erfüllt das Schreibtisch-Feuerchen durchaus, beim Rest muß es leider passen, of course. Aber immerhin: Von ›ohne Funktion‹ – zumindest von ganz ohne Funktion – kann also keine Rede sein. Der Rest ist – wie so oft im Leben – eine Frage der praktischen Erfahrung. Bolle jedenfalls findet sein Feuerchen klasse. Man hat was zu gucken und kommt dabei ganz ohne Telly aus. ›Telly‹ steht für TV oder Glotze und ist so very british, daß es als Wort kaum einer kennt. Bolle hat es seinerzeit mal bei Roald Dahls Matilda (1988) aufgeschnappt – eine entzückende Geschenkidee für das nächste Weihnachtsfest, übrigens. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel. Frohe Weihnachten!

Mo 23-12-24 Das 23. Türchen: Gansl-Essen

Weihnachtszeit – Gansl-Zeit.

So kann’s gehen. Neulich erst hatten wir mit einiger Überzeugung zum Besten gegeben, daß jemandem, der meint, am Heiligen Abend der Christenmenschen Gans servieren zu müssen, ohnehin nicht mehr zu helfen sei (vgl. Sa 07-12-24 Das 7. Türchen: Wollense Toast …?). Und wie das Leben so spielt, hat Bolle nun eine Einladung zum Gansl-Essen, und zwar am Heiligen Abend!

Das schreit natürlich geradezu nach einer Klarstellung. Natürlich kann und soll jeder machen und auch zubereiten, was immer ihm (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) beliebt. Was anderes zu meinen wäre eines überzeugten Agnostikers auch völlig unwürdig. Mehr noch: es wäre nachgerade albern.

Der Grundgedanke war natürlich, daß man – nach den ganzen Vorbereitungen – nicht auch noch den Heiligen Abend zum größten Teil in der Küche verbringt. Darum das Hölzerbrot. Oder die Würstchen mit Kartoffelsalat. Oder, wie wir aus zuverlässiger Quelle aus dem Kreise unserer geneigten Leserschaft wissen, gar Nudeln mit Tomatensoße – mit Tomaten aus dem Garten, allerdings.

Bolle weiß, wovon er spricht. Vor langen Jahren mal, so war seinerzeit der Plan, sollte es statt der üblichen Geschenke zum Weihnachtsfeste ein chinesisches Essen geben – mit einem halben Dutzend Gängen und einem ganzen Dutzend Gäste. Im Ansatz war die Idee ja gar nicht schlecht. Man erspart sich das ganze Geschenke auswählen und besorgen. Allein: nach etwa zweieinhalb Tagen Vorbereitung – Einkaufen und Schnippeln und was sonst noch alles so anfällt – hatte Bolle seine liebe Not, selber überhaupt was abzukriegen vom Festschmause, weil stets der jeweils nächste Gang fertig werden wollte – obwohl nach Art chinesischer Kochkunst doch alles schon vorgeschnippelt bereitstand.

Wer also die Kunst des Gansl-Zelebrierens in den Mittelpunkt des Weihnachtsfestes stellen mag und auch ansonsten einen freien Kopp hat – ähnlich wie etwa Serge Gorodish mit seiner Kunst, ein Baguette aufzuschneiden (vgl. wiederum Sa 07-12-24 Das 7. Türchen: Wollense Toast …?) – bitteschön. Wichtig ist doch letztlich nur, wie stets, der Geist, der unterm Weihnachtsbaume weht. Chaos oder Kontemplation?

Das Schildchen übrigens stammt aus Wien. Dort weiß man auf – verglichen mit hierzulande – geradezu deprimierend leckere Weise im Gasthaus ein Gansl zuzubereiten. Bei uns dagegen muß man alles selber machen, wenn schon. Obwohl es natürlich auch einige wenige Ausnahmen gibt, of course. Außerdem – das sei der guten Ordnung halber nachgetragen – hatten wir bei dem Rezept im 7. Türchen glatt die Butter vergessen. Die Zutaten, das sind also eine dicke Scheibe Kastenweißbrot, Butter, und zwar nicht zu knapp, Kochschinken ungeräuchert, Chester-Junk-Käse und Ketchup – und natürlich die Hölzer, of course. Ohne Butter nämlich wird das ebensowenig was wie ohne Hölzer. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

So 22-12-24 Das 22. Türchen – der 4. Advent: Lange Schlange

Lange Schlange.

Na also – wer sagt’s denn? Nach immerhin drei Wochen und einem Tag ist es nun doch soweit: Der vierte und letzte Advent! In diesem Jahr bedeutet das, daß übermorgen schon das Weihnachtsfest der Christenmenschen da ist.

Die Türchen der Adventskalender der Kleinen (und der vielen nicht ganz so Kleinen mehr) stehen fast alle sperrangelweit offen, die letzten Vorbereitungen sind, wie Bolle doch mal schwer hoffen will, dann doch erledigt, und auch der letzte Hektiker (beider- bzw. allerlei Geschlechts, of course) darf sich auf eine hoffentlich ruhig und besinnlich auslaufende Zielgerade einstellen.

Aus rein kalendarischen Gründen ist es in diesem Jahr ja nicht anders als in Rilkes ›Herbsttag‹ (1902):

Wer jetzt kein‘ Plan hat, macht sich keinen mehr.
Wer hinterdrein ist, wird’s für diesmal bleiben,
wird … (und so fort …).

Zwar könnten höchst optimistische Frohnaturen morgen noch versuchen, sich in eine der letzten Schlangen einzureihen, um ihre Last-Minute-Präsenterl dann doch noch zur Post zu geben – und die frecheren unter den Frohnaturen können sich dann – natürlich nur post festum, of course, darüber beschweren, daß ihre Päckchen nicht rechtzeitig angekommen sind. Scheiß Post!

Mit all dem hat unsere geneigte Leserschaft kontemplations-gestählt aber hoffentlich wenig zu tun. Gleichwohl wollen wir die diesjährige Adventszeit nicht ausklingen lassen, ohne noch Bolles jüngste Entdeckung – sozusagen als immaterielle Weihnachtsgabe – den Menschen auf Erden allgemein zu verkünden.

Wer sich auf das sachlich und sittlich notwendige beschränkt, allen möglichen Tüddelkram beiseite läßt und dabei darauf achtet, daß das Präsenterl nicht dicker ausfällt als maximal 5 Zentimeter – und dabei ein wenig Ausrüstung im Hause hat, also Zollstock, Waage, Briefmarken und nur weniges mehr –, kann Weihnachtsgeschenke sehr gut als Brief versenden. Zwar entgeht einem auf diese Weise die Freude an der Sendungsverfolgung – aber man kann nun mal nicht alles haben. Bolle hat in diesem Jahr den Praxistest gemacht. Funktioniert! Den Weg zur Post kann man sich allerdings gleichwohl nicht ersparen, da normale Briefkästen auf der Straße einen zu schmalen Einwurfschlitz haben. Aber egal: Auf dem Bildchen oben sehen wir am linken Bildrand einen Postbriefkasten mit breit genugem Schlitz. Für Bolle war es ein herrliches Gefühl, ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk geradezu – nach der Devise: Ich kam, sah und staunte. Wie leicht doch Schlangen umgangen werden können. Man soll ja nicht schadenfroh sein. Sich aber über entgangenen Schaden – der niemandem sonst ein Leides tut – zu freuen wird man ja wohl dürfen.

Ansonsten ist in Bolles Konsumtempel heute verkaufsoffener Sonntag. Auf daß bloß niemand zur Ruhe kommen möge – die Verkäufer nicht und auch die Kundschaft nicht. Ein dreifach Hoch auf das vita activa, das bewegte Leben. Wer nur denkt sich sowas aus? Vielleicht wird Bolle nachher mal durchschlurfen – Hände in den Manteltaschen, of course. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.

Sa 21-12-24 Das 21. Türchen: Silentium

Einfach mal die Klappe halten.

Eigentlich sollte es uns heute um ›Lange Schlangen‹ gehen – Schlangen vor den Postämtern beziehungsweise Paketannahmestellen, an den Kassen der Konsumtempel und nicht zuletzt auch auf den Autobahnen. Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt.

Es hat mal wieder geknallt auf einem deutschen Weihnachtsmarkt. Falls der überhaupt noch so heißen darf – und nicht etwa „Winterwunderland“ (vgl. Mi 11-12-24 Das 11. Türchen: Winterwunderland).

Und? Wie geht der Journalismus 2.0 damit um? Zunächst einmal verunstalten sie den im Telly laufenden ›Kleinen Lord‹ (GB 1980 / Regie: Jack Gold) mit der höchst häßlichen Einblendung von „Eilmeldungen“ am oberen und am unteren Bildschirmrand. Doppelt gemoppelt hält besser, wird man sich wohl gedacht haben. Bolle aber findet, das störe den Filmgenuß doch sehr – und meint das ganz und gar nicht zynisch. Wozu die Eile? Hat das nicht Zeit bis nach dem Film? Schlechte Nachrichten werden nunmal auch dann nicht besser, wenn sie sich  überschlagen.

Schließlich wurde, wie’s scheint, das sprichwörtliche Kribbeln im Arsch der Medienschaffenden anscheinend übermächtig, und so hat man den Film kurzerhand zwecks Katastrophenberichterstattung glatt unterbrochen – nur um zu berichten, daß man noch nichts zu berichten wisse. Dazu die üblichen langen Gesichter – wie immer, wenn einem die Realität mal wieder höchst unsanft vor Augen führt, daß es sie noch gibt, allem Leugnen und Schönsäuseln zum Trotze, und daß nicht jeder gut gemeinte und dabei ganz schlecht durchdachte Plan auch ein gutes Ende nehmen muß.

Mehr wollen wir heute gar nicht sagen. Einfach mal die Klappe halten scheint uns mehr als angemessen. Nur so viel: Laßt Euch von sowas nicht die Weihnachtszeit verderben – auch wenn es naheliegen mag. Und doch: da freut man sich auf Weihnachten – zumindest aber auf Glühwein und Bratwurst, den Christbaum, leuchtende Kinderaugen und viele, viele Geschenke. Und zack: ganz plötzlich, eh man sich’s versieht, findet man sich im Krankenhaus oder gar auf dem Friedhof wieder. Schön ist das nicht. Bolle jedenfalls würde sich das anders wünschen. Das aber ist dann doch schon wieder ein ganz anderes Kapitel.